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Celle Stadt Celler Notaufnahme arbeitet auf Großstadt-Niveau
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler Notaufnahme arbeitet auf Großstadt-Niveau
22:43 13.02.2019
Von Christian Link
Die AKH-Notaufnahme arbeitet mit dem Triage-System. Dadurch wissen Ärzte und Pflegepersonal ganz genau, welchen Behandlungsschritt die Patienten gerade durchlaufen. Quelle: Link/Knoblich
Celle

Überfüllte Notaufnahmen sind in Niedersachsen traurige Realität. Und auch Chefarzt Ewald Hüls vom Allgemeinen Krankenhaus (AKH) wird immer wieder mit Beschwerden konfrontiert. "Für jeden ist seine Erkrankung das Wichtigste – das liegt in der Natur der Sache", weiß der Leiter der zentralen Notfallaufnahme (ZNA). Doch er kennt die Warte- und Behandlungszeiten, die seit einiger Zeit elektronisch erfasst werden. Und die Statistik sagt: Im Durchschnitt verlassen die Patienten nach weniger als zwei Stunden die Celler Notaufnahme.

Im vergangenen Jahr zählte die AKH-Notaufnahme insgesamt 41.684 Patienten. Das ist schon fast Großstadt-Niveau. Zum Vergleich: Das Krankenhaus Hamburg-Altona hat etwa 50.000 Notfallpatienten pro Jahr, die Medizinische Hochschule Hannover gut 62.000. Im Durchschnitt wurden in Celle täglich 114,2 Notfälle behandelt. Etwas weniger als noch 2017. "Jetzt scheint der Zenit überschritten zu sein", sagt Hüls.

Von 27.000 auf 42.000 Patienten

Im Jahr 2007 versorgte die Celler ZNA noch etwa 27.000 Kranke und Verletzte, seitdem wurden es stetig mehr. Der Höchststand lag 2017 bei mehr als 42.000 Patienten. Gründe für den Anstieg kennt Hüls mehrere: die Schließung des Josefstifts, den Rückgang von Hausärzten in der Fläche, weniger Qualität beim ärztlichen Notdienst der Krankenversicherungen sowie die Alterspyramide. "Über ein Drittel unserer Patienten ist heute schon über 70 Jahre alt."

Für den leichten Rückgang der Patientenzahlen 2018 hat der 62-jährige Mediziner eine einfache Erklärung: "Das war ein besonderes Jahr, wir hatten fast durchweg schönes Wetter." Nicht in der Statistik enthalten sind übrigens die jeweils rund 5000 Patienten pro Jahr, die in der Gynäkologie und in der Kinderklinik behandelt werden.

Unfallchirurgen im Mai besonders gefragt

Mehr als die Hälfte der Patienten müssen die Unfallchirurgen versorgen, die Internisten haben etwas weniger zu tun. Auffällig war 2018: Im Mai ging die Zahl der Knochenbrüche, Prellungen und sonstigen Verletzungen steil nach oben. 1820 Patienten mussten hier wieder zusammengeflickt werden, deutlich mehr als in jedem anderen Monat. Grund dafür waren laut Hüls vor allem der Vatertag sowie andere Feiertage und das gute Wetter.

Vor vier Jahren hat die AKH-Notaufnahme das Manchester Triage System (MTS) eingeführt. Seitdem werden Patienten in fünf Dringlichkeitskategorien für den ersten Arztkontakt eingestuft: rot (sofort), orange (10 Minuten), gelb (30 Minuten), grün (90 Minuten) und blau (120 Minuten). Normalerweise soll diese Einstufung spätestens zehn Minuten nach Betreten des Notfallbereiches von einer ausgebildeten Triage-Schwester erfolgt sein. Hüls und seinem Team gelingt es in den meisten Fällen das Zeitfenster für den ersten Arztkontakt einzuhalten, doch das Soll wird – je nach Patientenaufkommen – auch immer mal wieder überschritten.

Schmerzpille gleich – Behandlung später

Rot sind die Notfälle, bei denen die Patienten sogar in Lebensgefahr schweben. Das kommt glücklicherweise selten vor. Von den 3274 Patienten im Dezember 2018 etwa waren das nur zehn Personen. Orange (157 Fälle im Dezember) wird etwa ein diabetisches Koma, Verdacht auf Herz- oder Hirninfarkt oder eine Sepsis bewertet. Diese Fälle sind zeitkritisch und müssen ärztlich direkt behandelt werden. Gelb triagiert sind meistens Schmerzpatienten. "Die sollten möglichst schnell eine Schmerzpille bekommen", sagt Hüls. Die Therapie könne aber zeitverzögert erfolgen.

Die meisten Patienten (2186) erhalten nur die Kategorie grün. Durchfall, Grippe oder andere Infekte sowie banale Verletzungen fallen darunter. "Die gehören eigentlich alle in den ambulanten Sektor und dorthin geben wir sie auch wieder zurück", sagt Hüls. Ein nicht unerheblicher Teil (119) wird blau bewertet. "Die gehören auf keinen Fall in die Notfallambulanz", meint der gelernte Unfallchirurg. Behandelt werden sie oft trotzdem. Nur wenige werden wieder weggeschickt: "Wer mit Zahnschmerzen zu uns kommt, ist hier einfach fehladressiert."

"Vier Stunden sind durchaus akzeptabel"

"Ich halte vier Stunden Aufenthalt in einer ZNA noch durchaus für akzeptabel", sagt Hüls. Sein Credo lautet: "Die ZNA sollte zielorientiert, schnell und pragmatisch arbeiten." Eine Behandlung könne aber durchaus länger als vier Stunden dauern. "CT, MRT, Konsiliaruntersuchungen bei anderen Fakultäten und Laborergebnisse – das dauert alles seine Zeit", erläutert der Chefarzt.

Dass die Celler Notfallpatienten in Zukunft noch schneller versorgt werden, ist unwahrscheinlich. "Die Personaldecke im Krankenhaus ist nie eine üppige", sagt Hüls: "Das Funktionspersonal Pflege ist wirklich auf Kante genäht und beim ärztlichen Personal bräuchten wir auch noch etwas dazu." Laut dem Chefarzt ist eine Weichenstellung nötig: Soll die Notaufnahme wirklich nur für Notfälle zuständig sein oder ist sie zentraler Ansprechpartner für alle Patienten? Realität sei eher Letzteres. "Die Patienten wird man kaum umerziehen können", sagt Hüls und fordert: "Die Politik muss sich endlich an den realistischen Bedingungen orientieren und entsprechend strategisch positionieren."

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