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Celle Stadt Aus dem Nähkästchen geplaudert
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Aus dem Nähkästchen geplaudert
14:36 13.06.2010
Matineelesung von und mit Eberhard Johow Quelle: Peter Müller
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Celle Stadt

Am Freitag feiert Eberhard Johow seinen 80. Geburtstag. Aus diesem Anlass lud das Celler Schlosstheater, an dem Johow von 1972 bis 1993 als Intendant tätig war, zur Matinee „Es ist der Mohr! Ich kenne sein Signal!“.

Roter Samtvorhang, freudige Erwartung – auf der Bühne und im Publikum. Ein Tisch, ein Stuhl. Ein Stück. Ein großes Stück. Ein Rückblick auf 60 Jahre Theaterleben mit heiteren Anekdoten, ernsteren Geschichten und auf eine, so Johow, „andere Zeit“. Das durften die zahlreich erschienenen Gäste am Sonntag auf der Hauptbühne des Schlosstheaters erleben.

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Es war Johow anzumerken, wie ihn die Aura des Theaters, die berühmte Theaterluft sofort wieder stimulierte. Herzblut und Leidenschaft übertrugen sich auf die bunten Spottlichter seines bisherigen Lebens. Zunächst zitierte er das Gefühl des jungen Schauspielers herbei, der zum ersten Mal auf der Bühne steht, sprach von Schiller und der Würde, die im besten Fall mit auf der Bühne steht. „Schauspielerei ist nicht nur eine Berufsbezeichnung, sie ist ein Titel.“

Alsdann sprang er hinein in sein Theaterleben, in schwere Nachkriegsjahre, in denen man sich die Sorgen weggelacht habe, an die Städtischen Bühnen Magdeburg, ans Theater in Würzburg, Koblenz, Celle. Er erzählte, dass der Anstoß zum Theater von Michael Wilke, dem Sohn von Lale Andersen gekommen war, erinnerte sich an den Drill in der Goethe-Oberschule in Berlin und die beste Inszenierung seines Lebens. Die grotesken Vorlagen der Geschichte kamen zum Einsatz am Deutschen Theater Berlin: Auf seinen Gruß „Heil Hitler, ich soll mich hier zur Kostümprobe melden“ erfuhr Johow verblüffenderweise die positive Erschütterung der Dinge: Mensch Menneken, wir sind hier am Deutschen Theater, bei uns heißt das juten Morgen“.

Johow nahm die Besucher mit in sein Berliner Zimmertheater, amüsierte als Wolf im „Rotkäppchen“ von Wernigerode, streifte Eckdaten seines privaten Lebens, in dem er mit 15 Jahren sämtliche Theaterposten inne hatte und später Deutschlands jüngste Primaballerina, Isa Wilhelmus, ehelichte. Lebendig ließ er Theaterinterna aus dem Nähkästchen frei, verpatzte Auftritten, arge Versprecher, Kräche und große Namen. Voller Hochachtung sprach er von Freund, Regisseur und Friedensbringer Hermann Wedekind. Der hatte ihm den Wechsel nach Celle übel genommen. Zu klein wäre für den Theatermann Johow diese Welt. Doch Johow konnte ihn überzeugen: „Theater zu machen, egal wo auch immer, ist ein Beitrag zum Frieden zwischen den Kulturen.“

Von Aneka Schult