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Celle Stadt Absolut kultig: Celler Rohe Roulade
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Absolut kultig: Celler Rohe Roulade
12:40 13.06.2010
Von Oliver Gatz
Ein Roter aus Celle: der "Celler Schlossblick". Quelle: Peter Müller
Celle Stadt

Mehr als ein halbes Jahrhundert nach ihrer Erfindung hat die rohe Roulade als einziges Gericht, das man einzig und allein in Celle bekommt, Freunde auf der ganzen Welt. Selbst Italo-Western-Hüne Bud Spencer (kleines Foto) zählt zu den Fans des „Löwenfutters“, auf das er sich anlässlich eines Celle-Besuchs gestürzt hat.

Mehrere Gastronomen bietet die „Kult-Rolle“ an. Einer davon ist Bier-Akademie-Wirt Lothar Harder. „Das Wichtigste ist das absolut gut abgehangene Fleisch, das man heute bei kaum einem Schlachter bekommt“, erläutert Harder. „Unseren haben wir lange suchen müssen, und wir verraten nicht, wer es ist. Dazu kommt ein spezieller Senf und eine Gewürzmischung, die von einem Hersteller extra für uns entwickelt wurde.“

Die Zubereitung der kulinarischen Spezialität sei alles andere als einfach. Er selbst habe ab 1983 eine dreijährige Versuchsphase absolvieren müssen, bis endlich der richtige Geschmack erreicht worden sei. Seit 1986 biete er die Roulade an. Der Gastronom ist vom Erfolg überzeugt und die zufriedenen Kunden geben ihm Recht. Ein besonderen Prädikat verdient die Roulade laut Harder ebenfalls: „Die zarte Versuchung macht einfach süchtig.“

Welche Gewürzmischung die Celler Rohe Roulade zum kulinarischen Hit macht, das ist wirklich absolut geheim. Da hilft nur Ausprobieren. Damit es aber nicht ganz so schwierig wird, gibt ein „Grundrezept“ zumindest Anhaltspunkte, von denen aus Hobbyköchen das Experimentieren leichter fallen dürfte.

lZutaten: 4 Roastbeef-Scheiben (sehr gut abgehangen), 2 Zwiebeln, Salz, Pfeffer, 2 TL Senf, 40 g (kräftiger, fett geräucherter) Speck.

lZubereitung: Die Roastbeefscheiben auf einem großen Holzbrett ausbreiten und flachklopfen. Die Fleischscheiben von beiden Seiten gut trocken tupfen, dann jede Scheibe dick mit Senf bestreichen und mit Salz und Pfeffer bestreuen. Zwiebeln in längliche Streifen, Speck in dünne Scheibchen schneiden und die Roastbeefscheiben damit belegen. Die Scheiben zu Rouladen zusammenrollen und auf Holzbrettern servieren. Zwiebelringe und Gewürzgurken als Beilage dazu reichen. Als Getränk ein kräftiges Bier.

Die Celler Süße

Der Naturpark Südheide ist wie andere Teile der Lüneburger Heide ein traditionelles Gebiet der Heideimkerei, in dem der bekannte Heidehonig gewonnen wird. „Viele Touristen kaufen ihn“, weiß Hans-Werner Grützmacher von der traditionsreichen Kaffee-Rösterei Huth in Celle, die die Spezialität verkauft. „Der Honig ist aber auch bei den Einheimischen sehr beliebt.“

Während der Heideblüte steuern Imker aus weiter entfernten Gebieten die Südheide mit ihren Bienenvölkern an. Die Aufstellung erfolgt teilweise in festen Bienenständen. Ganz selten findet sich hier noch der Lüneburger Stülper, ein Bienenkorb in Form einer Glocke, oder der viereckige Kanitzkorb, beide aus Stroh, die mit einem Kuhdung/Torf-Gemisch abgedichtet wurden.

Diese Behausung benutzen Imker auch heute noch, um Scheibenhonig zu ernten. Mitte der 1920er Jahre kamen die sogenannten Kanitzkörbe auf, die nach dem Imker und Lehrer Kanitz (1815-1899) benannt sind. Er fand heraus, dass der damals gebräuchliche Glockenkorb den Imkern nicht genug Möglichkeit zur Völkerführung gab.

Von der alten Korbform für die Bienenbehausungen ist man abgekommen, da die heutigen aus Holz oder Kunststoff hergestellten Kästen einfacher in der Handhabung sind. Die in Norddeutschland heute üblichen Magazin-Beuten aus Kunststoff werden während der Blütezeit einfach auf den Heide-Boden gestellt.

Rarer, beeriger Schlossblick

Als Weinanbaubaugebiet ist die Aller-Region zwar nicht gerade bekannt – trotzdem wird in Celle Rebensaft produziert. Mit dem „Celler Schlossblick“ will die Stadt auf sich aufmerksam machen. Er wird von der Winzerin und Weinbergpächterin Gudrun Reske-Achenbach am Bremer Weg angebaut. Der trockene Rotwein der Sorte Regent soll bei Empfängen der Stadt ausgeschenkt werden. 60 Prozent der Ernte gehen in den freien Verkauf.

Der 3000 Quadratmeter große Celler Weinberg wurde 1984 auf Ratsbeschluss angelegt. Damals gab es ausschließlich Weißwein. 2004 übernahm Reske-Achenbach das Areal und baute dort zum ersten Mal Rotwein an. „Die klimatischen Bedingungen sind im Norden nicht einfach. Auf dem Heidesand tragen die Trauben nicht so gut“, betont die Winzerin.

Der „Celler Schlossblick“ habe ein besonders fruchtiges Aroma, sagt die aus einer traditionsreichen Winzerfamilie stammende Weinbergpächterin. Eigentlich sei sie aus beruflichen Gründen in die Stadt an der Aller gekommen und habe dann von dem Weinberg erfahren. Mit viel Geduld legte sie die 99 Stöcke der roten Sorte Regent an.

Als gebürtige Rheinhessin liegt Reske-Achenbach das Weinmachen im Blut. Als sie 2004 davon erfuhr, dass der Celler Weinberg heruntergekommen und verwuchert dalag, bewarb sie sich um den Job der „Stadt-Winzerin“. Als Erstes krempelte sie den ganzen Weinberg um. „Sehr beerig, fruchtig, manchmal an Cassis erinnernd und mit einem hohen Tannin- und Gerbstoffgehalt“ – so charakterisiert die Winzerin den Tropfen, der auf dem Weingut der Familie nahe Mainz ausgebaut worden ist.

Glück braucht, wer den raren Tropfen mit 12,5 Prozent Alkoholgehalt kosten will. Dazu muss man entweder als „Promi“ von Celles Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende (SPD) eingeladen werden oder sich eine der Flaschen kaufen, die aus den 60 Prozent der Ernte vinifiziert wurden, die Reske-Achenbach verkaufen darf. Der stolze Preis für den raren Tropfen: 15,50 Euro pro Flasche.

Wissen, was los ist

Seit 1817 informiert die Cellesche Zeitung über das Geschehen in der Region. Die Druckerei Schweiger & Pick übernahm 1818 die Konzession für die Redaktion. Bis heute befindet sich die Zeitung in der Hand der Familie Schweiger beziehungsweise ihrer Nachfahren, der Familie Pfingsten.

Moecks Blockflöten sind weltweit

in aller Munde

Celler Unternehmen ist auch verlegerisch tätig

Weltweit bekannt ist das Celler

Unternehmen Moeck für seine Blockflöten. Es ist aber auch verlegerisch tätig und gibt unter anderem Notensammlungen, eine Fachzeitschrift für Holzbläser, Bücher über Instrumentenbau und Tonträger heraus. Zudem werden Seminare angeboten.

Früheren Angaben zufolge wird 60 Prozent des Instrumenten-Verkaufs auf dem deutschen Markt erzielt. Beim Export spielen die EU-Länder die Hauptrolle, hier gehen etwa 30 Prozent der Produktion hin, vornehmlich in die Länder England, Frankreich, Spanien und Skandinavien. Die restlichen 10 Prozent werden nach Nordamerika exportiert und nach Korea, Japan, Taiwan und weitere Staaten in Ostasien.

Die Unternehmensgeschichte beginnt 1930. Damals gründete Hermann Johannes Moeck senior das Unternehmen in Celle. Im Jahr 1948 trat sein Sohn Hermann Alexander

Moeck in die Firma ein, wurde 1960 Alleininhaber. Die Firma wuchs. 1962 wurde ein neues Werksgelände in Altencelle bezogen. Ende 2002 zog sich Hermann Moeck aus der Firmenleitung zurück und übergab den Betrieb an seine Tochter

Sabine Haase-

Moeck, die ihn zusammen mit ihrem Ehemann Ronald Haase nun in der dritten Generation führt.

Hermann

Moeck senior vertrieb seit 1930 im Versandhandel Blockflöten, die im sächsischen Vogtland hergestellt wurden. Außerdem verkaufte er Gamben, Clavichorde und Spinette, die zum Teil in seiner eigenen Werkstatt hergestellt wurden. In den 60er Jahren entstand ein besonderes Programm in den Moeck-Werkstätten: die Rekonstruktion der Holzblasinstrumente der Renaissance- und Barockzeit. Das Programm wurde bis heute, wissenschaftlich begleitet, weiterentwickelt.

Der Schwerpunkt der Instrumentenherstellung aber lag von Anfang an bei den Blockflöten. Ab 1948 wurde der Versandhandel mit Instrumenten von Fremdherstellern verringert und die eigene Blockflötenproduktion ausgebaut. Heute werden bei Moeck in der Instrumentenherstellung computergesteuerte Maschinen verwendet, nach wie vor ist der Anteil handwerklicher Arbeit hoch.

Buchdeckel für Harry Potter

Papierveredelung, Umschlaggestaltung und Präsentationsprodukte sind die Eckpfeiler der Celler Firma Achilles. Für hochkarätige Wirtschaftsunternehmen fertigt sie Mappen, Ordner oder Buchrücken in vielfältigem Design.

Was viele nicht wissen: Das Unternehmen hat auch den Buchdeckeln der Harry-Potter-Bände den letzten Schliff verpasst. Weil der Hamburger Carlsen-Verlag unbedingt verhindert wollte, dass vor den Erscheinungsterminen irgendetwas von der Gestaltung der Bücher an die Öffentlichkeit gelangt, mussten alle am Projekt beteiligten Achilles-Mitarbeiter eine Vertraulichkeitserklärung unterschreiben.

Das kühle Blonde aus Celle

Nicht jede Stadt verfügt über eine eigene Brauerei – Celle schon. Der Familienbetrieb Carl Betz bietet das Celler Bier in den Sorten Urtrüb, Pilsener, Dunkel, Bock, Gold und Weißbier an. Seit Anfang des Jahres produziert die Brauerei auch das „Heidjer Pils“ für die Lüneburger Heide.

Im Jahre 1893 meldete der Kaufmann Carl Betz das Gewerbe zum Betrieb einer Farbebier-Brauerei an. Das Farbebier – ein Vorprodukt für andere Brauereien – wird deutschlandweit verkauft und auch nach Österreich, Asien und Skandinavien exportiert. Erst im Jahr 1983 fassten die damaligen Gesellschafter den Beschluss, auch selbst „richtiges“ Bier herzustellen und in der Region zu vertreiben.

Mittlerweile hat die vierte Generation den mittelständischen Betrieb übernommen. Zum 1. April 2006 übergaben die bisherigen Gesellschafter die Leitung der Brauerei: Dieter Betz an seine Tochter Frauke Betz (Diplom-Ökonomin) und Karl-Friedrich Betz an seinen Sohn Stephan Betz (Diplom-Braumeister). „Auch wenn für unsere Branche das vergangene Jahr insgesamt nicht ganz einfach war, blicke ich positiv in die Zukunft“, sagt Frauke Betz. „Das Bewusstsein des Konsumenten für regionale Produkte entwickelt sich zusehends.“

Der in der Kehle brennt

Hochprozentiges, das die Kehle zum Brennen bringt: Das ist der Ratzeputz – eine Spezialität, die ihren Ursprung in Celle hat. Hier wurde von Destillateur Peter Weidmann im Jahr 1877 das Rezept entdeckt. Bis heute wird hier der Schnaps abgefüllt – allerdings nur noch in Sondergrößen. „Die Großproduktion stellt von Schwarze und Schlichte in Rinteln in Lizenz her“, so Sieglinde Rieckmann, Inhaberin und Geschäftsführerin des Unternehmens mit dem etwas sperrigen Namen C.W. Baland & Langebartels Peter Weidmann Erben GmbH. Bis vor einigen Jahren wurde der Ratzeputz (58 Prozent Alkohol) mitten in der Celler Innenstadt gebrannt.

Sein intensiver aber feiner Ingwergeschmack hat dem Ratzeputz sogar international zu beachtlichem Ruf verholfen. Trotz des stattlichen Alters von mehr als 130 Jahren, ist Ratzeputz das Kind eines noch weit älteren Unternehmens, nämlich der Ratsweinkellerei. Ein Privileg der braunschweig-lüneburgischen Herzöge von Pfingsten 1378 berechtigt zum Ausschank und Verkauf fremder Weine und Biere in den Gewölben unter dem Rathaus.