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Celle Ortsteile Ortsrat beschließt Beutelspender
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Ortsrat beschließt Beutelspender
13:34 24.10.2018
Von Gunther Meinrenken
Nützen Hundekotbeutelspender überhaupt etwas? Einige Hundebesitzer werfen die Tüten hinterher einfach ins Gebüsch. Quelle: Oliver Knoblich
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Neuenhäusen

Die Hundebesitzer in Neuenhäusen fühlen sich zu Unrecht an den Pranger gestellt. Zumindest einige. Bei der jüngsten Sitzung des Ortsrats meldete sich gleich zu Anfang eine Bewohnerin des Ortsteils zu Wort und beklagte sich bitterlich darüber, dass behauptet würde, die Hundehalter würden die Gegend um die Waldwegschule und den Spielplatz „Im Schmaul“ verunreinigen. Das genaue Gegenteil sei der Fall, so die Frau. „Wir haben da auch schon saubergemacht“, behauptete die Dame. Damit es in Zukunft noch sauberer wird, bräuchte man einen Hundekotbeutelspender und einen Mülleimer. Der Ortsrat kommt dieser Forderung nach. Im Umfeld des Spielplatzes soll nun nach einem geeigneten Standort gesucht werden. Kostenpunkt: etwa 250 Euro, die aus Ortsratsmitteln, sprich Steuergeldern, bestritten werden sollen.

Die Grünen hatten bereits einen entsprechenden Antrag eingereicht, da „aus der näheren Nachbarschaft der Wunsch nach einem Hundekotbeutelspender an uns herangetragen worden ist“, wie Daniel Schrader erklärte. Er ist sich sicher, dass der Bedarf vorhanden sei. „Wir wollen auch denjenigen, die es nicht tun, zeigen, dass sie den Hundekot ordnungsgemäß entsorgen können“, so Schrader. Ein Pate soll nach dem Rechten schauen und die Box wieder mit Tüten bestücken, wenn sie leer ist.

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Der besondere Clou bei der Sache: „Wir wollen Tüten nehmen, die biologisch abbaubar sind. Die Stadt möchte das testen. In der Vergangenheit mussten wir leider feststellen, dass einige Hundebesitzer zwar ihren Kot in den Tüten entsorgt haben, doch diese dann einfach in die Landschaft geworfen haben“, sagte Ortsbürgermeister Jörg Rodenwaldt (SPD).

Ein Blick in die Vergangenheit hätte sich für die Ortsratsmitglieder vor der Abstimmung durchaus auch noch aus einem ganz anderen Grund gelohnt. Denn wie der ehemalige Ortsbürgermeister Joachim Ehlers (CDU), der an der jüngsten Sitzung nicht teilnehmen konnte, verriet, gab es „Im Schmaul“ schon einmal einen Hundekotbeutelspender. Seinerzeit, vor etwa zehn bis zwölf Jahren, hatte der Ortsrat beschlossen, entsprechende Vorrichtungen auf dem Spielplatz und auch entlang der Spörckenstraße, einem anderen beliebten Hundeklo des Ortsteils, aufzustellen. Doch beide Automaten sind wieder abgebaut worden.

Der Grund: „Die Boxen sind nicht häufig und teilweise missbräuchlich benutzt worden. Die Tüten wurden einfach herausgenommen und in der Gegend verteilt“, erinnert sich Ehlers, der den Spielplatz "Im Schmaul" maßgeblich mit auf den Weg gebracht hatte. Dennoch ist er der Ansicht, dass es bei der neuesten Variante mit einem Hundekotbeutelspenderpaten durchaus auf einen Versuch ankäme.

Der Ortsrat möchte den Hundebesitzern in Neuenhäusen übrigens auch noch an anderer Stelle entgegenkommen. Ein Areal hinter der Waldwegschule könnte als Hundeauslauffläche hergerichtet werden, wie Rodenwaldt mitteilte. Ein solches Vorhaben solle nun geprüft
werden.

Meinung

Muss das sein?

Hundekot ist ein Ärgernis. Gerade in der jetzt beginnenden feuchten und dunklen Jahreszeit sind die Tretminen, die die lieben Vierbeiner auf Gehwegen oder Spielplätzen hinterlassen, nur schwer zu erkennen. Dem wird wohl jeder zustimmen, der schon einmal die stinkenden Verdauungsreste zunächst unbemerkt in der eigenen Wohnung verteilt hat. Insofern ist es zu begrüßen, wenn die "braven" Hundebesitzer den Kot ihrer Tiere ordnungsgemäß entsorgen wollen. Aber müssen dafür auf Kosten der Allgemeinheit Hundekotbeutelspender angeschafft werden? Ich sage: Nein.

Möglicherweise wird an dieser Stelle von den Hundebesitzern das beliebte Argument herausgekramt, dass sie schließlich schon Hundesteuer zahlen. Dem kann ich nur entgegnen: Ich zahle auch Steuern. Und um es einmal etwas plastischer auszudrücken: Deshalb pinkele ich nicht an irgendeinen Baum im Park und mein großes Geschäft verrichte ich auch zuhause. Dafür zahle ich sogar noch Abwassergebühren.

Entscheidender ist, dass das Problem durch die Tütenboxen nicht gelöst wird. Das hat die Vergangenheit in Neuenhäusen bereits gezeigt. Die Beutelspender wurden wieder abgebaut, weil die Tüten wild in der Gegend verteilt wurden. Besonders absurd ist der Umstand, dass man nun biologisch abbaubare Tüten nehmen will, weil einige Hundebesitzer die Plastiktüten einfach ins Gebüsch geworfen haben. Im Klartext: Der Ortsrat gibt Geld aus, damit der Kot in Tüten entsorgt werden kann, die in die Landschaft geworfen werden, aber dann dort zumindest verrotten und keinen Plastikmüll hinterlassen. Tja, dann kann man es auch gleich sein lassen.

Die Lösung ist viel einfacher. Die Hundebesitzer nehmen einfach beim Gassigehen Tüten mit und schmeißen diese hinterher in ihren Hausmüll. Aber das ist für viele wohl zu viel verlangt.

Dagny Siebke 23.10.2018
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