Tina Fröhlich (rechts) freut sich sehr, dass sie nun endlich die Tankstelle ihrer Eltern Wolfgang und Margrit Wilke übernehmen darf. Wilkes werden ihren Ruhestand nutzen, um mehr Zeit mit ihren drei Töchtern und sieben Enkelkindern zu verbringen. Foto: Audrey-Lynn Struck

Generationenwechsel in Eicklingen: Tochter führt Familienunternehmen weiter

365 Tage im Jahr– und das schon seit 23 Jahren –, haben die Besitzer Wolfgang und Margrit Wilke ihre Tankstelle in Eicklingen geführt. Das Ehepaar ergriff 1993 die Initiative, kaufte ein Grundstück, fing an selbst die Tankstelle zu bauen und schrieb alle großen Mineralölgesellschaften an. Mit Erfolg, der Betrieb florierte und wurde mehr als nur eine Tankstelle. Das Geschäft ist Bäckerei und Kaffeekränzchen zugleich. Nun haben Wilkes den Betrieb an ihre mittlere Tochter Tina Fröhlich übergeben.

EICKLINGEN. "Als ich noch ein Kind war, habe ich immer, wenn ich in die Tankstelle gekommen bin gesagt: Ich freue mich schon, wenn ich die endlich übernehmen kann", erzählt Fröhlich lachend. Für sie habe Familienbesitz schon immer eine wichtige Rolle gespielt. "So etwas kann man nicht einfach so verkaufen, sondern muss es weiterführen", sagt Fröhlich, die mittlerweile selbst vier Kinder hat. Um in der Nähe zu bleiben, ging sie nach ihrem Abitur nicht studieren, sondern arbeitete als Immobilienmaklerin und wartete. Bis Ende 2017. Am 1. Januar dieses Jahres übergaben ihre Eltern ihr die Tankstelle, gingen in Rente und planen nun einen Urlaub mit dem Wohnmobil gen Süden.

"Mir hat die Arbeit immer viel Spaß gemacht. Aber ich bin auch froh, dass ich das nun abgeben darf", so Margrit Wilke. Die Tankstelle entsprang damals aus dem Wunsch ihres Mannes, neben der gemeinsamen Werkstatt noch ein zweites Standbein zu haben. Ohne wirklich zu wissen, wie es geht, entstand innerhalb von 90 Tagen die Tankstelle. "Schon damals haben wir mit EDV und Warenwirtschaft gearbeitet. Da waren wir ein echter Vorreiter", sagt die 63-jährige Margrit Wilke. Und noch eine Besonderheit hob ihr Geschäft von den anderen ab: ihre selbstbelegten Brötchen. Von einem kleinen Tablet neben dem Tresen entwickelte es sich zu einer kleinen Bäckerei mit eigenem Verkaufstresen. "Die Bauarbeiter oder Pendler, die nach Wolfsburg fahren, holen bei uns ihre Brötchen", so Tina Fröhlich. Das Frühstück in der Tankstelle – inklusive einem Pläuschchen mit den Mitarbeitern – gehöre bei vielen fest zum Morgenritual dazu. "Es ist hier ein bisschen wie beim Friseur, die Kunden lassen bei uns ihre Sorgen", erzählt die 36-jährige Fröhlich.

Statt wie ihre Eltern die Tankstelle als Eigentümerin fortzuführen wurde die Tankstelle zum 1. Januar an Tamoil verpachtet. "Diese Dreiecksbeziehung aus uns, Tina und Tamoil ist für das Wirtschaftsverhältnis besser", erklärt Wilke. Fröhlich habe nun zwar etwas weniger Freiraum, dafür die ganze Familie aber mehr Sicherheit.

Der neue Pachtvertrag bringt auch für die Kunden einige Neuerungen. Ab März soll die Tankstelle komplett umgebaut werden. Während der Arbeiten werde dann alles in Containern verkauft. "Es kommt ein neues Design und eine Art Lounge-Bereich. Insgesamt soll es mit dem Backshop Café-mäßiger werden", so Fröhlich. Auch die Waschanlage werde umgestaltet.

Im Sortiment des heiß geliebten Backshops werde allerdings nichts verändert. "Das war Tina sehr wichtig und dafür hat sie gekämpft", sagt Margrit Wilke. Auch sonst möchte Fröhlich bis auf das Design wenig an der bisherigen Tankstelle verändern. "Ich hoffe, dass ich unsere Kunden halten kann und das Klima für sie weiterhin so schön bleibt. Daher habe ich mehr den Anspruch, dass es so gut läuft, wie bisher", so Fröhlich. Ein möglicher Nachfolger sei auch schon in Sicht. "Meine zwei Jungs wollen beide auch unbedingt hier arbeiten und zum Beispiel die Autos vorwaschen."

Autor: Audrey-Lynn Struck, geschrieben am: 10.02.2018       Artikel drucken