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Celle Stadt 39 Mal Gedenken an Mordopfer
Celle Aus der Stadt Celle Stadt 39 Mal Gedenken an Mordopfer
13:35 13.06.2010
Letzte Stolpersteinverlegung in Celle Quelle: Torsten Volkmer
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Celle Stadt

Die Handgriffe sitzen. Gezielt und flink geht Künstler Gunter Demnig mit Hammer und Spatel um. In Windeseile hat er vor einem staunenden Publikum zwei Pflastersteine vor der Synagoge mit zwei messingumrandeten, blinkenden Stolpersteinen ausgetauscht. Nun noch ein bisschen Sand, ein wenig Wasser, die letzten Schläge mit dem Hammer und der Feinschliff mit dem Besen: Schon scheint es, als ob diese besonderen Erinnerungssteine, die Demnig kreiert hat, bereits immer dort gewesen sind.

Mit Nummer 38 und Nummer 39 sind gestern in Celle die letzten Stolpersteine verlegt worden. Die mühevolle Recherche nach den Celler Opfern des Nationalsozialismus, der sich Anne Riege angenommen hat, ist abgeschlossen.

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Nach der ersten Stolperstein-Verlegung 2004 sind David Klatschko und Jakob Gerschez die letzten in der Reihe. Klatschko arbeitete in Ovelgönne als Schuster und ist genauso wie der Hambührener Sattler Gerschez mit dem Fahrrad regelmäßig zu den Gottesdiensten in die Celler Synagoge gefahren. 1939 kam Klatschko über das Konzentrationslager Dachau nach Buchenwald. Im Polizeigefängnis Suwalki verlieren sich seine Spuren, doch ist davon auszugehen, dass er Opfer einer Mordaktionen wurde.

Gerschez kam ebenso wird Klatschko 1939 nach einem Aufenthalt in Dachau in das Konzentrationslager Buchenwald. Das Lager überlebte er nicht.

Insgesamt 60 Namen ermordeter jüdischer Mitbürger sowie weiterer politisch Verfolgter sind auf den Stolpersteinen vermerkt. „Die Stolpersteine helfen dabei, dass die Namen der Menschen, die unter uns lebten, nicht vergessen werden“, meint Michael Stier, Vorsitzender der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Celle.

Das Gedenken ist damit nicht abgeschlossen. „Es geht voll weiter“, so Demnig, der Vater der Stolperstein-Aktion. In 483 Städten in Deutschland hat er bereits Stolpersteine verlegt, Städte in ganz Europa sind sein nächstes Ziel.

Von Rebekka Schrimpf