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Celle Ortsteile Bundestagswahlkampf als Wertschätzung:Kandidaten debattieren bei Lobetalarbeit
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Bundestagswahlkampf als Wertschätzung:Kandidaten debattieren bei Lobetalarbeit
14:55 13.06.2010
Stellten sich den Fragen der Bewohner und Mitarbeiter von Lobetalarbeit: Ralf Überheim (FDP), Kirsten Lühmann (SPD), Moderator und CZ-Chefredakteur Ralf Leineweber, Henning Otte (CDU), Enrico Schülbe (Die Linke) und Sabine Brunke-Reubold (Bündnis 90/Die Grünen) (von links). Quelle: Peter Müller
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Wietzenbruch

Wenn sich die Bundestagskandidaten der Parteien in der Öffentlichkeit den Fragen des Publikums stellen, sollte dabei vor allem eines nicht als Quintessenz zurückbleiben: absolute Übereinstimmung. – Eben diese herrschte jedoch anlässlich des jüngsten Aufeinandertreffens der fünf Spitzenkandidaten des Wahlkreises Celle-Uelzen. Und zwar bereits im Vorfeld der eigentlichen Veranstaltung, einer Podiumsdiskussion bei der Wietzenbrucher Lobetalarbeit.

Einhelliges Nicken der anwesenden Politiker, als Einrichtungsleiter Carsten Bräumer eingangs erklärte: „Es ist eine große Wertschätzung und Anerkennung unserer Arbeit, dass Sie diesen Termin wahrnehmen.“ Unter der Moderation von CZ-Chefredakteur Ralf Leineweber stellten sich Henning Otte (CDU), Kirsten Lühmann (SPD), Ralf Überheim (FDP), Sabine Brunke-Reubold (Bündnis 90/ Die Grünen) und Enrico Schülbe (Die Linke) am Montagabend den Fragen von Bewohnern und Mitarbeitern der Lobetalarbeit.

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Immerhin konnten die Politiker allein Kraft ihrer Anwesenheit den kürzlich vom Verband Interessenvertretung Selbstbestimmt-Leben (ISL) erhobenen Vorwurf widerlegen, Behinderte würden im Wahlkampf nicht berücksichtigt werden. Linken-Kandidat Schülbe zeigte sich zudem gegenüber den rund 100 Anwesenden verständnisvoll-aktionistisch und zehrte von seiner Erfahrung als Busfahrer: „Gerade im öffentlichen Nahverkehr werden sie nicht berücksichtigt. Wenn irgendwo neue Busse angeschafft werden, dann müssen da auch Niederflurbusse her.“ Applaus aus dem Zuschauerreihen.

Den erntete auch Grünen-Frau Brunke-Reubold, als sie auf ein tatsächlich drängendes Problem behinderter Menschen abstellte: „Behinderte haben immer noch finanzielle Probleme. Es muss doch nicht sein, dass das Taschengeld von 84 Euro für die Zuzahlungen von ärztlichen Leistungen drauf geht.“

Ein Hauch von Wahlkampf wehte aber noch durch die Lobetaler Fachschule. Er entsprang der Publikumsfrage nach dem Sinn des Bundeswehr-Afghanistan-Einsatzes. Während Otte, Lühmann und auch Überheim den von Rot-Grün beschlossenen Kampfeinsatz mit Blick auf zahlreiche in Afghanistan geplante Terror-Anschläge begründeten, verlief die Argumentation von Schülbe durch bereits befriedetes Terrain: Statt „ein paar Panzer und so ein Gedöns“ wolle er lieber das THW an den Hindukusch schicken.

Die Einblicke in das mitunter außergewöhnliche Weltbild mancher Kandidaten, vor allem aber ihre Anwesenheit, erfüllten schließlich einen guten Zweck: Sie sorgte dafür, dass sich die rund 400 wahlberechtigten Bewohner Lobetals am 27. September nicht als Zaungäste der Bundestagswahl fühlen müssen.

Von Eike Frenzel