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Celle Ortsteile Schlag auf Schlag: "Xavier" lässt Feuerwehr keine Atempause
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Schlag auf Schlag: "Xavier" lässt Feuerwehr keine Atempause
11:38 06.10.2017
Von Audrey-Lynn Struck
Das war wohl einer der kürzesten Dienstwege der Celler Feuerwehr. Direkt vor ihrer Hauptwache mussten Bäume von der Fahrbahn beseitigt werden. Quelle: Feuerwehr Celle
Celle

Gegen 13 Uhr erreichte das Sturmtief schließlich die Residenzstadt Celle. Danach hörte das Telefon bei der Polizei und Feuerwehr Celle quasi nicht mehr auf zu klingeln, die Beamten kamen kaum mit dem Bearbeiten der Fälle hinterher. „Alle Anrufe gehen über die Zentrale in Lüneburg, die die Einsätze koordiniert“, erzählt der Pressesprecher der Polizeiinspektion Celle, Thorsten Wallheinke.

In der Leitstelle würden die Einsätze je nach Priorität zügig an die vor Ort Zuständigen weitergeleitet. Wenn eine Gefahr von einem herabstürzenden Baum ausgehe, habe der erst einmal Vorrang vor einem Baum, der bereits auf der Fahrbahn liege. „Das Problem war, dass ein Großteil der Ereignisse quasi zeitgleich passierte, sodass man anfangs kaum hinterherkam. Das war für uns schon eine besondere Situation“, so Wallheinke.

Auch bei der Freiwilligen Feuerwehr „ging es Schlag auf Schlag“. Hauptsächlich mussten umgestürzte Bäume von den Straßen beseitigt werden. Der erste Notruf erreichte die ehrenamtlichen Einsatzkräfte um 13.19 Uhr. Im Kösliner Weg im Stadtteil Hesse war ein größerer Baum umgestürzt und auf einem Reihenhaus sowie einem daneben parkendem Auto gelandet.

Von da an folgten weitere Einsätze nahezu ohne Atempause. In der Celler Innenstadt, in der Straße Am heiligen Kreuz, holten drei Feuerwehrmänner mit Hilfe einer Drehleiter mehrere Ziegel von einem Häuserdach, die auf den Gehweg zu fallen drohten. Es kam zu einer vorübergehenden Blockierung des Verkehrs. Am Oberlandesgericht drohte ebenfalls eine Gefährdung der Passanten. Ein Stück der Fassade hatte sich gelöst und musste von den Einsatzkräften entfernt werden. Außerdem räumte die Feuerwehr Bäume beiseite, die in Hustedt die Bahnstrecke der Osthannoverschen Eisenbahn (OHE) blockierten.

Selbst vor der Feuerwehr-Hauptwache am Herzog-Ernst-Ring musste die Fahrbahn wieder freigeräumt werden. Zwei Bäume hatten dem Wind nicht standgehalten und blockierten die Zufahrt zum Feuerwehrhaus. Zur besseren Koordinierung wurde in der Hauptwache der Funk- und Stabsraum besetzt. Dort arbeitete man die von der Feuerwehreinsatzleitstelle des Landkreises Celle eingehenden Meldungen in eigener Regie ab.

Bis 19.20 Uhr kam es im ganzen Landkreis Celle zu etwa 40 Einsätzen mit Sachschäden, teilte die Polizei-Pressestelle mit. Auf die Beamten warteten Gefahrenstellen wie von Ästen oder Barken beschädigte Fahrzeuge oder umgestürzte Bäume. Außerdem gab es zehn weitere Unfälle, die mit den Sturmschäden zusammenhingen. Auf der Fuhrberger Landstraße kam es zu einem Auffahrunfall, der von einem herabstürzenden Ast verursacht wurde. Durch den Zusammenstoß der Wagen wurde einer der Fahrer leicht verletzt. In der Jägerstraße stürzte ein Radfahrer über heruntergefallene Dachziegel und verletzte sich ebenfalls leicht.

Allerdings habe man nur die Einsätze eingetragen, wo die akute Hilfe der Polizei von Nöten war. Zum Beispiel, um Straßen abzusperren oder dicht zu machen. Bei der Feuerwehr zählte man an die 40 Einsätze. Der Großteil der Anrufe kam im Zeitraum von 13 bis 16 Uhr, danach ebbten die Einsätze allmählich ab. „Das sind jetzt nur noch die Nachwehen, um die wir uns kümmern müssen“, erzählt Feuerwehr-Pressesprecher Florian Persuhn. Dennoch waren die Einsatzkräfte auch noch nach 20 Uhr auf den Straßen unterwegs.

Auf den Gleisen stand der Verkehr auch nach 20 Uhr weiterhin still. Bereits kurz vor eins fuhren die meisten Züge den nächsten Bahnhof an und kamen dort zum Stillstand. Auch am Celler Bahnhof konnten ein Regionalzug Richtung Hannover und ein ICE nach Karlsruhe ihren Weg nicht weiter fortsetzen. Viele Reisende warteten stundenlang im Bahnhofsgebäude, in der Hoffnung, dass die Züge sich wieder in Bewegung setzen. Nach einem kleinen Abstecher in den Zeitungskiosk setzten sie sich ins Bistro, aßen ein Stück Kuchen oder tranken ein Gläschen Sekt und warteten. Anderen dauerte das zu lange. Sie orderten ein Taxi, einen Mietwagen oder baten Freunde und Verwandte, sie abzuholen.

Die 19-jährige Jenny Fricke hatte an diesem Tag ein Vorstellungsgespräch in Celle. Als die Wittingerin wieder zurück nach Hause fahren wollte, musste sie feststellen, dass weder Züge noch Ersatzverkehr fuhren. „Komisch, dass nicht einmal Busse fahren. Das ist hier doch kein Dorf“, wunderte sich Fricke. Heute muss sie noch einmal nach Celle und fragt sich bereits, „wie das dann werden soll“. „Am Bahnhof sind ja auch viele Kinder. Trotzdem kann niemand sagen, bis voraussichtlich wann wir warten müssen. Also, wenn ich Mutter wäre, würde ich da schon verzweifeln“, sagt die Wittingerin. Mittlerweile habe sie ihre Eltern telefonisch benachrichtigt und gebeten, sie abzuholen.

Der Uelzener Hartmut Clasen hat ebenfalls seine Familie verständigt. Während der 55-Jährige am Bahnhof wartet, ist ihm vor allem die Informationstafel am Bahnhof ein Dorn im Auge. „Da steht die ganze Zeit, dass wir die Lautsprecheransage beachten sollen. Aber nun stehe ich hier schon seit über einer Stunde, ohne dass es wenigstens eine Durchsage gab.“ Auch die Bahn-Angestellten an der Reiseinformation könnten nur sagen, dass sie nichts sagen können. „Irgendeine Aussage von der Bahn wäre gut. Wenigstens eine Art Zwischeninfo, nach dem Motto: Wir geben unser Bestes.“

Das Ehepaar Manfred und Helga Wille hatte sich den Tag auch anders vorgestellt. Die Rentner wollten nach einem Urlaub in Rostock wieder zurück nach Hannover. Kurz vor Isernhagen stoppte plötzlich der Zug, der Strom fiel kurzzeitig aus und nach über einer Stunde setzten sich die Waggons zurück nach Celle in Bewegung. „Der Schaffner war sehr nett, machte ein paar Scherze, bedankte sich für unsere Geduld und versicherte uns Fahrgästen über Lautsprecher, dass wir auch in Celle, solange wie wir möchten, im Zug bleiben dürfen. Das wäre jetzt unser Hotel“, sagt Manfred Wille. Die beiden Hannoveraner entschieden sich dennoch, auszusteigen und ihren Sohn zu kontaktieren. Der hole sie nun ab. Eine Sache beeindruckte den 73-Jährigen und seine Frau besonders: „Es bilden sich unter den Reisenden Fahrgemeinschaften. Wir wurden bereits mehrfach angesprochen, ob wir zusammen fahren wollen.“