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Urban Gardening: Celle schon grün genug

Häuserschluchten zwischen Wolkenkratzern, Straßengrau, kaum Grünanlagen – dieser Tristesse in den Metropolen und Großstädten dieser Welt setzen Umweltaktivisten und Hobbygärtner seit ein paar Jahren das Urban Gardening entgegen. Nicht nur aus optischen, sondern auch aus praktischen und ökologischen Erwägungen, wird in Kübeln, Hochbeeten, auf Dächern oder rund um Straßenbäume Gartenbau betrieben, Obst und Gemüse oder Kräuter gepflanzt. Da soll die Residenzstadt nicht zurückstehen, dachten sich die Celler Grünen und wollten von der Stadt wissen, welche "Grünflächen" man durch Urban Gardening quasi noch grüner machen könnte. Doch im Neuen Rathaus möchte man abwarten, bis konkrete Anfragen kommen.

CELLE. "Das Projekt steckt noch in den Kinderschuhen", räumt Imke Behr, Mitinitiatorin der Celler Urban-Gardening-Gruppe, ein. Aktuell stünden etwa zehn Interessenten auf ihrer Liste. "Uns geht es in erster Linie um den politischen Aspekt", so Behr und meint damit, Lebensqualität zu schaffen, Gemeinschaft zu fördern und zusammen etwas auf die Beine zu stellen. Ziel: Behr und ihre Mitstreiter wollen mit "mobilen Gärten" Brachflächen aufwerten und wieder weiterziehen, wenn das Areal irgendwann für etwas anderes gebraucht werden sollte. "Natürlich wäre es schön, wenn wir viele Jahre an einem Standort bleiben könnten", ist Behr für geeignete Vorschläge dankbar.

Von der Stadt werden die erst einmal nicht kommen. In der jüngsten Sitzung des Umweltausschusses, in der der Tenor vorherrschte, dass Celle schon grün genug sei, zeigte sich Grünen-Ratsfrau Juliane Schrader entsprechend enttäuscht. "Wir hätten erwartet, dass die Verwaltung einen Plan erstellt, wo Urban Gardening überhaupt möglich ist", sagte Schrader.

Stadtbaurat Ulrich Kinder, der das Thema eher in Großstädten verankert sieht, möchte seinen Mitarbeitern allerdings unnötige Arbeit ersparen. "Der Grünbetrieb ist schon sehr mit der Pflege der Grünflächen beschäftigt. Vor diesem Hintergrund würde ich es nicht für gut halten, ein Kataster zu erstellen", meinte Kinder. Wer etwas machen wolle, könne auf die Stadt zukommen. "Wenn jemand Erdbeeren pflanzen oder eine Blumenwiese anlegen möchte, wären wir die letzten, die sagen, das dürft Ihr nicht", plädierte der Stadtbaurat für eine pragmatische Lösung. Joachim Ehlers (CDU) pflichtete Kinder bei. "Für Celle ist Urban Gardening nicht erforderlich. Wir dürfen den Grünbetrieb nicht überfrachten.

Autor: Gunther Meinrenken, geschrieben am: 08.03.2018       Artikel drucken