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Celle Ortsteile Spielhallenraub: Haftstrafen für bisher unbescholtene Bürger
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Spielhallenraub: Haftstrafen für bisher unbescholtene Bürger
12:13 15.07.2011
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Lüneburg

Während der Vorsitzende Richter Franz Kompisch minutiös den Ablauf der Überfälle schildert, hat es den Anschein, dass den Angeklagten erst bewusst wird, was sie getan haben. Alles hatte damit begonnen, dass der älteste Angeklagte ein 32-Jähriger, der im Celler Geschäft seines Bruders beschäftigt ist und sich häufiger in Spielhallen aufhielt, seinem späteren Komplizen ein Gerät zur Manipulation von Geldspielgeräten verkaufte. Weil dies nicht wunschgemäß funktionierte, verabredeten die beiden einen Überfall, um die „Investitionen von 5000 Euro wieder reinzuholen“.

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Die beiden gewannen noch den dritten Angeklagten für ihren Plan und konnten den vierten Angeklagten als Fahrer einplanen. Nachdem der Überfall in Pattensen nicht die erwünschte Beute eingebracht hatte, ließ sich der Rädelsführer des ersten Raubes in seiner Celler Stamm-Spielhalle von einer Mitarbeiterin überreden, mit ihrer Unterstützung in Celle einen weiteren Überfall zu begehen. „Die zocken sowieso nur alle ab“, beschwichtigte die damalige Angestellte der Spielhalle Löwen-Play moralische Bedenken, „die sich auch im Verhältnis zu den erzielten Erlösen zu schlecht bezahlt sah“, formulierte Richter Kompisch das Motiv der 25-Jährigen. So kam es nach einem abgebrochenen Versuch am Morgen des 31. August 2010 zu dem zweiten Überfall auf eine Spielbank.

„Wir sitzen hier fünf Angeklagten gegenüber, weitgehend unbescholtene Bürger, die schwere Schuld auf sich geladen haben.“ Das ist auch für einen erfahrenen Richter wie Kompisch etwas Besonderes gleich fünf Ersttäter zu mehrjährigen Freiheitsstrafen verurteilen zu müssen. Bis auf einer war keiner der fünf Angeklagten strafrechtlich jemals in Erscheinung getreten. Bei den vier Männern mit Migrationshintergrund hätte man bis zu dieser Tat sogar von gelungener Integration sprechen können. Unter kriminologischen Aspekten betrachtet gehören alle fünf nicht zu den typischen Delinquenten. „Die hatten das doch gar nicht nötig“, sagte ein Prozessbeobachter, „die hatten Ausbildung, Beruf und Arbeit.“

Jetzt sind der Lebenslauf und die Karriere hin. Sobald das Urteil rechtskräftig wird, warten die fünf auf ihren Termin zum Haftantritt. Wenn sie nach drei bis vier Jahren das Gefängnis wieder verlassen dürfen, müssen die jetzt 22- bis 32-Jährigen von vorne beginnen, eine Existenz aufzubauen. Mit einer Vorstrafe im Bundeszentralregisterauszug wird das nicht einfacher sein als in ihrem bisherigen Leben.

Von Angelika Jansen