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Celle Ortsteile Bart und roter Bademantel reichen nicht
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Bart und roter Bademantel reichen nicht
15:34 13.06.2010
Teilnehmer der Weihnachtsmann-Schulung am Sonnabend, 14.11.2009 in Celle. Quelle: Peter Müller
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Vorwerk

Wenn sich 18 Männer und zwei Frauen gleichzeitig Bärte ankleben, rot-weiße Mäntel anziehen und schwarze Gürtel umschnallen, kann das in Stress ausarten. Doch Hektik ist für die Teilnehmer der ersten niedersächsischen Weihnachtsmannschulung am Sonnabend in Vorwerk tabu. „Der Weihnachtsmann ist geduldig und ruhig, denn er hat Zeit für jeden“, heißt es in einem Ehrenkodex für Weihnachtsmänner, der zu Beginn der Ausbildung von 20 angehenden Rauschbärten vorgelesen wurde.

Der Celler Weihnachtsmann und Initiator der Schulung, Willi Dahmen, weiß worauf es ankommt. „Weihnachtsmänner spielen eine wichtige Rolle in der Familie und bei der Pflege alter Traditionen. „Wenn der Weihnachtsmann nach dem Ehrenkodex handelt und eine gewisse Ruhe ausstrahlt, dann haben Kinder auch keine Angst“, erklärt er den angehenden Weihnachtsmännern. Gedichte und Geschichten vorlesen, Weihnachtslieder singen und stets korrekt gekleidet sein, seien Grundqualifikationen für den Weihnachtsmannberuf.

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„Es genügt nicht, wenn sich Studenten einen Bart ankleben und einen roten Bademantel anziehen“, erläutert Weihnachtsmann-Ausbilder Stefan Dößereck aus Köln. Das Kostüm muss perfekt sitzen und vor allem sauber sein. Wichtig sei auch, mehrere Säcke für Geschenke dabei zu haben. Schließlich sei nie vorherzusehen, was alles in den Säcken verstaut werden muss. Wer diese Anweisungen als Rauschebart-Azubi nicht beachtet, mit dem fährt der Weihnachtsmann-Trainer erstmal ordentlich Schlitten.

Es gebe einfach viel zu wenige Weihnachtsmänner in Deutschland, um den Anfragen der vielen Familien gerecht zu werden, sagt Dahmen. Er hatte deshalb bereits im Sommer einen Aufruf gestartet, um künftige Kollegen zu rekrutieren. Damals meldete sich auch ein zehn Jahre alter Junge. „Ihn möchte ich als Wichtel am 12. Dezember auf den Weihnachtsmarkt nach Winsen/Aller mitnehmen“, berichtet der Celler Weihnachtsmann. Dafür will er sogar ein Rentier organisieren. „Das kostet rund 800 Euro“, sagt Dahmen. Um das bezahlen zu können, sucht der Rauschebart noch Sponsoren aus Winsen und Umgebung.

Im Zeitalter der Emanzipation und des Antidiskriminierungsgesetzes dringen auch verstärkt Frauen in den Beruf des Weihnachtsmannes, wie zum Beispiel Karina Emmann aus Celle. „Ich gebe zu, ich verkörpere nicht gerade überzeugend einen Weihnachtsmann“, räumt die zierliche Frau ein. Deswegen wolle sie auch lieber als Engel oder als Christkind arbeiten. So sei sie auch keine Konkurrenz für ihre männlichen Berufskollegen, sagt die 22 Jahre alte Auszubildende.

Die Rauschebärte, die die Kinder reich beschenken, werden bei ihrem Job alles andere als reich. Um Weihnachtsmann zu sein, müsse man eine tüchtige Portion Enthusiasmus mitbringen, verrät Dößereck. Bei einem Netto-Stundenlohn zwischen fünf bis acht Euro arbeite er nicht des Geldes wegen, sondern zur Freude der Kinder.

Weihnachtsfee Petra Henkert aus dem brandenburgischen Zeuthen weiß um das Problem, sich als Frau in der Weihnachtsmann-Domäne zu behaupten. „Ich fühle mich mittlerweile anerkannt. Doch es war ein langer Weg“, sagt die 46-Jährige, die neben Weihnachtsfee auch noch Lateinamerika-Wissenschaftlerin von Beruf ist. „Der Weihnachtsmann braucht einfach eine starke Frau an seiner Seite. Ganz ohne geht es nicht“, meint die Brandenburgerin selbstbewusst.

Freude bei Kindern verbreiten, das ist das Hauptmotiv des Celler Weihnachtsmannes Klaus Effinghausen. Der 62-Jährige, dessen Rauschebart übrigens echt ist, hat bereits seit 18 Jahren Erfahrung als Weihnachtsmann. Noch immer berühren den ehemaligen Industriekaufmann die strahlenden Kinderaugen, wenn er in seinem roten Mantel und den schwarzen Stiefeln zu den Mädchen und Jungen kommt und ihnen Geschenke überreicht. Von dem Seminar nimmt er auch noch etwas mit. „Ich habe heute einiges gelernt“, sagt Effinghausen, „zum Beispiel, dass ich lange weiße Handschuhe tragen und meine Uhr ablegen muss.“

Von Simone Gatz