Foto: Oliver Knoblich

Bierkonsum hilft Landwirtschaft

Ob friesisch herb, kräftig und malzaromatisch oder spritzig und mild: Das Bier ist für viele auf Feiern, in der Bar oder zu Hause gemütlich auf der Couch kaum wegzudenken. Auch die Landwirte haben ihre Freude an dem beliebten Getränk.

ESCHEDE. Der Anbau von Braugerste boomt, der Preis für das Sommergetreide ist in den vergangenen Jahren enorm gestiegen. "Wer Bier trinkt, hilft der Landwirtschaft", scherzt Kreislandwirt Jürgen Mente.

In gut zwei Wochen wird die Braugerste wieder im Landkreis Celle angebaut. Je Dezitonne bekommen die Bauern über 18 Euro – 4 Euro mehr als für Futtergerste. Bei dem guten Preis ist es kaum verwunderlich, dass die Braugerste im Landkreis Celle zu den beliebtesten Getreiden zählt. Sie wurde im vergangenen Jahr auf etwa fünfeinhalb tausend Hektar Land angebaut. "Weizen war nur auf einer Fläche von 3800 Hektar und Roggen noch weiter dahinter", sagt Mente.

Der Landkreis Celle zählt neben Gifhorn und Peine zu den niedersächsischen Hochburgen des Braugerstenanbaus. Vor allem der Raum Eschede wird für den Anbau gerne genutzt. "Der Standort ist sehr sandig, da wurde schon immer viel Sommergetreide angebaut", sagt Mente. Zusätzlich sei die Vermarktung aus logistischen Gründen sehr gut. Die Raiffeisen Zentralheide, einer der Hauptabnehmer, hat dort einen großen Standort.

Viele Landwirte bringen ihre Ernte zur Lagerung in die Zentralheide Soltau oder zum Landhandel Otte in Eversen. Dort wird das Getreide meist auch gleich auf die Qualität geprüft. "Wir machen eine Analyse, sortieren es und trennen es nach der Qualität", sagt Carsten Knoop, Leiter der Getreide-Abteilung im Landhandel Otte. Neben der Sortenreinheit werden auch die Eiweißwerte und die Feuchtigkeit geprüft.

Mit den Jahren sind die Anforderungen der Mälzereien, die die Braugerste anschließend abnehmen, gestiegen. "Alle paar Jahre wechseln wir die Sorte. Momentan bauen wir den Quäntsch an", sagt Henning Schütze. Etwa zehn Prozent der Anbaufläche wird mit einer anderen Braugerste angebaut. So kann sich Schütz zum einen bereits in eine neue Sorte reinfuchsen und die Mälzerei kann entscheiden, wenn sie statt Quäntsch vorwiegend mit der neuen Sorte beliefert werden will.

Im März wird mit der Aussaat begonnen, innerhalb von etwa 100 Tagen ist das Getreide dann reif für die Ernte. Neben der frühzeitigen Düngung ist auch das Wetter entscheidend. "Die momentane Frostperiode ist sogar gut für den Boden. Er wird krümmeliger", sagt Mente. Für den Anbau der Braugerste muss der Boden dann allerdings trocken und warm sein. "Wenn man die Gerste bei feuchten Witterungen bestellt, nimmt sie einem das das ganze Jahr übel", erzählt Mente. Besonders gut sei es, wenn der Boden so trocken ist, dass er beim Bestellen staubt.

Damit die Ernte besonders gut ausfällt, hat Landwirt Schütz einen Trick. Im Wechsel bestellt er die Felder erst mit Hackfrüchten wie Mais, Zuckerrüben oder Kartoffeln und anschließend mit Getreide. "Die Braugerste ist immer dankbar, wenn sie nach einer Hackfrucht kommt und der Ertrag größer", so Schütz.

Dieses Jahr könnte sich die Anbaufläche in Niedersachsen von 29.100 Hektar noch erweitern. "Wir knacken vielleicht im Landkreis die 6000-Hektar-Marke", sagt Mente. (als)

Autor: Audrey-Lynn Struck, geschrieben am: 02.03.2018       Artikel drucken