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Celle Stadt Auf verlorenem Posten
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Auf verlorenem Posten
14:38 13.06.2010
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Celle Stadt

Irgendwie sieht es so aus, als kämpften Deutschlands Landwirte auf ziemlich verlorenem Posten. Besonders die Milchbauern gehen seit Monaten immer wieder auf die Barrikaden, um für das wertvolle Lebensmittel einen fairen, wenigstens aber die Kosten deckenden Preis am Markt zu erzielen. Doch der Erfolg lässt weiter auf sich warten. Immer mehr, vor allem kleinen Landwirten steht wegen hoher Kosten und zu geringer Erlöse zunehmend das Wasser bis zum Hals. Daran ändern auch Großveranstaltungen wie der jährlich stattfindende Deutsche Bauerntag nichts. Einem Ritual gleichend, bieten solche Tagungen Verbandsfunktionären wie dem Bauernpräsidenten Gerd Sonn­leitner und Politikern wie Bundeskanzlerin Angela Merkel das Forum für große Forderungen und nicht immer kleine Versprechungen.

Die Regierungschefin widerstand allerdings der Versuchung, angesichts des nicht mehr fernen Wahltermins die Landwirte mit einem speziell auf sie zugeschnittenen Konjunkturprogramm zu beglücken. Es sind kleine Geschenke an die potenziellen Wähler vom Lande, mit denen Merkel zu punkten versucht wie die befristet reduzierte Agrardieselsteuer oder Kredite zum Vorziehen der EU-Beihilfen.

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Vielen Landwirten reicht das nicht. Statt auf den Staat zu setzen, sollten die Bauern sich besinnen und umsteuern. Wer seine Produkte in der Menge begrenzt und mit guter Qualität statt billiger Massenware möglichst direkt vor den Verbraucher tritt, hat gute Chancen auf bessere Preise. Auch wenn der Weg dahin ein mühsamer ist, könnte er sich am Ende lohnen. Zu wenige Landwirte sind dieses Wagnis bisher eingegangen. Dass es funktionieren kann, zeigt der Erfolg der Biobauern. Milch, die wirklich noch nach Milch schmeckt, gibt’s immer seltener, wird aber schon heute besser bezahlt als billige, unnatürlich lange haltbare Discountermilch.

Von Hans-Jürgen Galisch