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Celle Stadt Angriff auf die Lachmuskeln
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Angriff auf die Lachmuskeln
14:56 13.06.2010
Jochen Malmsheimer - Wenn Worte reden könnten Quelle: Peter Müller
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Celle Stadt

So bescheuert der Titel des Abends, „Wenn Worte reden könnten“ mit dem noch beknackteren Untertitel „14 Tage im Leben einer Stunde“, so intelligent der Humor des selbst ernannten „Gauklers“ Jochen Malmsheimer aus Bochum. Nicht umsonst wurde der 49-jährige gelernte Buchhändler für seine Purzelbäume mit der deutschen Sprache mit Preisen überhäuft.

Um wie viele Ecken denkt jemand, der vom Dämon Handwerk heimgesucht wird und fest davon überzeugt ist, dass Fachverkäufer in einem Spielwarengeschäft mit einem „woah“ durch semipermeable Regale schlüpfen, um dem ahnungslosen Käufer eine Eisenbahn im Maßstab 1:2 anzudrehen? Inklusive des mehrstöckigen Bahnhofs, versteht sich, für den Malmsheimer mal eben „ein paar Immobilien veräußern muss“.

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Vergleichbar eines Schnellbootes in Lichtgeschwindigkeit schickt der Kabarettist bei seinen haarsträubenden Berichten diverse Beiboote ins Rennen – erstaunlicherweise, ohne vom Kurs abzukommen. So kann sich der überzeugte Choleriker zum Thema „Beschiss am Bastelkunden“ ganz nebenbei maßlos über den Grund seines Kindheitstraumas echauffieren. Damals, als ihm verklickert wurde, wie man mit Streichhölzern Kastanien in Kühe verwandelt, „war ich zwar drei, aber nicht doof“, brüllt Malmsheimer mit ergreifender Mimik und Gestik.

Nicht nur bei der Lautstärke, auch in punkto Bilderreichtum kennt der Wortjongleur keine Tabus. Das bekommt auch Bärbel Höhn spüren. Nur weil die Bundestagsabgeordnete die Leinenverordnung durchgedrückt habe, wegen der Besitzer von großen Hunden nun im Stadtpark zum Steigen gebracht würden, meint Malmsheimer den Grund für ihre schlechte Frisur zu kennen: Der Höhn falle jeden morgen, wenn sie zum Auto durch eine alte Scheune gehe ein verstorbenes Opussum auf den Kopf, versucht er dem grölenden Publikum weiszumachen.

Aber was wäre denn nun wirklich, wenn Worte reden könnten? Die Antwort gipfelt in einem Szenario der Abstrusitäten. Nach Dialogen zwischen Infinitiven und Adverben und dem überraschenden Auftreten des dialektgeschädigten Ohrkatzelschwoafs (Eichhörnchenschwanz) hat Malmsheimer auch den letzten Zuhörer mürbe gequatscht. Für den Heimweg gab’s einen philosophischen Nachschlag, den gutgemeinten Wunsch: „Möge der Wind im Rücken nicht der eigene sein.“

Von Silja Weißer