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Celle Stadt 150 Milliarden Papierstrohhalme aus Lachendorf
Celle Aus der Stadt Celle Stadt 150 Milliarden Papierstrohhalme aus Lachendorf
16:00 26.08.2019
Von Gunther Meinrenken
Trinkhalme aus Papier präsentiert die Produkt-Managerin bei Drewsen-Spezialpapiere, Imke Bremer. Quelle: Lothar H. Bluhm
Celle

„Mit dem Papier sind wir dem Kunststoff haushoch überlegen“, steht für Matthias Rauhut, Geschäftsführer der Drewsen-Spezialpapiere, fest und demonstriert die extreme Haltbarkeit von Papiertrinkhalmen, indem er ein Exemplar kräftig auf den Tisch stößt, ohne dass der Halm verbiegt oder bricht. „Wir wollen das weltbeste Papier für die Halme machen.“

Fettdichte Papiere für Lebensmittel

Für den Geschäftsführer Lachendorfer Papierfabrik war nicht erst der Beschluss des Europäischen Parlaments im März dieses Jahres zum Verkaufsverbot von Einweg-Kunststoffartikeln wie Teller, Besteck, Trinkhalme oder Wattestäbchen aus Plastik Anlass, Papier stärker in den Fokus zu rücken: Die Lachendorfer Papierfabrik bietet bereits seit langem recycelbare, kompostierbare und biologisch abbaubare Barrierepapiere für Verpackungen von Lebensmitteln an. Als fettdichte Papiere beispielsweise für Keksverpackungen oder Gebäckkapseln oder als Schutz gegen schädliche Substanzen oder auch als Tragetaschen.

150 Milliarden Strohhalme nur in Europa

„Die Aktivitäten auf diesem Gebiet werden nun verstärkt, mit dem Ziel, weitere Kunststoffanwendungen durch recycelbare nachhaltige und umweltfreundliche Papiere zu ersetzen“, weist Rauhut auf seinen Ansatz „Papier statt Plastik“ hin, denn auch Trinkhalme, die in der Gastronomie- und Fast-Food-Branche üblich sind und von denen in Europa rund 150 Milliarden Stück pro Jahr verbraucht werden, können aus Papier gefertigt werden.

Dazu wird lebensmittelechtes Kraftpapier zu einer hohlen Röhre gewickelt und geklebt. „Jetzt sind wir dabei, die Haptik, also das Mundgefühl, die Anti-Fizz-Eigenschaften und die Haltbarkeit weiter zu verbessern“, beschreibt die Chemikerin Imke Bremer ihre Entwicklungsarbeit. „Mit den Weiterverarbeitungsbetrieben bauen wir einen Verbund auf, in dem wir unseren ökologischen Ansatz realisieren können.“

Plastikrückstände werden in Meerestieren wie Meeresschildkröten, Robben, Walen und Vögeln gefunden, aber auch in Fischen und Schalentieren. So gelangen sie in die menschliche Nahrungskette.

Plastik landet unkontrolliert in Umwelt

Kunststoffe sind zwar praktische, vielseitige, nützliche und wirtschaftlich wertvolle Materialien, doch müssen sie besser eingesetzt, wiederverwendet und recycelt werden. Wird Plastik achtlos weggeworfen, bedeutet dies nicht nur den Verlust des Materialwerts, sondern es entstehen auch Kosten für die Säuberung der Umwelt und Verluste für Tourismus, Fischerei und Schifffahrt. Rauhut: „Plastik wird zunehmend zu einem gravierenden Problem des 21. Jahrhunderts. Das liegt daran, dass weltweit ein Anteil von 32 Prozent der Kunststoffverpackungen keiner Verwertung zugeführt wird, sondern unkontrolliert in der Umwelt landet. Weder Deponierung, noch Verbrennung oder Recycling finden statt.“

Papier wird zu Zucker abgebaut

Vorteil des Papiers ist die Nachhaltigkeit, da es überwiegend aus nachwachsenden Rohstoffen oder Stärke und natürlich vorkommenden Pigmenten besteht und über eine Altpapieraufbereitung, die in vielen Ländern existiert, recycelbar ist. „Sollte das Papier unbeabsichtigt ins Meer gelangen, verbleibt es eben nicht über Jahrhunderte im Meer, sondern wird je nach Umweltbedingungen nach einigen Wochen im Wasser in seine kleinsten Faserbestandteile zerteilt, die wiederum nach einigen Monaten zu Zucker abgebaut sind.“

Baustein zur Verbesserung

Dies bestätigen unabhängige Institute für die umsatzstärksten Produkte mit Lebensmittelkontakt, indem sie biologische Abbaubarkeit und Kompostierbarkeit zertifizieren. Rauhut abschließend: „Dabei ist uns völlig klar, dass wir damit nicht die Welt retten können, aber einen Baustein zur Verbesserung wollen wir beitragen. Wir sind davon überzeugt, dass man dort, wo man Plastik durch ein hervorragend recycelbares und biologisch abbaubares Produkt ersetzen kann, das auch tun sollte. So produzieren wir bereits mit etwa 15 Prozent unseres Absatzes Papiere, die Kunststoffe ersetzen.“

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