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Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Neue Schriftenreihe der Generalstaatsanwaltschaft Celle
17:37 05.01.2018
Von Andreas Babel
Der frühere SS-Mann Oskar Gröning wartet am 15. Juli 2015 in Lüneburg (Niedersachsen) auf das Urteil in seinem Prozess. Jetzt soll der 96-Jährige seine vierjährige Haftstrafe auch tatsächlich antreten.
Celle

Unter dem Titel „Die letzten NS-Verfahren“ legen die beiden Herausgeber, Celles Generalstaatsanwalt Frank Lüttig und Oberstaatsanwalt Jens Lehmann, ein Buch vor, in dessen Zentrum die Frage erörtert wird, warum es so lange gedauert hat, bis einem Greis der Prozess gemacht wird und was den Betroffenen das Verfahren bedeutet.

In sehr kurzer Zeit ist es den Herausgebern gelungen, namhafte Rechtsgelehrte und andere Experten sowie die am Prozess Beteiligten in umfangreichen Aufsätzen zu Wort kommen zu lassen und dieses schändliche Kapitel der deutschen Geschichte zu beleuchten. Selbst Grönings Verteidiger, der renommierte Rechtsanwalt Hans Holtermann aus Hannover, hat die Feder ergriffen. In seinem Aufsatz „Verteidigung 70 Jahre nach Auschwitz“ beschreibt er, wie er unter diesen besonderen Voraussetzungen seinen Mandanten zu verteidigen versucht hat. Der federführende Staatsanwalt im Gröning-Prozess, Jens Lehmann, schildert, wie er sich auf den Prozess vorbereitet hat. Thomas Walther widmet sich in seinem Aufsatz der Bedeutung solcher Verfahren für die Opfer: Die Tatsache, dass im Strafverfahren gegen Gröning „das Unrecht beim Namen genannt wurde“, habe den Opfern geholfen. „Eine Gerechtigkeit schufen die Urteile“, schreibt Walther, der die Nebenkläger nicht nur im Prozess gegen Gröning, sondern auch in weiteren gegen NS-Schergen, vertreten hat.

Max Eisen, einer der letzten Überlebenden des Konzentrationslagers Auschwitz, hat sich nie vorstellen können, dass diejenigen, die in dem KZ Macht über Leben und Tod hatten, jemals vor ein Gericht gestellt würden. Für ihn ist es nie zu spät für Gerechtigkeit, heißt es in seiner Zusammenfassung in englischer Sprache. Ebenfalls sehr emotional schildern die Schriftsteller-Schwestern Elaine Kalman Naves und Judith Kalman, welche Herausforderung es für sie gewesen ist, nach Deutschland zu reisen, um an dem Verfahren teilzunehmen. Sie sind die Töchter von Holocaust-Überlebenden.

Einordnende Aufsätze: Im ersten Teil des Buches versuchen zwei Strafrechts-Professoren zu erklären, warum die Aufarbeitung der NS-Verbrechen in den ersten Jahren nach Kriegsende nicht gelang. Christoph Safferling erklärt das damit, dass die Täter durch Täter zur Rechenschaft gezogen werden sollten. Dadurch sei vieles unter den Teppich gekehrt worden. Cornelius Nestler beschreibt, durch welche Verdrehungen es Juristen nach dem Frankfurter Auschwitzprozess geschafft haben, am Kern der Sache vorbei zu schreiben, um Anklagen zu vermeiden. Der Leiter der „Zentralen Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen“, Jens Rommel, beschreibt Geschichte und Aufgabenstellung seiner Einrichtung. Bernd Busemann widmet sich als Präsidnet des Niedersächsischen Landtages den „Parlamenten unserer Nachkriegsdemokratie und der Aufarbeitung der NS-Verbrechen“.

Blick von außen: Der dritte Teil des Buches richtet den Blick von außen aufs Geschehen. Michael Fürst, der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen, gibt „Stimmungsberichte aus den Gemeinden – positive und negative Reaktionen auf die späten NSG-Prozesse“ wieder. Julia Eksner weist in ihrem Beitrag „The Brookkeeper“ darauf hin, dass sich viele NS-Täter lange Zeit vor Strafverfolgung sicher fühlten. So gab Oskar Gröning der BBC im Jahre 2003 ein mehrstündiges Interview und sprach dabei auch über seine Beteiligung an den Gräueltaten von Auschwitz. Der Journalist Per Hinrichs hat den Nebenkläger-Anwalt Walther bei seinen Besuchen bei Holocaust-Überlebenden begleitet, als dieser sie überzeugen wollte, am Gröning-Prozess teilzunehmen. Hinrichs schildert auch, wie er versucht hat, mit Gröning selbst ins Gespräch über Recht und Unrecht zu kommen und wie andere Täter ihm gegenüber die ihnen vorgeworfenen Taten stets leugneten. Unter anderem sprach er mit einer alten Frau, die als Angehörige der SS im KZ Bergen-Belsen ihren Dienst verrichtet hat.

Frank Lüttig als Herausgeber ist uneingeschränkt beizupflichten, wenn er schreibt: „In Auschwitz, Treblinka, Sobibor, Majdanek und anderen Vernichtungslagern wurden Millionen Menschen jüdischen Glaubens unmittelbar nach der Ankunft im Lager fabrikmäßig in Gaskammern ermordet, erschossen oder nach Selektion (an der Rampe) durch gnadenlose Zwangsarbeit, Misshandlung und Unterernährung ebenfalls über kurz oder lang umgebracht. Die Bilanz dieser Taten und der Täter ist so monströs, dass sie nicht in Worte zu fassen ist. Der Holocaust an den europäischen Juden steht deshalb fraglos für ein einzigartiges, mit keinem anderen Unrecht zu vergleichendes Verbrechen.“ Dieses Zitat zeigt, dass die Neuerscheinung keine verwissenschaftliche, abgehobene Betrachtung ist, sondern auch die Herzen der Autoren bewegt hat. Sie setzen sich mit dem Unfassbaren auseinander und sie versuchen Worte zu finden dafür. Und das gelingt ihnen. Ein absolut erhellender Einblick in die Gedanken von Juristen!

Das mit 69 Euro recht teure Taschenbuch ist in einer kleinen Auflage erschienen, die schon nahezu vergriffen ist, wie Lüttig gegenüber der CZ erläuterte. Die Schriftenreihe soll in diesem Jahr mit einem Buch von Jens Lehmann über einen Kriminalfall aus den 1920er Jahren und im kommenden Jahr mit einer Veröffentlichung zum Thema Terrorismus fortgesetzt werden, so Lüttig.

„Die letzten NS-Verfahren. Genugtuung für Opfer und Angehörige – Schwierigkeiten und Versäumnisse der Strafverfolgung“, herausgegeben von Frank Lüttig und Jens Lehmann, Nomos Verlag, 264 Seiten, 69 Euro, ISBN 978-3-8487-4555-5. Am Kauf Interessierte können sich an Sabine Horn unter Telefon (07221) 210437 oder per E-Mail an horn@nomos.de wenden. Als eBook (80,60 Euro) bestellbar über service-elibrary@nomos.de

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