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Celle Ortsteile Müllhalle soll weg – nur wohin?
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Müllhalle soll weg – nur wohin?
14:34 13.06.2010
Von Michael Ende
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Altencelle

Die Cellesche Zeitung berichtete – und dann ging alles ganz schnell: Aus dem „grünen Licht“ für die am Altenceller Bleckenweg vom Veolia-Konzern geplante Müllumladestation, durch die täglich 200 Tonnen Abfall wandern sollten, wurde prompt Rotlicht. Stadt und Landkreis haben dafür gesorgt, dass das nur 150 Meter von Wohnbebauung angesiedelte Vorhaben fürs Erste auf Eis gelegt wurde. Jetzt soll ein passenderer Standort gesucht werden.

●Informationsbedarf: Über das Veolia-Vorhaben „informiert“ hätten sich jetzt Celles Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende und Landrat Klaus Wiswe, hieß es aus dem Celler Rathaus. „Inzwischen geäußerte Bedenken von Altenceller Bürgern wurden zum Anlass genommen, das Vorhaben noch einmal eingehend zu betrachten“, so der städtische Pressesprecher Wolfgang Fischer: „Mende und Wiswe waren sich im Anschluss darin einig, über Alternativen zu dem geplanten Standort nachzudenken. Nach einem ersten Kontakt hat die Firma Veolia Bereitschaft signalisiert, die Planungen nicht weiter zu verfolgen, wenn von Seiten der Stadt Celle die Suche nach einem neuen Standort unterstützt würde. Oberbürgermeister und Landrat haben dies zugesichert. Damit wird nunmehr unter Einbindung der Beteiligten nach gleichwertigen Alternativen gesucht.“

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●Tatsächlich nichts gewusst? Dass sich Mende und Wiswe jetzt erst einmal „informieren“ mussten, verwundert Altencelles Ortsbürgermeister Otto Stumpf. Immerhin, so Stumpf, sei Mende Vorsitzender der Verbandsversammlung des Abfallzweckverbands und Wiswe sein Stellvertreter. „Dass Mende, der ja ganz neu in Celle ist, nichts davon wusste, glaube ich. Im Fall von Herrn Wiswe und Mendes Amtsvorgänger Martin Biermann sieht das anders aus.“

●Kommunikations-Defizit: Er habe von den Veolia-Plänen „überhaupt nichts gewusst“ beteuert hingegen Ex-OB Martin Biermann und tritt „bösartigen Spekulationen“ entgegen: „Es hat in keinem Gremium des Abfallzweckverbands je Diskussionen oder Informationen über dieses Thema gegeben.“ Sollte das tatsächlich zutreffen, wäre es um die Kommunkation zwischen den Geschäftspartnern Abfallzweckverband und Veolia nicht gerade zum Besten bestellt – noch dazu bei einem so wichtigen Thema.

●Misstrauen bleibt: Otto Stumpf freut sich zunächst einmal, dass durch seine Information über das Veolia-Projekt sich jetzt auch diejenigen damit beschäftigen, die es ohnehin längst hätten tun müssen: „Jetzt erwarte ich auch von der anderen Seite Informationen über das weitere Vorgehen.“ Stumpf bleibt misstrauisch: „Noch ist die Kuh nicht vom Eis. Ich habe deshalb die Kommunalaufsicht eingeschaltet. Sie soll prüfen, ob der Altenceller Ortsrat gegen das Projekt klagen kann, falls sich plötzlich herausstellen sollte, dass man bei der Suche nach Alternativen doch wieder am Bleckenweg landet.“

Die Müllpress-Anlage auf dem Gelände des Zweckverbands Abfallwirtschaft in Altencelle: Wo eine Nachfolge-Anlage entstehen soll, ist derzeit noch ungewiss. Eins jedoch ist jetzt klar: Am Bleckenweg ist für eine Müllumschlaghalle kein Platz. Foto: Müller

Jetzt wird nach einem passenderen Ort gesucht – „vertraulich“

Welche Alternativ-Standorte kommen in Frage? Darüber schweigt man sich im Rathaus aus. Liegenschaftliche Verhandlungen seien vertraulich, sagt der städtische Pressesprecher Fischer: „Wenn wir öffentlich sagen, was in Frage kommt, kommt es danach nicht mehr in Frage.“ Logisch, dass bei der Suche nach einem geeigneten Standort für die Veolia-Anlage theoretisch auch Westercelle in Frage käme. Dort wollte die Stadt ohnehin ursprünglich die heute in Altencelle befindliche Müllumladestation des Abfallzweckverbands ansiedeln. Die Westerceller wollten sie damals jedoch partout nicht haben und machten im Rat ihren politischen Einfluss geltend: Die Anlage wurde den Altencellern „aufgedrückt“. Heute ist die Ausweisung neuer Gewerbeflächen in Westercelle im Gespräch, die verkehrsgünstig an der neuen B3-Ostumgehung liegen sollen. Ob den Westercellern nun ihrerseits das droht, was sie einst den Altencellern gegönnt haben?