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Celle Ortsteile "Scheune" Scheune in Scheuen
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile "Scheune" Scheune in Scheuen
12:51 11.07.2011
Von Michael Ende
Bildunterschrift Innenansicht: - Innenraumvisualisierung der ausgebauten Scheune – Konzept „Erleb Mal, Denkmal!“ von Constanze Telle und Nadine Günther, Architekturstudenten an der HAWK in Holzminden Quelle: nicht zugewiesen
Scheuen

SCHEUEN. Schon seit Jahrzehnten behütet im Celler Ortsteil Scheuen den vor 1800 erbauten Schafstall in der Arlohstraße nachts keine 400 Schafe mehr. Damit ist auch die zugehörige Scheune funktionslos geworden. Die beiden denkmalgeschützten Bauten wurden 2009 in den Berichten zur Denkmalpflege in Niedersachsen in der Rubrik „Verkäufliche Baudenkmale“ vorgestellt. Das Grundstück mit den beiden Baudenkmalen sollte vom übrigen Grundstück abgeteilt und gemeinsam veräußert werden. Kaufinteressenten stellten alsbald die Frage: Wie kann man denkmalgeschützte landwirtschaftliche Bauten unter Erhalt der vorgefunden Struktur und des bestehenden Charakters in ungewöhnlichen Wohnraum verwandeln?

Bezogen auf die beiden landwirtschaftlichen Baudenkmale – Stall und Scheune – in Scheuen haben sich Studierende der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) am Standort Holzminden in diesem Sommer jener von Kaufinteressierten immer wieder gestellten Frage angenommen. Zusammen mit Celles Stadtdenkmalpfleger Eckart Rüsch und den HAWK-Professoren Helmut Drewes, Birgit Franz und Georg Maybaum erarbeiteten die Studenten anschauliche Entwurfs- und Konstruktionsvarianten. „Anschaulich deshalb, weil sie in Form von bildhaften Visualisierungen der Grundrisse und Ansichten auch allen Baulaien einen Eindruck vom künftigen Wohnen und Leben in den beiden Baudenkmalen geben“, so Franz: „Umnutzungen von Ställen und Scheunen sind keineswegs ein Novum. Weil sie bei Entwurf und Planung ein hohes Maß an Fingerspitzengefühl abverlangen, haben sich in den letzten Jahren selbst international namhafte Architekten und Ingenieure der Moderne zunehmend dieser eher klein anmutenden Aufgaben angenommen. Ihr Lohn waren nicht nur begeisterte Bewohner, die ein ungewöhnliches Zuhause suchten und bekamen, sondern auch vielfältige Architektur- und Denkmalpreise.“

Die Studierenden hatten für diese Abschlussarbeit ihres dreijährigen Bachelor-Studiums rund sieben Wochen Zeit. Doch schon im Vorfeld überprüften sie ihre Visionen an zahlreichen Beispielen, die sie bereist haben, über die sie mit den jeweiligen planenden Architekten konferierten und das gesammelte Wissen für das Vorbereitungsseminar ausarbeiteten. Franz: „Diese Vorgehensweise sicherte, dass keine weltfremden und unpraktikablen Planungen entstanden, deren keiner bedarf. Die Entwürfe der Studenten Haike Bäsler, Fabian Fischer, Nadine Günther, Janosch Lasota, Mareike Sievert, Dominic Stremme und Constanze Telle greifen in beispielgebender Weise auf, wie vielfältig die Lösungen aussehen können: Wie notwendige Raumteilungen behutsam eingepasst werden, ohne die Raumstruktur zu verändern. Wie durch das Einstellen von energetisch optimierten Baukörpern die Konstruktionen begreifbar bleiben. Welche ästhetischen Reize geschaffen werden, wenn dort, wo Belichtung gebraucht wird, die Verschalungsbretter „gelichtet“ werden, ohne das äußere Erscheinungsbild zu zerstören.“

Aus Sicht der städtischen Denkmalpflege soll nur eines der beiden Baudenkmale ausgebaut werden, dass Andere ohne größere Eingriffe weiterhin als Unterstand oder kleine Hobbywerkstatt genutzt werden. „Die Entwürfe zeigen, dass sich beide Baudenkmale für eine Umnutzung zu zeitgemäßem Wohnraum eignen“, so Franz: „Schade, dass der Celler Ortsteil Scheuen so weit von Holzminden entfernt liegt, sonst würden möglicherweise die Professoren selbst dort gerne einziehen. Die studentischen Entwürfe geben das jedenfalls her.“