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Celle Stadt Archäologen graben auf Fläche hinter Kirche in Groß Hehlen
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Archäologen graben auf Fläche hinter Kirche in Groß Hehlen
17:14 03.08.2018
Von Dagny Siebke
Quelle: David Borghoff
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Celle Stadt

GROSS HEHLEN. Erst mit Bagger, dann mit Spaten, Kelle und am Ende mit Pinsel arbeiten sich die fünf Archäologie-Studenten Schritt für Schritt vor und legen ein menschliches Skelett frei. "Das Grab stammt aus dem Mittelalter, das erkennen wir an der geschlossenen Armhaltung. Zudem finden wir wenig Beigaben, die häufiger in der Neuzeit vorkommen", erklärt der selbstständige Archäologe Hauke Kenzler, der die Ausgrabungen hinter der St.-Cyriacus-Kirche leitet. Bereits seit dreieinhalb Wochen buddeln sich die Wissenschaftler durch die Fläche, auf der das neue Gemeindehaus entstehen soll. Da es sich dabei um ein Bodendenkmal handelt, müssen die Bauvorbereitungen archäologisch begleitet werden.

Die Kirche in Groß Hehlen stand früher im Zentrum des Dorfes, daher finden die Archäologen viele Siedlungsspuren längst vergangener Zeiten. Einige Fundstücke aus Kenzlers Keramiksammlung sind prähistorisch und stammen aus der Bronzezeit. "Der überwiegende Teil der Funde geht auf das späte Mittelalter zurück", so Kenzler. Als Beispiel nennt der 49-Jährige Malhornware aus dem 14. Jahrhundert. Das deute auf eine intensive Besiedlung in dieser Zeit hin. "Wir haben mehr gefunden als gedacht – auch neuzeitliche Dinge wie eine Plastiktüte von Obi", sagt er und lacht. Schließlich wurde die Fläche zuletzt als Gartenland für die Pastorenfamilie genutzt.

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Momentan kratzen die Studenten zahlreiche Gräber des Friedhofes hinter der Kirche frei. Das jüngste Grab stammt aus dem 19. Jahrhundert. "Mitunter überlagern sich vier Gräber in verschiedenen Schichten", erläutert Kenzler. "Wir haben auffällig wenig Beigaben gefunden. Das spricht dafür, dass die Menschen hier streng protestantisch gelebt haben." Andernorts seien die Begräbnisrituale gerade im 18. Jahrhundert häufig ausgeufert. Der Archäologe sagt: "Der Tote wurde aufwendig hergerichtet, ihm wurden Kränze und sogar Arzneimittel beigelegt."

Jede Fundstelle in Groß Hehlen wird nummeriert und kartiert. "Uns sind die Strukturen wichtiger als einzelne Spuren der Vergangenheit", betont Kenzler. Jedes Fundstück wird nicht nur fotografisch festgehalten, sondern auch gezeichnet. Um die Lage eines Skeletts zu skizzieren, hat Helen Stamer mehrere Stunden gebraucht. Für die Studentin der Uni Halle ist es bereits die fünfte Ausgrabung. Die 22-Jährige erzählt: "Für mich ist es spannend, weil ich noch nie einen Friedhof freigelegt habe."

Der Boden ist so trocken, dass die Studenten mit Wasser nachhelfen müssen, damit nichts zerbricht. Ansonsten mache den Studenten die Hitze nichts aus, sagt Laura Grimm und ergänzt: "Man sollte nicht Archäologie studieren, wenn man etwas gegen Sonne hat." Die 29-Jährige beschäftigt sich momentan mehr mit Theorie. "Ich vermisse die Ausgrabungen, wenn ich nicht alle zwei Jahre im Dreck wühle." Ihr mache es nichts aus, auch stundenlang mal nichts Spektakuläres zu finden. "Hier gibt es genug Sargnägel als Motivation für zwischendurch."