Gabriele Engeldinger erlebt die Gespräche mit ihrem „Patenkind“ als eine Bereicherung ihres Ruhestandes. Foto: David Borghoff

Patenprojekt in Celle: Einstieg ins Leben erleichtern

Mit dem Rad zur Schule fahren – für viele Schüler eine Alltäglichkeit – nicht für Asma. "Zu Hause hatten wir einen Fahrer, der mich zur Schule oder zum Markt gefahren hat", sagt die 16-Jährige. Vor zwei Jahren ist die Oberschülerin aus Afghanistan nach Celle gekommen. Viele neue Eindrücke, eine fremde Kultur, eine unbekannte Sprache prasseln auf sie ein. Hilfe bekommt sie von ihrer Patin Gabriele Engeldinger vom Projekt Ausbildungsbrücke.

CELLE. "Heute wollen wir über Regeln im Straßenverkehr sprechen", sagt die 60-Jährige. Einmal in der Woche treffen sich die Vorruheständlerin und ihr Patenkind in der Oberschule (OBS) an der Blumlage. Radfahrwege, Stehenbleiben an roten Ampeln und Helmtragen sind nur einige Inhalte, über die die beiden in ihrem rund einstündigen Gespräch reden. Doch das Wichtigste sei nun einmal die Sprache. "Deutsch lesen und verstehen – ohne das geht gar nichts", sagt die ehemalige IT-Leiterin.

Bei der Ausbildungsbrücke bieten ehrenamtliche Paten den Schülern der Klassen acht bis zehn "Hilfe zur Selbsthilfe" bei der Berufsorientierung, erklärt Projektkoordinator Ralf Wolter. "Sie helfen individuell, bieten Bewerbungstraining an und begleiten die Schüler bis in die Ausbildung hinein“, berichtet Wolter. Als Kooperationschulen für sein Patenmodell hat Wolter mittlerweile neben der Oberschule an der Blumlage auch die OBS in Westercelle und Wathlingen und die Integrierte Gesamtschule Celle gewonnen.

Asma hat große Ziele für ihre Zukunft. Sie könne sich vorstellen später eine Ausbildung zur Arzthelferin zu machen. "Aber eigentlich will ich studieren", sagt das Mädchen. Im nächsten Schuljahr wird die 16-Jährige an die BBS III gehen. Und auch wenn bisher keine Kooperation mit den Berufsbildenden Schulen besteht, möchten Asma und Gabriele Engeldinger weiter miteinander arbeiten. "Es ist toll, junge Menschen zu begleiten, die ins Leben einsteigen, und ihnen zu helfen", sagt die Ehrenamtliche.

Doch damit die Arbeit des Projektes weitergeht, werden noch weitere Paten gesucht. Fragen beantwortet Ralf Wolter unter Telefon (05141) 828820 oder per E-Mail unter ralf.wolter@patenmodell.de.

Autor: Katharina Baumgartner, geschrieben am: 02.03.2018       Artikel drucken