Tom Velten warnt vor dem „Nordwest-Straßenjournal“ (links). Foto: Oliver Knoblich

Celler Asphalt-Verkäufer schlägt Alarm

Während in Hamburg bereits ein Kampf zwischen zwei Straßenmagazinen tobt, herrschte bislang in Celle Frieden. Vermehrt taucht nun das im hanseatischen Raum bereits verbreitete „Nordwest-Straßenjournal“ im Stadtgebiet auf. „Es ist eine nachgemachte Straßenzeitung“, sagt der „Asphalt"-Verkäufer Tom Velten, der die soziale Straßenzeitschrift aus Hannover in Celle vertreibt. In der vergangenen Woche habe er selbst so ein "falsches Magazin" vor dem Aldi an der Hasenbahn gekauft. „Absolut unseriös und dubios“, lautet das Urteil von Velten.

CELLE. „Vollkommen legal und verkauft von Obdachlosen“, steht auf dem Titel des „Nordwest-Straßenjournals“. Die Zeitschrift wird für 2,20 Euro verkauft. Davon sollen 1,10 Euro an die Verkäufer gehen, prangt es auf der Vorderseite. Daran glaubt Velten nicht – und geht davon aus, dass die Verkäufer nicht – oder nur sehr gering – beteiligt werden. Doch auch die Käufer sieht er als Opfer: „Leute, die denken, dass sie etwas Gutes tun, werden übers Ohr gehauen“, sagt Velten. Den Käufern werde hier etwas vorgegaukelt.

Auch sieht er sich und seine „Asphalt"-Kollegen durch die aggressive Verkaufsmethoden in Verruf gebracht. „Wir schnorren nicht und haben einen Verkäuferausweis mit Nummer.“ Was ihn wütend mache, sei dass durch so ein dubioses Blatt das gute Image beschädigt werden könne. „Die machen die echten Magazine kaputt“, sagt Velten. Er sei dem „Asphalt"-Magazin sehr dankbar für die Unterstützung in den vergangenen rund 18 Jahren. „Unser Magazin aus Hannover ist meine Stütze in meiner persönlichen Armut“, sagt der Celler.

„Es wird der Anschein erweckt, als ob der Leser durch den Kauf ein soziales Projekt unterstützt“, sagt „Asphalt"-Geschäftsführer Georg Rinke. Auch Rinke ist das „Nordwest-Straßenjournal“ bekannt. Der Eindruck vom Magazin vom Impressum bis zur Redaktion sei eindeutig: „schlecht gemacht“, beurteilt der Asphalt-Chef die Zeitschrift aus Hamburg. Die Texte seien aus anderen Medien herauskopiert und einfach abgedruckt worden. Doch es bestehe keine rechtliche Handhabe gegen das Straßenmagazin. Dies hätten bereits die Kollegen des hamburgischen Straßenmagazins „Hinz und Kunzt“ versucht. „Wir können nur Vermutungen anstellen“, sagt Rinke. Und so könne man das Magazin nicht komplett verurteilen. „Sicherlich können auch die Menschen, die diese Zeitschrift verkaufen, hilfsbedürftig sein.“ Tom Velten hingegen glaubt nicht, dass das Geld bei diesen Verkäufern ankommt.

Für Asphalt, dem sozialen Straßenmagazin, für Hannover und Niedersachsen sind mittlerweile 170 Verkäufer im Einsatz. „Durch den Verkauf des Magazins versuchen sie, ihrem Leben wieder Struktur und Sinn zu verleihen“, sagt Rinke. Hier bekommen die Verkäufer tatsächlich die festgelegten 1,10 Euro. „Wir unterstützen die Betroffenen noch über den Verkauf hinaus“, sagt der Geschäftsführer. Eingehende Spenden gehen so unter anderem an die Arbeit von Sozialarbeitern, die Kleiderkammer, soziale Stadtrundgänge oder Schulprojekte wie “Asphalt geht in die Schule“.

Velten betont abschließend: „Für Celle gibt es nur das ,Asphalt‘-Magazin und für Hamburg nur das Straßenzeitungsmagazin ,Hinz und Kunzt'.“

Autor: Katharina Baumgartner, geschrieben am: 02.03.2018       Artikel drucken