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Celle Stadt Anarcho-Einbrecher ohne Beute: Wut allein reicht nicht aus
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Anarcho-Einbrecher ohne Beute: Wut allein reicht nicht aus
13:40 13.06.2010
Marcel Schälchli, Gabriela Lindlova, Ronald Schober Quelle: Quast
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Celle Stadt

Absurd, amüsant, anarchistisch. Wie mag man es sonst nennen, wenn drei Außenseiter ihre private Revolte darin sehen, bei anderen Leuten einzubrechen? Nicht etwa, um Dinge zu stehlen. Nein. Sie verrücken Möbel, hinterlassen Botschaften und bringen Sachen durcheinander.

Doch im Grunde geht es in „Die fetten Jahre sind vorbei“ um eine Liebesgeschichte, eine Liebe zu dritt, stellt Lars Wernecke klar. Der Regisseur hat sich dem Stoff nach dem gleichnamigen Film von Hans Weingartner in der Bühnenfassung von Gunnar Dreßler angenommen. Freitag, 20 Uhr, ist Premiere im Malersaal des Schlosstheaters. Das Original von 2004 mit dem Schauspieler Daniel Brühl („Goodbye Lenin“) in einer der Hauptrollen erntete ein Jahr später den Deutschen Filmpreis.

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In 100 Minuten Spielzeit versucht Wernecke, den Zuschauer hautnah dabei sein zu lassen. Nicht allein durch die Intimität des recht überschaubaren Malersaals. Er verlagert das Stück von seinem Ursprungsort, einer Wohngemeinschaft in Berlin, in eine WG nach Celle.

Am Anfang werde sich der Zuschauer dennoch schwer tun, sofort mit den Menschen und der Situation warm zu werden, meint Wernecke. Das Bühnenbild, mobile Betonklötze, sowie laute Musik seien nicht gerade einladend, warnt der Regisseur. Doch genau darum gehe es ihm: Sich auf die Extreme einzulassen.

Bei all dem Drunter und Drüber des Trios, dem nicht zuende gedachten Aufbäumen, den Tiraden gegen die Globalisierung und der Ausbeutung der Dritte-Welt-Länder und wer weiß was noch, bleibt als gemeinsamer Nenner: eine grundsätzliche Wut gegen die Gesellschaft. „Eine Antwort oder eine Gegenwelt liefert das Stück nicht“, so Wernecke. Doch eines könne es bezwecken: die Erkenntnis, dass Wut und Planlosigkeit einen nicht weiterbringen.

Paradebeispiel im Stück: Als es versehentlich zu einer Entführung kommt, beginnt die Situation zu eskalieren. Der Besitzer einer Villa war ihnen bei einem „Einbruch“ über den Weg gelaufen, ein reicher „Bonze“, ein „Klassenfeind“.

Dem Publikum stehen nun beide Gedankenwelten offen: die der Entführer und die des Entführten. „Beide Generationen lernen voneinander“, erklärt Wernecke, etwa dass Reichtum kein Zufall sein muss, und dass die Wut der Jugend seine Berechtigung hat. Die Lösung dafür, wie soziale Gerechtigkeit in einer kapitalistisch orientierten Welt herrschen soll, wird es am Ende nicht geben. Dafür aber mehr Verständnis füreinander, erhofft sich der Regisseur.

Von Silja Weißer