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Celle Ortsteile „Vor dem großen Tor…“: Die Kuss-Eiche von Scheuen
Celle Aus der Stadt Celle Ortsteile „Vor dem großen Tor…“: Die Kuss-Eiche von Scheuen
14:54 13.06.2010
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Scheuen

Nach Langhans’ Angaben, der seit 1965 in dem Celler Ortsteil wohnt, war in Scheuen in den 30er Jahren die Munitionsanstalt gebaut worden, in der etwa 500 Frauen aus Nord- und Westdeutschland als Arbeitsmaiden verpflichtet waren und Munition füllten und montierten. Untergebracht waren sie in einem Barackenlager, das wohl wegen der Disziplin im Lager, aber auch zum Schutz der Frauen eingezäunt war.

In den Celler Kasernen gab es reichlich junge Männern. Und so sind nach Langhans’ Vermutungen wohl viele Freundschaften zwischen den Arbeitsmaiden aus Scheuen und den jungen Soldaten aus Celle entstanden. Kehrten die jungen Frauen von gemeinsamen Unternehmungen zurück, verabschiedeten sie sich von ihren männlichen Begleitern nicht direkt vor dem Tor, denn dort war der Männerauflauf wohl nicht gern gesehen, sondern eben unter der Eiche am Wiesenrand in gehöriger Entfernung von dem Lager. „Mit einem Kuss, oder auch mit vielen Küssen und Tränen“, wie Langhans vermutet. Und so sei eben der Name Kuss-Eiche zustande gekommen.

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So ähnlich hat es auch Wolfgang Beutel aus Scheuen gehört. Er vermutet, dass auch die jungen Männer in der Heeresmunitionsanstalt arbeiteten, aber in einem anderen Lager untergebracht waren und sich dem Frauenlager nicht nähern durften. So hätten sich die Pärchen eben unter der Eiche verabschiedet.

Der Stamm der Eiche, die am Hermannsburger Weg Ecke Arlohstraße steht, hat in einem Metern Höhe 3,32 Meter Umfang. Der freistehende Baum habe schon so manchen Sturm überstanden, auch den von 1997 und sicherlich eine Menge erlebt, sagte Langhans. „So wünsche ich, dass er noch viele Generationen erhalten bleibt.“ Und dass seine Enkeltochter Maren Langhans hier ihrem Freund Sascha Lillie einen Kuss gibt, findet er ganz in Ordnung.

Von Joachim Gries