Nizam Yavsan (links) und der Vorsitzende der Gesellschaft Ezidischer Akademiker Serhat Ortac, eröffnen die Bibliothek. Foto: Fremdfotos/eingesandt

Ezidische Bibliothek in Bergen eröffnet

Integrationsprozesse und gesellschaftliches Miteinander zu fördern, ist nur ein Ziel des Pilotprojektes "Bibliothek des Ezidentums", das die Gemeinde der Eziden in Bergen im Rahmen des Bundesprogrammes „Demokratie leben“ angestoßen hat. Durch beständige Aufklärung und Sensibilisierung wolle man mit diesem Bildungsprojekt einen Beitrag leisten, um jahrhundertelang anhaltende Vorurteile, falsche Bilder und fehlerhafte Informationen über das Ezidentum ein Stück weit auszuräumen, betont Nizam Yavsan, Co-Vorsitzender der "Mala Êzîdiya Bergen".

BERGEN. "Demokratie leben" setzt auf verschiedenen Ebenen an: Gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, unterstützt das Programm Projekte zur Radikalisierungsprävention und Demokratieförderung, sowohl mit kommunalen als auch mit regionalen und überregionalen Schwerpunkten – Projekte wie die im Dezember eröffnete "Bibliothek des Ezidentums" im Gemeindezentrum der "Mala Êzîdiya Bergen", die sich ausschließlich der Geschichte des Ezidentums und der Integration von Eziden in Deutschland widmet.

"Die Auseinandersetzung mit der eigenen Herkunft, Religion und Kultur im Kontext der Moderne und der Pluralität der heutigen Zivilgesellschaft, ist die Quintessenz eines jeden gesellschaftlichen Fortschritts", erklärt Yavsan. Ebenso wichtig sei dabei auch die Aufklärung über die kulturellen und religiösen Werte sowie die Geschichte eines Volkes. "Aufklärungsarbeit über das Ezidentum ist deshalb ein zentrales Anliegen der Arbeit unserer Gemeinde", so der Co-Vorsitzende weiter. Diese solle vor dem Hintergrund der Einrichtung einer ezidischen Bibliothek künftig noch intensiviert werden.

Rund 70 Bücher zählen zum Startbestand der kleinen Bibliothek, die im Laufe der Zeit noch erweitert werden soll. Wissenschaftliche, theologische und historische Werke thematisieren die Geschichte des Ezidentums von den Anfängen bis zur Gegenwart – darüber hinaus stehen auch Kinderbücher, Romane, Biografien sowie Fachliteratur zum Thema Integration zur Verfügung.

In einer heterogenen Gesellschaft wie der unseren sei das angemessene Wissen voneinander für ein tolerantes und vertrauensvolles Miteinander absolut unerlässlich, findet Yavsan. Die Ausleihe von Büchern ist deshalb Schulen, kirchlichen und ehrenamtlichen Organisationen, Städten und Gemeinden sowie anderen Kooperationspartnern aus den Bereichen Kultur, Bildung und Soziales vorbehalten. Privatpersonen können die "Bibliothek des Ezidentums" als Präsenzbibliothek nutzen. "Derzeit planen wir vier Öffnungstage im Jahr", sagt Yavsan, "das Projekt ist ja gerade erst angelaufen und wir müssen erst einmal abwarten, wie groß das Interesse überhaupt ist." Grundsätzlich richte sich die Bibliothek aber an alle Menschen, die sich mit der Herkunft und Religion der Eziden auseinandersetzen wollen.

Die "Bibliothek des Ezidentums" steht unter der Schirmherrschaft des Vereins "Gesellschaft Ezidischer AkademikerInnen" (GEA) – anlässlich ihrer Einweihung im Dezember hatte auch der GEA-Vorsitzende Serhat Ortac die Relevanz solcher Bildungsprojekte für alle Teilnehmer des gesellschaftlichen Lebens unterstrichen.

Autor: Christina Matthies, geschrieben am: 05.02.2018       Artikel drucken