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Celle Stadt Am selbstgebaggerten Euro-Grab
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Am selbstgebaggerten Euro-Grab
12:15 08.07.2011
Von Michael Ende
Baggerarbeiten in Aller Quelle: Peter Müller
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Celle Stadt

CELLE. Zeitweise voll gesperrt ist derzeit eine Bundesstraße, die nach Celle führt. Dass das kaum niemand bemerkt, liegt daran, dass es sich um keine gewöhnliche Straße handelt. Die Rede ist von der Bundeswasserstraße Aller. Hier finden derzeit im Bereich des künstlich angelegten Totarms bei Klein Hehlen umfangreiche Ausbagger-Arbeiten statt. Die sind regelmäßig nötig – unter anderem, weil vorangegangene Bundeswasserstraßen-Bauarbeiten mit dafür verantwortlich sind, dass sich hier so viel Sand ablagert, dass die Wasserstraße zur Fußgängerzone wird.

"Wir führen hier Routineunterhaltungsarbeiten durch, um eine Situation zu verbessern,die sich nach dem Bau der städtischen Flutmulde verschlechtert hat", so Thomas Rumpf, Leiter des zuständigen Wasser- und Schifffahrtsamtes (WSA) in Verden. Die aus Tausenden Tonnen angeschwemmten Sandes bestehenden Untiefen in der Aller sind hausgemacht: Die Sandbänke sind eine direkte Folge der städtischen Hochwasserschutzvorkehrungen in diesem Gebiet. Der künstliche Totarm verringert die Fließgeschwindigkeit des Flusses, mitgeführtes Sediment bleibt liegen. Bis zu 27000 Tonnen Sediment werden pro Jahr die Aller herunter transportiert. Wenn man wie geschehen durch die neue Flutmulde bei Klein Hehlen die Fließgeschwindigkeit des Flusses um ein Viertel vermindere, bleibe "ganz schön was liegen", hatte bereits vor zwei Jahren der Hydrologe Professor Dr. Bernd Ettmer, der an der Universität Magdeburg einen Lehrstuhl für Wasserbau inne hat, herausgefunden. Bereits 2008 mussten aus der Aller Tausende Tonnen Sand entfernt werden. Auch nach dem inzwischen erfolgten Umbau des Totarm-Zuflusses würden jährlich immer noch rund 2000 Kubikmeter Sand anfallen, hatte Ettmer vorhergesagt.

Jetzt werde man schätzungsweise 3000 Kubikmeter Sand aus der Aller holen, sagt Rumpf. Wie hoch der "Celler Anteil" am Sand sei, könne man noch nicht quantifizieren: "In Zusammenarbeit mit der Universität Magdeburg führen wir ein Monitoring durch. Wenn die Ergebnisse dieser Überwachung des Flusses vorliegen, wissen wir mehr." Dann könne man sich auch Gedanken darüber machen, wie hoch nach dem Verursacherprinzip der Celler Anteil an den Routinearbeiten, deren Kosten Rumpf nicht beziffern kann, sein müsste.

Das schlechte Gewissen der Stadtverwaltung hat die Celler allerdings jetzt schon zum Handeln getrieben. "Die Stadt unterstützt unseren Schwimmbagger durch den Einsatz eines Langarmbaggers, der vom Ufer aus arbeitet", sagt Rumpf. "2000 bis 3000 Kubikmeter werden wir so herausholen", sagt Ernst Kohls, Gewässer-Experte beim städtischen Fachdienst Tief- und Landschaftsbau. Der Sand, der zum Beispiel für den Bau von Lärmschutzwällen verwendet werden könne, werde anschließend von der Stadt vermarktet. Die Kosten der städtischen Baggerei werden auf 13.000 bis 16.000 Euro veranschlagt.