Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Anmelden
Celle Ortsteile Villenbrand in Boye: Urteil lässt auf sich warten
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile Villenbrand in Boye: Urteil lässt auf sich warten
14:25 13.06.2010
Anzeige
Boye

LÜNEBURG. Nun bereiten die Geständnisse der Angeklagten sowohl den Richtern als auch den Verteidigern der ersten Großen Strafkammer Kopfzerbrechen. Der ehemalige Villenbesitzer, der die Immobilie seiner Frau überschrieben hatte und in der Brandnacht „noch auf Malle“ weilte, gestand, dass er den Brand der Versicherung gemeldet hatte, nachdem er dem aufdringlichen Brandstifter „zwar eine Belohnung, doch sicher nicht 50000 Euro versprochen hatte“. Aber den Haustürschlüssel müsse der Angeklagte – vor dem Brand öfter zu Gast in der Villa – sich selbst besorgt haben.

Die Rolle seiner mitangeklagten Ehefrau ist undurchsichtig. Sie bestritt jedwede Tatbeteiligung. „Es hängt ganz von den Einlassungen der anderen drei ab“, betont Thomas Wolter, Vorsitzender Richter am Landgericht.

Anzeige

Der Brandstifter, ein „schwerkranker“ alter Mann, wie der Psychiatrische Sachverständige Jürgen Lotze bestätigt, verbrachte die meiste Zeit seines Lebens im Gefängnis. Er wünsche sich nichts sehnlicher, als auch seinen Lebensabend dort zu verbringen: „Wieso nicht in die Sicherungsverwahrung“, fragte er enttäuscht, als die Kammer ihm ankündigt, nicht sofort, sondern erst später über die entsprechende Anordnung entscheiden zu wollen. Lotze erklärte darauf: „Der Angeklagte hat zwar einen Hang zu Straftaten, aufgrund seines Alters und seines gesundheitlichen Zustands kann er aber nicht mehr wirklich gefährlich werden.“

Der Dritte im Bunde war in die Tat hineingeschlittert, als er den alten Mann zum Supermarkt fuhr, wo dieser Brandbeschleuniger kaufte. Als er bemerkte, worum es überhaupt ging, wurde er „ziemlich sauer, weil der mich in die Brandstiftung reingezogen hat“. Der Zorn verrauchte jedoch, als der Brandstifter ihm 25000 Euro Belohnung versprach. Später fuhren sie zur 220 Quadratmeter großen Villa und legten das Feuer. Es entstand ein Sachschaden von rund 500000 Euro.

Für das umfassende Geständnis hatte die Kammer zur Abkürzung des Prozesses den Angeklagten drei bis dreieinhalb Jahre Freiheitsstrafe zugesagt. „Geständnisse ohne Widersprüche und Lücken“, wünscht sich der Vorsitzende. „Hier sitzen zwei Männer, die lieber zu Hause sein wollen“, bittet der ohnehin inhaftierte Brandstifter bei den Richtern um Verständnis für lückenhaften Geständnisse, „ich bin schon zu Hause.“ Wann der Prozess fortgesetzt wird, steht derzeit noch nicht fest.

Aus dem

Gerichtssaal

Von Angelika Jansen