Nach dem Finale: Die Autoren des Poetry Slams zeigen sich dem Publikum. Foto: Sebastian Salie

Aus dem Kopf aufs Papier – und dann auf die Bühne

Von der Idee bis zur Bühnenshow: Bei der "Schreibwerkstatt" im Hermannsburger Christian-Gymnasium sind die Neuntklässler in nur drei Tagen zu Poetry-Slammern geworden.

HERMANNSBURG. Hartnäckig hält sich das Gerücht, zum Schreiben literarischer Texte müsse man geboren sein, und dem Genie flöge die Inspiration zum Meisterwerk nur so zu. Dass die Produktion von Lyrik und Erzählprosa aber durchaus handwerklichen Charakter besitzt und erlernbar ist, haben kürzlich die Neuntklässler des Christian-Gymnasiums erfahren. Bei der drei Schultage währenden „Schreibwerkstatt“ verwandelte sich der gesamte Jahrgang in eine Gruppe junger Autoren – und brachte Erstaunliches zu Papier und auf die Bühne der Schul-Aula.

Phase 1 – Ideenschmiede: Angeregt durch verschiedene Schreibanlässe, die ihnen ihre Deutsch-Lehrer am ersten Tag vermittelten, kreierten die Jugendlichen sowohl heitere als auch nachdenkliche oder düstere Geschichten, die sie sich anschließend mal in ihrer Klasse, mal in Kleingruppen gegenseitig vorstellten. Dabei tauschten sie auch Anregungen für Verbesserungen ihrer Werke aus, die dann am zweiten Tag des Projektes umgesetzt werden konnten.

Phase 2 – Textkritik: Am zweiten Tag ging es zunächst darum, die Ergebnisse des Vortages zu überarbeiten. „Es ist wichtig für die Schüler, zu erkennen, dass das Schreiben ein Prozess ist, der mehrere Phasen umfasst“, erläutert Maureen Lamm, Fachobfrau für das Fach Deutsch am Christian-Gymnasium. „Kaum ein Autor schreibt etwa ein Gedicht einfach so herunter und dann ist es fertig.“

Nebenbei sei der Austausch auch ein Training in Sachen Gesprächsregeln: „Gerade literarische Texte sind oft persönlich geprägt und erfordern, dass sensibel mit ihnen umgegangen wird“, so Lamm. „Die andere Seite ist natürlich, dass es den Mut und das Selbstbewusstsein der Jugendlichen fördert, wenn sie ihre Texte präsentieren und diese dann gewürdigt werden.“

Phase 3 – Poetry-Slam: Zehn Autoren stellten am letzten Tag der Schreibwerkstatt ihre Texte dem gesamten Jahrgang beim „Poetry-Slam“ in der Aula vor. Doch auch ihre Mitschüler hatten ihren Anteil an dem Spektakel, schließlich hatten sie in den Klassenverbänden ihre Kandidaten mit ausgewählt und vor der Veranstaltung mit ihnen den Vortrag auf der Bühne trainiert. Schlussendlich waren sie es auch, die per Abstimmung den Publikumspreis ermittelten.

Es gewann der Text „Bis zum letzten Herzschlag“ von Amelie Kiedrowski. Den Jury-Preis, den die betreuenden Lehrkräfte vergeben, erhielt Niko Quade für „Bad Influence“. Die beiden Preisträger freuten sich über vom Schulverein gesponserte Buch-Gutscheine. Ihre und weitere Texte aus der diesjährigen Schreibwerkstatt werden in Kürze hier veröffentlicht werden.

Autor: Sebastian Salie, geschrieben am: 07.03.2018       Artikel drucken