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Celle Stadt An der Nadelberg-Schule wird getobt und Theater gespielt
Celle Aus der Stadt Celle Stadt An der Nadelberg-Schule wird getobt und Theater gespielt
13:53 13.06.2010
Ganztagsgrundschulen in Celle. Das Nachmittagsprogramm der Nadelberg-Schule. Quelle: nicht zugewiesen
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„Mittags hat jedes Kind die Möglichkeit, warmes Essen zu bestellen“, erklärt Schulleiter Andreas Reichert, „Einige Kinder bringen ihres aber lieber von zu Hause mit.“

Nach dem Essen werden die Hausaufgaben in Gruppen erledigt. Eine Lehrkraft steht ihnen dabei für alle Fragen zur Seite. Aber auch gegenseitige Hilfe funktioniert bestens. „Soziale Kompetenzen wie gegenseitige Hilfe kann man den Kindern außerhalb des Unterrichts sehr gut vermitteln“, so Schulsozialarbeiter Ingo Meyer.

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Sorgfältig mischt die sechs-jährige Malin ihre Tuschfarben. Kritisch betrachtet sie ihr Werk und beschließt dann, dass blonde Haare nicht so recht zu Rotkäppchen passen. Kurzerhand nimmt sie den Pinsel und verpasst der Märchenfigur eine lila Haarpracht.

Ausprobieren und experimentieren ist ein Motto im Mittwoch-Nachmittagskursus „Malen ist mein Hobby“. Aber auch Tobefreudige kommen voll auf ihre Kosten. Beim Tischtennis zum Beispiel. Hier bringt Christoph Bruns vom VfL Westercelle den kleinen Sportlern bei, wie man einen sauberen Pass schlägt. Der Neunzehnjährige setzt dabei stärker auf das Lernen im Spiel, anstatt auf Langeweile durch Theorie.

Kreativität fordert die Theater-AG von ihren Mitgliedern. Leiterin Karin Bruns gibt lediglich den Rahmen des Stückes vor, Dialoge und Handlung müssen die Nachwuchsschaupieler selbst entwickeln. „Dadurch gibt es keinen Streit um die Wunschrolle und keiner muss sich mit dem Auswendig-lernen von unverständlichen Texten quälen“, erklärt Bruns.

Die Nachmittagsangebote sind freiwillig, wer keine AG belegen möchte, kann im Spielzimmer oder auf dem Hof mit seinen Freunden herumtollen. „Die Aktivitäten stellen auch eine gewisse Art von Unterricht dar. Manche Kinder fühlen sich jedoch durch die konstante Beschulung überfordert und möchten nachmittags lieber spielen“, sagt Schulleiter Reichert. „Auch die Selbstorganisation der Kinder wird so gefördert, denn für viele wird die Entscheidung, wie man den Nachmittag verbringt, schwer, wenn nicht dauerhaft jemand da ist, der sie bespaßt.“

Circa 70 Kinder nehmen das Angebot der Grundschule wahr, mehr als die Hälfte aller Schüler. „Zwei bis vier Tage kann jedes Kind am Nachmittagsprogramm teilnehmen“, berichtet Meyer. „Die konstant steigende Zahl der Anmeldungen zeigt uns, dass das Projekt der offenen Ganztagsschule sehr gut ankommt.“

Der Schulleiter Andreas Reichert:

„An unserer offenen Ganztagsschule versuchen wir möglichst alle an einem Strang zu ziehen: Schulleitung, Lehrer, Erzieher und Eltern. Der Erfolg des Projekts zeigt, dass uns das gelingt. Das Nachmittagsprogramm stellt einen neuen Aspekt dar, in dem Kinder Schule erleben können. So lernen sie auch alltägliche Dinge wie den Mittagstisch richtig abzuwischen. Auch soziale Kompetenzen wie Rücksichtnahme werden hier vermittelt.“

Der Sozialarbeiter Ingo Meyer:

„Ich bin kein Freund von Zwangs-AGs am Nachmittag. Das überfordert oft Schüler und führt dazu, dass sie durch ihre Unaufmerksamkeit die anderen Kinder stören. Daher haben wir das Nachmittagsprogramm den Kindern angepasst und machen die Schule für sie zum Lebensraum, in dem sie sich wohlfühlen können und wissen, dass es in Ordnung ist, wenn sie einfach mal nur toben wollen. Denn Bewegung ist für Kinder wichtig.“

Elternvertreter Wolfgang Kribbe:

„Meine Tochter nimmt zwar selbst nicht am Nachmittagsangebot der Schule teil, aber durch mein Amt als Vorsitzender des Elternrates weiß ich, dass das Projekt gut läuft. Zu Beginn gab es einige organisatorische Probleme, aber angesichts der Tatsache, dass das Programm quasi aus dem Boden gestampft wurde, funktioniert es mittlerweile sehr gut. Gerade berufstätige Eltern profitieren davon, da ihre Kinder nachmittags betreut sind.“

Von Isabel Christian