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Celle Stadt Segelschiff ist neues Zuhause
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Segelschiff ist neues Zuhause
19:49 31.05.2019
Von Benjamin Behrens
Jens Brambusch und eine Freundin sind gemeinsam unterwegs. Quelle: privat
Celle

"An dem Tag, als klar wurde, dass es so nicht mehr weitergeht, duftete es im Auto nach frisch gebackenem Käsekuchen." So beschreibt Jens Brambusch den Tag, an dem der aus Celle stammende Journalist begann, sein Leben umzukrempeln. Mit seinem frisch gebackenen Mitbringsel kam Brambusch nie in der Berliner Redaktion des Wirtschaftsmagazins Capital an. "An einer Kreuzung sprang die Ampel auf Rot. Das Herz raste, auf der Stirn bildeten sich Schweißperlen. Ich hatte das Gefühl, umzukippen. Dabei saß ich ja." An dem Montag im November 2017 fuhr der erfolgreiche Wirtschaftsredakteur nicht zur Arbeit. Er fuhr zum Arzt.

Wohnung statt Segelyacht

Heute weht Brambusch der Duft des Mittelmeers vor der türkischen Küste um die Nase. "An diesem Montag wurde mir klar, dass sich etwas ändern muss", erinnert sich Brambusch zurück. Der 47-Jährige wagte den Schritt, den wohl schon jeder erwogen hat, dem der Stress die Luft abschnürt – er stieg aus. Die Wohnung in Berlin, eigentlich auch als Altersvorsorge gedacht, verkaufte Brambusch. Berlin war ihm eh immer zu weit weg vom Meer. Stattdessen wurde eine Segelyacht, Modell "Moody 425", sein Zuhause. "Ich hatte noch nie eine Wohnung mit zwei Toiletten", witzelt der Kapitän über sein neues Heim.

Das Budget muss reichen

"Hier lebst du jetzt?" Diese Frage stellten Besucher öfter. Im September 2018 hatte der leidenschaftliche Segler seit Jugendtagen sein Traumschiff in der Türkei entdeckt. Rund 62.000 Euro wechselten den Besitzer, zirka 17.000 steckte der neue Besitzer noch an Reparaturen und Material in den Segler. Von dem übrigen Geld aus dem Wohnungsverkauf und dem Ersparten setzte sich der Aussteiger ein Budget und einen Zeitplan. Etwa sechs Jahre wird er so auskommen, das Leben in der Türkei ist günstig. Dafür muss er manchmal Gelächter per Funk ertragen. Beim Einlaufen in den Hafen ist es üblich, sich mit dem Schiffsnamen anzumelden. "Dilly-Dally bedeutet auf Englisch so viel wie Müßiggang", übersetzt der Segler den Namen seines Schiffs. Blöd nur, dass sich das türkische Wort für "Verrückter" fast genauso anhört.

Blauer Himmel, blaues Wasser - Eindrücke vom Leben vor der türkischen Küste.

Raus aus dem Hamsterrad

Ein kleiner Nachteil, wenn das Gefühl vom ewigen Hamsterrad verschwunden ist. In der Türkei arbeiten darf Brambusch nicht, das erlaubt seine Aufenthaltsgenehmigung nicht. Dafür ist er jetzt völlig frei und genießt es, letztlich nur noch sich selbst Rechenschaft schuldig zu sein. Ein Leben auf der Segelyacht ist weitaus weniger luxuriös ist, als man sich das so denkt. Letztlich hat das Gefährt manchmal etwas von einem schwimmenden Campingwagen. Bei Sturm klettert Brambusch umher und sichert bei strömenden Regen und Seegang alles an Deck. "Wenn man sich dann in die nasse Decke wickelt, ist es unheimlich befriedigend."

Buch über Leben der Aussteiger

Wie es weitergeht? "Es gibt ganz viele Jobs, die man von überall aus am Laptop machen kann, nicht nur sowas wie Schreiben", versichert Brambusch. Doch der Aussteiger schreibt. Zusammen mit Merten Kaatz, Mediengestalter, Mitschüler am Hölty-Gymnasium und ebenfalls Aussteiger, arbeitet Brambusch an einem Buch. Kaatz hat ebenfalls den Absprung geschafft und lebt auf der Karibikinsel Trinidad. Unter dem Titel "Träum weiter!: Zehn Segler, fünf Kontinente, ein Hafen" erscheint es am 4. Juni als E-Book über Amazon, eine gedruckte Fassung soll folgen. Etliche Fotos, Skizzen der Schiffe und Biografien werden mit Einblicken in das Leben der Aussteiger kombiniert. Unter ihnen sind sowohl ehemalige Geschäftsmänner wie auch abgebrannte Australier mit einer Vergangenheit voller Sex, Drugs and Rock 'n' Roll.

Wie viele Zuwanderer bestehen die Deutschkurse? Darüber gibt es für Celle angeblich keine Zahlen.

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