Die Leiterin des Celler Stadtarchivs Sabine Maehnert (links) im Gespräch mit Besucherin Monika Krause. Foto: Anke Schlicht

Stadtarchiv Celle: Gedächtnis der Stadt ein hohes Gut

Beim "Tag der Archive" im Celler Stadtarchiv in Westercelle werfen Besucher einen Blick auf historische Dokumente. Dass die Schriften erhalten sind, ist keinesfalls selbstverständlich.

WESTERCELLE. Worüber diese Exponate Zeugnis ablegen, gehört zum Dunkelsten, was eine Stadt hervorbringen kann. „Protokoll der Befragung der angeblichen Hexe Ilsche Lüders am 15.6.1570“ ist im Glaskasten des Celler Stadtarchivs zu lesen oder „Protokoll der Hinrichtung von … am 8.8.1818“.

Den Rahmen für die Präsentation bildet der alle zwei Jahre, bundesweit unter einem Motto stattfindende „Tag der Archive“. Das Gerichtswesen nimmt für die Umsetzung des für 2018 vom Verband der Deutschen Archivare ausgegebenen Mottos „Bürgerrechte und Demokratie“ breiten Raum ein. „Die Besucher sollen an einem solchen Tag Zeugnisse sehen, die sonst nicht öffentlich sind“, erläutert die Leiterin Sabine Maehnert. Als Beispiel zeigt sie zwei Exponate mit jeweils beeindruckenden Siegeln und in engem Zusammenhang stehend. Das den Bürgern zu Celle von Herzog Otto verliehene Stadtrecht vom 9.3.1301 liegt aus. Rund 200 Jahre behielten die 37 Rechtssätze, die das Leben in der mittelalterlichen Stadt regelten, ihre Gültigkeit, 1537 wurden sie abgelöst vom Zweiten Celler Stadtrecht, für das Herzog Ernst I sowie sein Bruder Herzog Franz von Gifhorn verantwortlich zeichneten.

Mit einer Körperdrehung überspringt der Interessierte einige Jahrhunderte und findet sich zunächst vor der gegenüberliegenden Ausstellungswand in den 1970er Jahren wieder, als es der CZ zufolge zahlreiche Bürger zu Protesten in die Altstadt zog. Sie wehrten sich 1979 gegen Rechtsextremismus und später im Jahr 2004 gegen die Öffnung der Schuhstraße für den Verkehr.

Dass all diese Dokumente vorhanden sind, ist keine Selbstverständlichkeit. Erst 1930 wurde die Institution gegründet, bis dahin lagerte historisches Material verstreut auf Dachböden oder in Kellern. Unscheinbar im Vergleich zu den sehr alten Exponaten wirkt ein mit Schreibmaschine verfasstes, lose zusammengebundenes Dokument. „Das Protokoll der ersten Ratssitzung der Celler Stadtvertretung am 10.1.1946 unter Leitung des britischen Stadtkommandanten war ein historischer Augenblick und markierte einen Neuanfang nach dunkler Zeit“, wird hinter Glas erläutert. „Gäbe es das Stadtarchiv nicht, wäre die Niederschrift auf irgendeinem Dachboden verschollen, es klaffte eine Lücke in der Dokumentation der Stadtgeschichte“, macht der stellvertretende Leiter Benjamin Geyer klar, dass auch das Gedächtnis einer Stadt ein hohes Gut ist. (als)

Autor: Anke Schlicht, geschrieben am: 05.03.2018       Artikel drucken