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Celle Ortsteile Bahnhöfe im Celler Land: Bei Tieffliegerangriff auf Bahnhof Garßen tötete Explosion zwei Menschen
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Bahnhöfe im Celler Land: Bei Tieffliegerangriff auf Bahnhof Garßen tötete Explosion zwei Menschen
17:32 01.10.2010
Diese undatierte Foto zeigt das Bahnhofsgebäude in Garßen in der Zeit kurz vor dem 1. Weltkrieg Quelle: unbekannt
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Garßen

1844 wurde der Bau einer Eisenbahnlinie von Lehrte nach Harburg beschlossen. Das damalige Königreich Hannover stand dem neuen Verkehrsmittel sehr aufgeschlossen gegenüber. Am 1. Mai 1847 wurde die Strecke in Betrieb genommen, Bahnhöfe kamen allerdings erst später hinzu. Der Bahnhof in Garßen an der neuen Strecke wurde gar erst 1901 eingeweiht. Das geschah in damals üblicher Weise. Der Landrat schritt die Front der Bahnarbeiter ab, sprach auch leutselig mit ihnen. Eine Kapelle spielte das Deutschlandlied, lokale Honoratioren im Gehrock mit Zylinder und holde Ehrenjungfrauen in weißen langen Kleidern bildeten einen Kontrast zu den bunten Fahnen, und die einfahrende Lokomotive war mit Blumengirlanden geschmückt. Ein Foto aus der Zeit kurz vor dem 1. Weltkrieg zeigt das Gebäude, das sich bis dahin nicht verändert hat.

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Im gleichen Jahr 1901 wurde mit dem Bau einer Kleinbahnstrecke begonnen, deren Anfangspunkt Garßen war. Die Strecke führte zunächst nach Bergen und wurde am 25. April 1902 dem öffentlichen Verkehr übergeben. Eigentlich war als Startbahnhof Celle vorgesehen, aber die Verhandlungen zwischen dem Landkreis und der Stadt hatten sich zunächst zerschlagen. Erst im Jahr 1904 erfolgte die Fertigstellung des Reststücks von Garßen nach Celle.

In Garßen wurde 1926 eine Verlade-rampe gebaut, ansonsten geschah hier bahntechnisch nicht allzu viel. Mitte Februar 1945 beschoss ein Tiefflieger einen im Bahnhof Garßen haltenden Munitions-Zug. Bei der dadurch ausgelösten Explosion verlor ein deutscher Soldat sein Leben, aber auch der Pilot kam zu Tode. Die Druckwelle der Explosion hatte sein Flugzeug zum Absturz gebracht.

1958 wurde der Bahnhof Garßen eine Nebenstelle des Bahnhofes Eschede, neun Jahre später dem Bahnhof Celle angegliedert. Zu gleicher Zeit wurde das Garßener Stellwerk technisch dermaßen umgerüstet, dass alle seine Funktionen nun von Celle aus gesteuert werden konnten. Inzwischen hatte sich ein gravierender Wandel im Reisen vollzogen. Die Eisenbahn als Transportmittel für den Privatmann verlor an Bedeutung. In Garßen wurden Anfang der 60er Jahre nur noch etwa 20 Fahrkarten täglich verkauft, wie Helmut Meine in der Ortschronik berichtet. Aus diesem Grunde ordnete die seinerzeitige Bundesbahn die Schließung des Bahnhofes zum 29. September 1963 für den Personen-, Gepäck- und Expressgutverkehr an. Damit war das Ende des Bahnhofes Garßen gekommen, er wurde zu großen Teilen abgerissen.

Von Udo Genth