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Celle Stadt Gänsebraten nur aus dem Sonderangebot
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Gänsebraten nur aus dem Sonderangebot
16:13 14.12.2018
Quelle: Karl-Josef Hildenbrand
Celle Bennebostel

„Disziplin ist das wichtigste“, findet Margarete Bauer, von ihrem Mann liebevoll – und mit Augenzwinkern – Gretel genannt. Er heißt nämlich Hans (Nachnamen wurden von der Redaktion verändert). Ordnung und Disziplin zog sich durch das gesamte Leben der beiden über 80jährigen. „Wir kommen beide aus einfachen Verhältnissen – wie man so sagt - und hatten eine ganze Reihe von Geschwistern. Da hieß es früh schon Pflichten erfüllen und dann an die Arbeit und Geld verdienen“. Hans arbeitete früher in der Zeche, später als Hausmeister und „Mann für alles Mögliche“ – „weil er eben handwerklich begabt ist“, ergänzt Gretel.

Haushalten als Kunst

Das mit dem Handwerklichen sieht man in der kleinen, akkurat-sauberen zweieinhalb Zimmer Wohnung an allen Ecken. Die in die Jahre gekommenen Möbel sind stabil, dort wo es nötig war sorgsam ausgebessert. Auf Sofa und Sessel im Wohnzimmer schützen selbstgenähte Schonbezüge die Polster – es riecht nach Seife, Bohnerwachs und frisch gebrühtem Kaffee. Das Paar sitzt am schmalen Küchentisch und teilt den Rest der gemeinsamen Rente sorgfältig in diverse „Ausgabentöpfe“ auf. Miete und Abschlagszahlungen sind bereits vom Konto abgebucht. Das was übrig bleibt scheint zu wenig, um für einen Monat zu reichen. „Man muss eben Haushalten können“, sagt Gretel – das hat sie über Jahrzehnte gelernt.

Beide sind krank

Hans nickt, „das macht sie prima“. Die Finanzverwaltung überlässt er seit ihrer Hochzeit vor 61 Jahren ganz ihr. Unbeholfen steht der 83jährige auf und schneidet sich noch eine Scheibe vom Stollen ab. Seit seinem Schlaganfall vor fünf Jahren zieht er ein Bein etwas nach. Deshalb musste er auch seinen Nebenjob als Zeitungsausträger an den Nagel hängen. Gretel leidet seit Jahren unter fortschreitender Arthrose. Vor allem ihre verformten Finger ärgern sie dabei, bei vielem braucht sie jetzt die Unterstützung ihres Mannes – angefangen vom Zuknöpfen von Bluse oder Jacke. „Aber wir wollen nicht jammern, uns geht es gut“, sagt sie.

Stöbern im Billig-Markt

Ein ziemlich großer Teil vom Etat des Paares wandert in die „Zuzahlungsbox“ für Medikamente und Arztbesuche. „Da gibt es kaum was, dass ganz die Kasse übernimmt“. Gretel weiß, wann im Günstigmarkt in der Nähe die ablaufenden Waren gekennzeichnet werden. „30 Prozent Rabatt, da kann man sich auch mal was anderes leisten“. Was übrig bleibt, kommt in die „Sonstiges-Kasse“, viel ist es nicht.

Extras gibt es nicht

Kleidung und Wäsche brauchen die beiden nur selten. „Arbeitet sich heute ja nichts mehr wirklich auf – außer Hans Strümpfe, das ist mir ein Rätsel, wie da die Löcher immer reinkommen. Nach der Mode gehen wir sowieso nicht.“ Ein diszipliniertes Leben, das bedeutet für die Bauers: Kein Kino, kein Konzert, das nicht eintrittsfrei ist, keine „geselligen Treffen im Lokal, das kostet auch Geld“.

Angst vor Krankheit und Tod

Das schlimmste für Gretel und Hans wäre die Vorstellung „aufs Amt zu müssen wegen Sozialhilfe. Wir haben doch ein Leben lang gearbeitet und uns selbst finanziert.“ Also wird nach der Runde übern Weihnachtsmarkt zuhause die Tasse Billigglühwein getrunken und wenn nötig drei Tage Kartoffelsuppe gegessen. Die Liste der Zukunftsängste ist lang: Mieterhöhung, Krankheit und der Tod: „Wenn einer von uns stirbt ist der andere ja ganz allein“. Und der Wunsch zu Weihnachten? „Gänsebraten mit Knödel im Sonderangebot“.

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