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Altenhagen Bienenstrom nach Vorbild aus Nürtingen
Celle Aus der Stadt Altenhagen Bienenstrom nach Vorbild aus Nürtingen
17:20 07.03.2019
Quelle: Eingesandt / Fremdfoto
Celle Altenhagen

Im Nordosten Celles soll es auf den vielen Raps- und Maisfeldern bald mehr Abwechslung für Insekten geben: „Wir arbeiten bereits an einem Konzept zum Thema Bienenstrom“, versicherte Gerhard Dongowsky von der SVO am Mittwochabend dem Ortsrat Altenhagen, Bostel und Lachtehausen sowie rund 30 interessierten Bürgern.

Kein singulärer Verursacher für Insektensterben

Die Verbesserung der Biodiversität auf Agrarflächen und zwischen bebauten Plätzen in den Städten bewegt nach wie vor die Gemüter. Der Ortsrat hatte eigens Otto Boecking vom Celler Institut für Bienenkunde bestellt, um über Honigbienen und Wildbienen als Bestäuberinsekten und deren Lebensraumansprüche zu referieren. Boecking verwies auf die Komplexität dieses Themas: „Wir können nicht einen singulären Verursacher für das Insektensterben benennen. Es gibt viele Faktoren, die dabei eine Rolle spielen. Wichtig ist, sich selbst zu fragen: Was kann ich konkret tun?“

Überstürztes Handeln vermeiden

An diesem Abend wird immer wieder das Zusammenarbeiten aller Bürger im Namen des Naturschutzes betont. „Wenn jemand ständig über die Landwirte und ihre Monokulturen schimpft, selbst aber Obst aus Peru isst, führt das zu nichts“, ermahnte Boecking. Ihm ist es in erster Linie wichtig, dass bereits vorhandene Strukturen für den Artenschutz auch erhalten werden und kein unnötiger Aktionismus betrieben wird: „Wenn Sie den Inhalt dieser gratis Samentüten ausstreuen, achten Sie bitte darauf, welche Bedingungen die enthaltenen Pflanzen überhaupt brauchen.“

Auf Nahrung, Nistplatz und Baumaterial achten

Den Landwirten riet Boecking, Blühstreifen auf intelligente Weise anzulegen. „Honigbienen haben eine besondere Vorliebe für Massentrachten, sie sind an der einzelnen Schlüsselblume in der Nähe gar nicht interessiert“, erklärte der Experte. Somit profitierten die Honigbienen sogar von vielen Monokulturen. Anders verhielte es sich mit den Wildbienen: „Viele Arten sind bestandsgefährdet, einige extrem selten, bereits ausgestorben oder verschollen.“ Es sei besonders wichtig, nicht nur auf das Nahrungsangebot, sondern auch auf die Nistplatzbedingungen und das zur Verfügung stehende Baumaterial zu achten.

Kleine Aktionen bewirken viel

Bei allen Maßnahmen riet Boecking zur Besonnenheit und Geduld. Zum Beispiel keimten einige Pflanzen erst nach ein paar Jahren, niemand brauche frustriert zu sein, weil nicht gleich im ersten Jahr Ergebnisse zu sehen sind. Auch scheinbar kleine Aktionen hätten auf lange Sicht einen enormen Einfluss auf die Umwelt. So riet der Experte, beim Rasenmähen kleine Flächen einfach mal auszulassen oder Hunde wegen der Stickstoffanreicherung im Boden nicht auf die Feldraine koten zu lassen. Zudem empfahl der Experte den Verzicht auf sterile Steingärten, den Erhalt von scheinbar verwilderten Plätzen und die Pflege von alten Obstsorten.

Ein Cent pro Kilowattstunde für Klimaschutz

Doch was hat das alles mit dem Bienenstrom zu tun? Die Idee stammt von einem regionalen Stromversorger aus Nürtingen. Dabei fließt ein Cent pro verkaufter Kilowattstunde in einen Fond, aus dem Grünflächen finanziert werden. Laut Dongowsky arbeite die SVO seit 2018 an einem vergleichbaren Angebot. Das Thema sei allerdings zu kompliziert, um als Energieversorger alleine tätig zu werden, dazu bedürfe es der unterstützenden Arbeit durch eine im Dezember gegründete Projektgruppe, in der außer Mitgliedern der SVO auch das Landvolk, Landwirte, Imker und Wissenschaftler vertreten sind. Aktuell konnte Dongowsky aber noch keine Ergebnisse vorlegen.

Bienenstrom ist teurer als Standard-Stromtarif

Bei Vorhaben dieser Art ergibt sich schnell die Frage nach den Mehrkosten für die Verbraucher. „Wir werden in naher Zukunft einen unverkennbaren Stromtarif anbieten“, versprach der SVO-Mitarbeiter, „der Preis wird an der niedrigsten Grenze liegen“. Auch hier machte Dongowsky mit dem Hinweis auf den unbeständigen Strommarkt der letzten Jahre keine konkreten Angaben.

Für die meisten Bürger schien das Thema Bienenstrom Neuland zu sein. „Was genau bringt mir das eigentlich?“, fragte eine irritierte Bürgerin. „Sie tun etwas Gutes“, antwortete ihr eine andere Dame.

Ortsrat und Stadt müssen miteinander reden

Ideen zur Erzeugung von Ökostrom werden schon seit einiger Zeit im Ortsrat Altenhagen, Bostel und Lachtehausen diskutiert. Vor allen Dingen im Hinblick auf die drei Biogasanlagen im Ortsteil sei es wichtig, Konzepte zu entwickeln, die den Landwirten bei der Erzeugung und Vermarktung des Stromes helfen, so Ortsbürgermeister Hans-Martin Schaake (parteilos). Er setzt dabei auf die Wirtschaftsförderung der Stadt. „Wir haben bereits verschiedene Teile zusammengetragen und müssen nun im direkten Gespräch bleiben“, betonte Schaake.

Von Svenja Gajek