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Celle Stadt Neuenhäusen sehen – und sterben
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Neuenhäusen sehen – und sterben
07:10 16.05.2019
Von Christian Link
Der Friedhof in Neuenhäusen zählt grünen Oasen im Stadtteil. Sein Adelsfeld ist besonders bemerkenswert, aber auch andernorts sind prominente Namen auf den Grabsteinen und Kreuzen zu lesen. Quelle: Christian Link
Celle

Der Friedhof an der Kirchstraße gehört zu den schönsten Plätzen im Stadtteil. Lange Zeit galt es als großes Privileg, dort begraben zu werden. "Der Friedhof war früher so voll, dass eine Zeit lang nur noch Gemeindemitglieder hier begraben werden durften", weiß Friedhofsgärtner Ulrich Pfeiffer.

In manchen Gräbern wurden die Toten sogar übereinander beigesetzt. Diese alten Doppelgräber waren 2,60 Meter tief. "Ich weiß nicht, wie die Jungs das damals gegraben haben. Heute müsste ich dafür Spundwände setzen und mit schwerem Gerät arbeiten", sagt der Friedhofsgärtner. Beim Gräberausheben steht Pfeiffer normalerweise nur bis zur Schulter im Erdloch. Die Celler Friedhofssatzung schreibt vor, dass die Oberkante eines Sarges mindestens 90 Zentimeter unter der Erdoberfläche liegen muss.

Friedhof hat wieder viel Platz

Mittlerweile gibt es wieder genug Platz auf dem Friedhof. Wer hier beigesetzt werden möchte, muss allerdings Mitglied einer christlichen Kirche sein. Pfeiffer hat erst kürzlich ein neues Gräberfeld neben den Otto-Haesler-Häusern an der Schackstraße angelegt. Ein alter Grabstein, zu dem es kein Grab mehr gibt, ist das Erkennungszeichen des neuen Bereichs.

Schöne Handwerkskunst kommt bei Pfeiffer nicht weg, sondern wird als Friedhofsschmuck verwendet. So wie auch die "Villeroy & Boch"-Statue einer trauernden Frau, die an einer Säule lehnt. "Als ich hier vor zwölf Jahren anfing, habe ich sie zerschlagen in einer Kiste im Schuppen gefunden", berichtet der gebürtige Celler, der mittlerweile in Eversen wohnt. Steinmetz Mathias Reif aus Vorwerk richtete die Plastik wieder her und stiftete dem Friedhof darüber hinaus auch den Kalkstein mit dem Celler Wappen am Friedhofseingang – das Meisterstück seines Vaters.

Erste Bestattung schon 1689

Der Friedhof ist so alt wie der Stadtteil selbst. Als Herzog Georg Wilhelm anno 1680 eine neue Stadt vor dem Westceller Tor planen ließ, waren "Platz zur Kirche und Kirchoff" darin vorgesehen. Die erste Bestattung fand bereits 1689 statt. Genauso wie die Vorstadt wuchs in den folgenden Jahrzehnten auch der Friedhof immer weiter, wogegen der erste Gottesdienst in der Neuenhäuser Kirche bis zum 30. Dezember 1751 auf sich warten ließ.

Bekannt ist der Friedhof vor allem für sein "Adelsfeld". Auf dem Plattenfriedhof befinden sich die Familiengruften von Hofbeamten, Pastoren, Offizieren, Adeligen und Patrizier. Es waren die "hübschen Familien", die sich hier eine Grabstätte leisten konnten. Hübsch nicht weil sie so gut aussahen, sondern weil sie "von guter bürgerlicher Stellung" waren wie das Grimmsche Wörterbuch von 1853 erklärt. Zur Riege der illustren Toten gehören auchWelfen und andere, oftmals hugenottische Edelleute – wie etwa Louise Artemise du Verger de Monroy, erste Hofdame von Herzogin Eléonore d’Olbreuse.

Steinmetzkunst verblasst allmählich

Die Grüfte sind etwa 2,70 Meter tief, sodass mehrere Särge der Familienmitglieder übereinander begraben werden konnten. Auf den Steindeckeln der Familiengrüfte sind bei genauem Betrachten noch Wappen oder Inschriften zu erkennen, doch die kunstvolle Steinmetzarbeit verblasst. Witterung und Moosbefall fordern ihren Tribut. "Ich würde die gerne abkärchern, aber das würde die Schrift nur noch mehr beschädigen", sagt Friedhofsgärtner Pfeiffer und befürchtet, dass irgendwann alles blank poliert ist.

Auch jenseits Adelsfelds liegen viele prominente Bürger der Stadt begraben. Um nur einige zu nennen: Schriftsteller Samuel Chappuzeau (1626 bis 1701), Gutsbesitzer Heinrich Dassel (1799 bis 1876), Arzt und Abtreibungs-Wegbereiter Carl Credé (1878 bis 1952) sowie Gynäkologe Gustav Adolph Michaelis (1798 bis 1848), nach dem die Michaelis-Raute benannt wurde.

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