Foto: Friso Gentsch

Jäger schießt Schwiegervater in Müden in den Bauch

In einer Hütte in Müden sollte der Abend ausklingen, doch als ein 49-jähriger Mann und sein Schwiegervater aus Rheine diese am späten Donnerstagabend nach der Jagd erreichen, kommt es zum Unglück. Als der Schwiegersohn seine Waffe von der Rücksitzbank holt, löst sich ein Schuss – dieser trifft seinen 76-jährigen Schwiegervater im Unterleib. Eine Notoperation im Krankenhaus rettet dem Mann das Leben. Inzwischen ist er außer Lebensgefahr. "Das hätte auch anders ausgehen können", sagt die Celler Polizeisprecherin Birgit Insinger. "Fatalerweise hat der Schwiegersohn vergessen, die Waffe wie vorgeschrieben nach der Jagd zu entladen." Die Polizei ermittelt daher wegen fahrlässiger Körperverletzung.

MÜDEN. "So etwas darf nicht passieren – eine geladene Waffe im Auto geht gar nicht", sagt der Celler Kreisjägermeister Hans Knoop. "Man muss mit seiner durchgefrorenen Hand oder mit der Jacke ja nur an den Abzug kommen, schon löst sich eine Schuss." Daher gelten klare Vorschriften: "Ich darf die Waffe nur scharf stellen, wenn ich auf der Pirsch bin", erklärt Knoop. "Selbst wenn ich ein Hindernis wie einen Graben oder Zaun überwinden will, muss ich die Waffe entladen." Bei der Jagd vom Hochsitz dürfe die Waffe erst geladen werden, wenn der Jäger oben sei.

"Jäger dürfen eine Waffe zugriffsbereit führen, sofern sie direkt aus dem Revier zu einer Jagdhütte fahren", sagt Landkreis-Sprecher Tore Harmening. "Die Aufbewahrung der Waffe auf dem Rücksitz – und nicht in einem Waffenschrank – wäre damit grundsätzlich vom Waffengesetz abgedeckt." Nach dem Waffengesetz sei es aber nicht erlaubt, eine Waffe geladen zu transportieren, da die Waffe nur ohne Erlaubnis geführt werden darf, wenn sie nicht schussbereit – also geladen – ist. "Ein solcher Verstoß kann nach dem Waffengesetz eine Straftat darstellen", so Harmening.

Im Landkreis Celle hatte es vor einigen Jahren in Hambühren einen Jagdunfall gegeben, an den sich Knoop erinnert. Ein Jäger beschoss einen Kollegen im Maisfeld, weil er ihn für eine Sau hielt. Der Mann hatte Glück, dass der Operationssaal für einen anderen Patienten schon vorbereitet war. So konnte der Eingriff sofort beginnen, sonst wäre der Jäger wohl verblutet.

"Grundsätzlich kommen Jagdunfälle im Landkreis Celle aber sehr selten vor", sagt Polizeisprecherin Insinger. "Die Jäger halten sich an die Vorschriften und entladen die Waffen."

Auf den 49-jährigen Schützen von Müden kommt jetzt ein Verfahren zu. Ob er seinen Jagdschein abgeben muss, hängt vom Urteil ab. "Bei einer Verurteilung zu über 60 Tagessätzen verliert er automatisch den Jagdschein", sagt Knoop.

Autor: Christopher Menge, geschrieben am: 02.03.2018       Artikel drucken