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Boye Endlich wieder Wasser
Celle Aus der Stadt Boye Endlich wieder Wasser
10:55 18.01.2019
Von Michael Ende
Boye

Der Tag als der Regen kam – an den erinnert sich Iris Barckhausen ganz genau. Kein Wunder: Schließlich hatte sie lange Monate darauf gewartet. Während dieser Zeit der Dürre war das Entenfang-Teichgebiet bei Boye vollständig ausgetrocknet. Doch am 15. November, so Barckhausen, deren Familie sich seit vielen Jahrzehnten um diese Oase kümmert, sei das Leben in das bis dahin ausgestorbene Natur-Idyll zurück gekehrt. Tröpfchenweise.

Teiche füllten sich langsam wieder

Am Tag zuvor habe sie in einem der ausgetrockneten Teiche des insgesamt rund 70 Hektar großen und im Durchschnitt 60 Zentimeter flachen Entenfangs noch mit Geologen für wissenschaftliche Zwecke Bodenproben entnommen. "Danach begann es zu regnen, und unsere Teiche füllten sich langsam wieder", sagt Barckhausen und lauscht dem Wispern des Nieselregens auf der grauen, von raschelndem Ried umstandenen Wasserfläche. Durch ihr Spektiv kann sie beobachten, was sich da in 300 Metern Entfernung auf dem Wasser tummelt: "Zwei Schnatterenten – schön, dass sie da sind."

Nicht nur Enten sind zurückgekehrt

Seinen Namen trägt der Entenfang, weil er seinerzeit den herzoglichen Hof in Celle unter dem letzten Herzog Georg Wilhelm mit Enten für die fürstliche Tafel versorgte. Am Rande des Teichgebietes wurde 1690 eine Entenkoje nach holländischem Muster gebaut, in der das Wassergeflügel gefangen wurde. Heute fallen hier nicht nur Enten ein. "In den letzten vier Wochen waren hier so viele Vögel wie noch nie", sagt Barckhausen. Das könne daran liegen, dass möglicherweise andernorts Feuchtgebiete für Vögel noch nicht wieder so einladend wirken wie vor der Dürre.

Naturschutz ist Zuschussgeschäft

Zum Vogel-Magneten wird der Entenfang besonders abends. 250 Singschwäne, bis zu 400 Grau-, Kanada- und Blässgänse und 150 Kraniche – die Liste der Übernachtungsgäste ist lang. "Da wir anders als wirtschaftlich arbeitende Teichwirte das Wasser im Winter nicht ablassen, finden die Vögel hier Nachtquartiere, in denen sie vor Raubtieren sicher sind", so Barckhausen, deren Teichwirtschaft im Dienste des Naturschutzes ein Zuschussgeschäft ist. Über Wasser halten könne sich das Wildschutzreservat, das die Stadt zum Naturschutzgebiet machen wolle, nur dank der finanziellen Unterstützung der Jägerschaft Celle: "Ohne dieses Engagement hätte man den Entenfang bereits 1936 trockengelegt. Dann gäbe es das hier längst schon nicht mehr."

Celles nächstes Naturschutzgebiet

Die Einstufung als Naturschutzgebiet werde noch in diesem Jahr erfolgen, schätzt Barckhausen. Dabei gelte es einen Ausgleich zu finden, der das künftige Zusammenspiel von Natur und Mensch organisiere. So müsste es auch künftig geregelt werden, dass und wie Interessierte den Entenfang erleben dürften: "Und wie künftig der Naturschutz, den wir hier betreiben, finanziert werden soll."

"Brauchen Regen, Regen, Regen"

Offene Fragen, die hoffentlich bald geklärt seien, meint Barckhausen und blickt durchs Spektiv. "Ein Silberreiher – ob der hier jetzt schon wieder Fische findet?" In dichten Schleiern weht der Regen übers Land: "Das Wetter ist vielleicht nicht wirklich schön", sagt sie: "Aber was wir auch weiterhin brauchen, ist Regen, Regen, Regen."