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Celle Ortsteile Schüler fühlen Politik auf den Zahn
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Schüler fühlen Politik auf den Zahn
13:40 13.06.2010
Ursula von der Leyen diskutierte mit Dominic Sommerburg (am Mikrofon) von der Realschule Wathlingen darüber, ob und wie Unternehmen Eltern unterstützen können, damit diese mehr Zeit für ihre Kinder haben. Quelle: Christian Uthoff
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Hannover

Zwei Redner, ein Thema und rund sechs Minuten Zeit ­­– das waren gestern im niedersächsischen Landtag die Rahmenbedingungen für die fünf Landessieger des Wettbewerbs „Jugend debattiert“. Sie traten jeweils zum Duell gegen einen Spitzenkandidaten der Fraktionen an. Im Anschluss an die Debatte konnten die 250 Schüler im Plenarsaal ihre Fragen an die Politiker richten, um ihnen „auf den Zahn zu fühlen“.

Ursula von der Leyen diskutierte mit Sarah Müller aus Oldenburg darüber, ob und wie Unternehmen Eltern unterstützen sollten, damit diese mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen können. Die Bundesministerin schlug vor, Betreuungkindergärten einzurichten, Arbeitsabläufe zu ändern und Arbeitszeiten flexibel zu gestalten, da von einer guten Vereinbarkeit von Beruf und Familie jeder profitieren würde. Die Schülerin kritisierte, dass ein einfacher „Masterplan“ nicht überall funktioniere: „Jedes Unternehmen braucht seine eigene Unternehmenspolitik, weil alle verschieden sind.“

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Auch Dominic Sommerburg und Servan Savucu von der Realschule in Wathlingen waren skeptisch und stellten in der anschließenden Diskussion die Finanzierung der Pläne von der Leyens in Frage.

Im weiteren Verlauf der Veranstaltung diskutierten Edelgard Bulmahn (SPD), Carl-Ludwig Thiel (FDP), Brigitte Pothmer (Bündnis 90/Die Grünen) und Diether Dehm (Die Linke) mit den Schülern über Gesamtschulen, Steuersenkungen und die Verstaatlichung von Banken.

Organisatoren und Teilnehmer zogen am Ende ein positives Fazit und lobten das durchgängig hohe Niveau der Debatten.

Engagiert debattiert

Ev-Christin Heide diskutiert mit Grünen-Spitzenkandidatin

HANNOVER. Soll Bildungspolitik Bundesangelegenheit werden? Ev-Christin Heide (18) vom Kaiserin-August-Viktoria-Gymnasium sagt „Nein“. Sie ist eine der fünf Landessiegerinnen des Wettbewerbs „Jugend debattiert“ und diskutierte gestern im Landtag mit der niedersächsischen Bundestagsspitzenkandidatin der Grünen, Brigitte Pothmer, die eine Zentralisierung befürwortet.

„Der Bildungsföderalismus ist gescheitert“, so die Politkerin. Die Schulen seien sowohl ohne Personal als auch ohne Sachmittel. Derzeit würden sich die Länder gegenseitig blockieren.

Die Schülerin der zwölften Klasse des KAV konnte dem nicht zustimmen: „Eine Zentralisierung würde etablierte Bildungssysteme ins Chaos reißen“, war die 18-Jährige überzeugt. Die Landesregierung wisse besser über die Probleme im eigenen Bundesland Bescheid als die Politiker in Berlin und könne daher am besten reagieren. Außerdem erfordere die Zentralisierung eine Änderung der Grundgesetzes, so die Schülerin.

Nach der Debatte zeigte sich die 18-Jährige enttäuscht, dass sich Pothmer bei einigen Fragen um eine klare Aussage gedrückt habe. Dennoch lobte sie die Veranstaltung: „Vor der Debatte war ich aufgeregt. Aber dann hat es nur noch Spaß gemacht.“

Von Christian Uthoff