Sabine Ebert hatte mit dem Signieren ihres aktuellen Buches "Der junge Falke" allerhand zu tun. Foto: David Borghoff

Bestsellerautorin in Celle: Ausstaffiertes Mittelalter

Sabine Ebert hat am Donnerstagabend bei der Buchhandlung Decius gelesen. Dabei sprach sie auch über die Reihe „Game of Thrones“ von George Martin.

ALTSTADT. Das Etikett „Spiegelbestseller“ prangt auf den anlässlich der Lesung am Donnerstagabend ausgelegten Büchern von Sabine Ebert in der Buchhandlung Decius. „Schwert und Krone“, „Das Geheimnis…“ oder „Der Traum der Hebamme“ lauten die Titel, die Cover der Reihe rund um das Leben der Hebamme Marthe im 12. Jahrhundert deuten auf reine Unterhaltungsliteratur.

Das Mittelalter als Schauplatz für Geschichten hat Konjunktur, und auch darüber hinaus liegt es im Trend: „Ich bin Mitglied in einer Mittelalter-Gruppe, zum Beispiel kochen wir nur mit Zutaten, die es damals schon gab. Die Männer trainieren Schwertkampf, und wir üben uns in höfischem Tanz“, berichtet die Autorin ihren zahlreich erschienenen Gästen.

Ihr ging schon vor dem Start der Veranstaltung das Herz auf beim Anblick der ausgelegten Bücher aus der Reihe „Game of Thrones“ von George Martin. „Er ist mit seiner Fantasy mehr am Mittelalter dran als etliche Historienromane“, sagt sie, und die durchscheinende Bewunderung lässt Vorbildcharakter vermuten.

Martin diente das Machtgerangel der Herrschergeschlechter in Europa als Inspiration, und deren Spuren folgt auch Ebert in ihrem neuen Buch „Der junge Falke“. Alle Figuren sind historisch belegt. „Ich habe mich dieses Mal nicht den einfachen Leuten gewidmet, sondern die Perspektive der Fürsten gewählt“, erläutert Ebert, die bei der Recherche für ihre Romane eng mit Historikern zusammenarbeitet. „Ich werde mehr erzählen als vorlesen, die Leute wollen erfahrungsgemäß etwas vom Drumherum wissen“, sagt sie zum Auftakt, und so entpuppen sich die zwei Stunden in der Buchhandlung eher als Historienvortrag denn als Lesung.

Die Autorin offenbart sehr großen Kenntnisreichtum. Die wenigen Sequenzen, die sie liest, deuten auf eine einfache Sprache ihrer Werke: „Wir Jungen werden die Welt verändern“, mangelt es den Herzögen Friedrich und Heinrich nicht an Selbstbewusstsein, das ihnen wohl die Abstammung in die Wiege gelegt hat. „Du bist von ebenso edlem Geblüt“, hieß es wenige Zeilen zuvor.

Sabine Ebert unterhält ihr Publikum sowohl mit Auszügen aus ihrem aktuellen Buch als auch mit historischen Fakten sehr gut, was allein angesichts der Namensgleichheit in den Herrscherdynastien eine Leistung ist. Die Schriftstellerin entschuldigt sich vorsorglich für den Fall, dass es ein wenig unübersichtlich werden sollte: „Die hießen damals alle Konrad, Friedrich und Heinrich. Heinrich war der ‚Kevin‘ des Mittelalters.“

Autor: Anke Schlicht, geschrieben am: 10.02.2018       Artikel drucken