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Celle Ortsteile Bordsteinkante am Rande der Celler Altstadt ist eine hohe Hürde
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Bordsteinkante am Rande der Celler Altstadt ist eine hohe Hürde
18:10 14.08.2018
Der Bordstein am provisorischen Zebrastreifen an der Kreuzung Westcellertorstraße/Südwall ist für einige Menschen, die auf Hilfsmittel angewiesen sind, eine große Hürde. So hatte beispielsweise Erika Markgraf gestern damit zu kämpfen, mit ihrem Rollator die Straße zu überqueren. Quelle: Oliver Knoblich
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Celle-Altstadt

Erika Markgraf wäre beinahe verzweifelt. Sie steht mit ihrem Rollator an dem provisorischen Zebrastreifen an der Ecke Westcellertorstraße/Südwall. Sie möchte vom Bürgersteig vor dem Geschäft „Dettmar + Müller“ auf die Seite der Stadtbibliothek gelangen. Zwar verläuft der Zebrastreifen vor ihr über die Straße, allerdings muss sie, um ihn zu überqueren, den etwa zehn Zentimeter hohen Bordstein hinunter. Ihren Rollator muss sie dafür anheben, ohne die Hilfe ihres Mannes Karl-Heinz wäre das kaum möglich. „Das ist ein Problem hier rüberzukommen“, sagt die Eicklingerin.

Seit sieben Wochen ist die Ampel an der Ecke bei der Stadtbibliothek außer Betrieb, stattdessen wurde einige Meter weiter ein Überweg eingerichtet. Allerdings gibt es an dieser Stelle keine Absenkungen, sodass Menschen, die auf Rollator oder Rollstuhl angewiesen sind, Schwierigkeiten haben, die Straße zu überqueren.

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„Dass es hier Probleme gibt, war klar“, sagt der Behindertenbeauftragte des SoVD, Bernd Skoda, vor Ort. Er kann nicht nachvollziehen, warum die Stadtverwaltung keine andere Lösung gewählt hat, um auf alle Verkehrsteilnehmer Rücksicht zu nehmen. „So wie es jetzt ist, kommt man mit Rollator kaum hoch“, sagt er. „Mir wird auch nicht so ganz klar, warum man den Überweg so verlegt hat“, wundert sich Skoda.

Die Verlegung des Ampelüberweges hängt mit den Bauarbeiten für das neue „Village“ zusammen. „Durch die baustellenbedingte gegenläufige Befahrbarkeit des Südwalls musste der Ampelüberweg außer Betrieb genommen werden“, erklärt Stadtsprecherin Myriam Meißner. Die dortige Ampel konnte eben nur den aus einer Richtung kommenden Verkehr regeln. Deshalb kann der ursprüngliche Überweg, bei dem die Bordsteine abgesenkt sind, derzeit nicht genutzt werden.

Die Stadtverwaltung hat sich jetzt des Themas angenommen. „Das Problem mit dem Hochbord im provisorischen Überwegbereich ist uns bekannt“, sagt Meißner zur Situation. An Behelfsüberwegen, die keine dauerhaften Verkehrslösungen sind, „gelten geringere technische Standards“, erläutert sie. Daher wurde für den Behelfsüberweg keine Absenkung eingerichtet.

Der Behelfszebrastreifen wurde bereits am 26. Juni eingerichtet. Heute nun wird ein „bituminöser Keil“ zwischen dem Bordstein und der Fahrbahn eingebaut. So wird das Überqueren der Straße leichter, der für manche unüberwindbare Absatz verschwindet an einer Stelle.

Skoda freut die Maßnahme. „Es ist ja nie zu spät, auch Einsicht zu zeigen“, kommentiert er die Lösung der Stadtverwaltung. Die jetzige Verkehrsführung und damit auch der Überweg sollen noch bis in die ersten Septemberwochen bestehen bleiben.

Kleines Problem?

Es ist begrüßenswert, dass der Stein des Anstoßes am Rande der Altstadt heute aus der Welt geschafft wird. Wir werden alle älter und wollen noch aktiv am Leben teilhaben. Deshalb sind auch immer mehr Menschen mit Gebrechen und Einschränkungen in unseren Orten unterwegs. Das berücksichtigen Stadtplaner natürlich, wenn sie neue Straßen, Plätze und Wohngebiete bauen wollen. An die Schwächsten müssen die Verantwortlichen aber auch bei vorübergehenden Bauprojekten denken. Ich muss zu meiner Schande bekennen, dass auch ich einige Tage lang nicht daran gedacht habe, dass dieser Bordstein für Rollstuhlfahrer gar nicht und für Menschen mit Rollator schwer zu bewältigen ist. Aber ich bin ja auch kein Stadt- oder Verkehrsplaner.

Nun kann man natürlich sagen, dass die Menschen sich gegenseitig unterstützen sollen und junge, kräftige den gebrechlichen doch helfen mögen. Das dürfen die aufmerksamen jungen Menschen auch tun, aber ist es nicht unsere Aufgabe, von vornherein an die Schwachen zu denken, ihnen die Wege zu ebnen? Es ist wünschenswert, wenn bei künftigen – auch temporären – Bauprojekten in Celle die Bedürfnisse beeinträchtigter Menschen angemessen berücksichtigt werden.

Es hätten sicher nicht sieben Wochen vergehen dürfen, bis das zehn Zentimeter hohe Problem, das für manche eine gewaltige Hürde darstellt, beseitigt wird – aber besser spät als nie!

Andreas Babel

Von Stella-Sophie Wojtczak