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Celle Stadt "Allein hätte ich Ausstieg nicht geschafft"
Celle Aus der Stadt Celle Stadt "Allein hätte ich Ausstieg nicht geschafft"
17:20 30.10.2018
Von Dagny Siebke
Chris, der Aussteiger, beantwortete am Dienstag in der Alten Exerzierhalle alle Fragen der 200 Schüler. Wie man andere vor dem Einfluss von Rechtsextremisten schützen kann? „Alle müssen aktiv zuhören. Man muss die Probleme der Leute nicht verstehen, aber das Verständnis dafür entwickeln“, sagt Chris. Quelle: Oliver Knoblich
Celle

Am 15. Februar 2012 zog Chris die Reißleine. Zwei Tage nach dem „wichtigsten Neo-Nazi-Event in Dresden“ überlegten acht Rechtsextreme, wie sie am „Tag X“ die politischen Feinde am besten umlegen könnten. „Dazu zählen sie keine Muslime oder Ausländer, sondern Demokratieträger wie Lehrer, Richter oder Sozialarbeiter“, erklärt Chris, der Aussteiger, vor 200 Schülern. „Um die Menschen zu töten, wollten sie Stricke nehmen, da man diese wiederverwenden könne. Das war eine völlig abnormale Diskussion, da habe ich mir gesagt: Das mache ich nicht mehr mit.“

Nach diesem einschneidenden Ereignis vergingen zehn Monate, bis Chris der rechten Szene endgültig den Rücken kehrte. Er sagt: „Es ist schwierig, die Ideologie aus dem Kopf zu bekommen. Das ist so, wie wenn man versucht, einen Kaugummi auszukratzen. Alleine hätte ich den Ausstieg nicht geschafft. Mein Umfeld war sehr bedeutsam.“ Seit fünf Jahren spricht der heute 31-Jährige öffentlich darüber, wie Rechtsextreme Kontakt zu Schülern suchen, welche verschiedenen Strömungen es gibt, wie diese sich finanzieren und wie weit Rassismus verbreitet ist. Im Rahmen der „Aktionswochen gegen Rechtsextremismus“ beantwortete Chris am Dienstag in der Alten Exerzierhalle alle Fragen der Schüler.

Chris kommt aus Dresden, war noch nie im Leben arbeitslos und pflegte sechs Jahre lang Schwerstmehrfachbehinderte. Seit 2013 ist er selbstständig und arbeitet europaweit im Autotransfer. Heute bekennt sich Chris zum Grundgesetz, Frieden und Freiheit. Er findet die Europäische Union sogar relevanter als die BRD. Doch bis dahin war es ein langer Weg.

Erste Berührungspunkte mit einem „klassischen Skinhead“ hatte er mit zehn Jahren. „Meine Lese-Rechtschreibschwäche hat mich massiv behindert und der Cousin von einem Sandkastenkumpel hat mir geholfen. Wir haben handgeschriebene Tagebücher von Wehrmachtssoldaten gelesen“, erzählt Chris. „Meinen Eltern war ein guter Notenschnitt wichtig. Der Rest war ihnen damals egal.“

Über Hausaufgabenhilfe oder auch Bewerbungstraining versuchen Rechtsextreme gezielt Schüler anzusprechen. „Ich habe versucht, Leute zu kaufen mit Geld, Zeit oder auch Wissen. In der Szene gibt es keine echten Freundschaften. Die Leute sind nie mehr als ein Werkzeug, das man benutzen kann“, sagt Chris. Er hält 90 Prozent der Anhänger für Mitläufer. Rund 10 Prozent zählt er zu den narzisstischen Führungspersönlichkeiten. Insgesamt gebe es 400 verschiedene rechte Gruppen in Deutschland, die man nicht alle in einen Topf werfen dürfe. Chris betont: „Die Szene ist extrem zerstritten.“ Zum Beispiel wird bei Pegida-Demonstrationen die Flagge eines Widerstandskämpfers geschwungen, dessen Attentat auf Adolf Hitler scheiterte.

Im Europäischen Parlament gibt es insgesamt 751 Sitze. Davon zählen 146 Sitze zu den Rechtspopulisten. „Die arbeiten nur zusammen, wenn es um Geld geht und nicht um Ideologie“, so der Aussteiger. Er sieht Rassismus als generelle Herausforderung in Europa an. Chris betont: „Das Problem ist, dass die Leute gar nicht merken, dass sie selbst Rassismus vertreten.“

Wie man andere vor dem Einfluss von Rechtsextremisten schützen kann? „Alle müssen aktiv zuhören. Man muss die Probleme der Leute nicht verstehen, aber das Verständnis dafür entwickeln.“ Tipps dazu gebe zum Beispiel die Bundeszentrale für politische Bildung auf praktischen Handouts.

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