Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Anmelden
Celle Stadt Ausstellung zeigt: „Der Fall Struensee“
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Ausstellung zeigt: „Der Fall Struensee“
11:00 01.07.2011
Museumsleiterin Juliane Schmieglitz-Otten (rechts) mit Vernissage-Gästen bei der Führung durch die Ausstellung „Struensee – Der Fall“. Quelle: Peter Müller
Anzeige
Celle Stadt

Viele Geschichten ranken sich um die junge dänische Königin Caroline Mathilde (1751–1775), die 1772 nach Celle verbannt wurde, wo sie nur drei Jahre später starb. Das Residenzmuseum zeigt nun unter dem Thema „Struensee – Der Fall“ eine Sonderausstellung zur Lebensgeschichte des Mannes, der als Leibarzt von König Christian VII. von Dänemark zunächst Caroline Mathildes Erzieher und schließlich ihr Geliebter wurde: Johann Friedrich Struensee (1737–1772).

Schon knapp zwei Jahrzehnte vor dem Sturm der Bastille hatte er mit einschneidenden Reformen die Revolution in Dänemark geprobt: Er speiste die Armen zu Lasten der Reichen und schickte die Analphabeten auf Kosten der Kirche in die Schule. Er proklamierte die Menschenrechte, beschnitt die Adelsmacht und förderte die einfachen Leute, wo er nur konnte. Doch als er aufs Schafott kam, jubelten die, die er aus der Leibeigenschaft befreit hatte, gemeinsam mit ihren Unterdrückern seinem Henker zu. Fast über Nacht war sie zusammengebrochen, Struensees Revolution von oben, und das nicht nur, weil er den geisteskranken dänischen König, mit dem die Welfenprinzessin im Alter von fünfzehn Jahren verheiratet wurde, ein wenig zur Seite geschoben hatte und mit der liebreizenden Königin eine folgenschwere Liebesbeziehung unterhielt.

Die „kleine Ausstellung mit großer Brisanz“ – so Museumsleiterin Juliane Schmieglitz-Otten bei der Vernissage – zeigt unter anderem anhand ausgewählter Flugblätter jener Zeit eindrucksvoll die manipulierende Verunglimpfung und Diffamierungskampagne gegen Struensee und Caroline Mathilde. Karikaturen voller Zündstoff, in denen ganz bewusst kleinste diffamierende Details im Hintergrund platziert wurden und die Bildaussage quasi als „kleingedruckte“ Angriffe auf die Ehre zusätzlich mit Dynamit versorgen.

Hochkarätige Leihgaben aus Privatbesitz und anderen Museen – angefangen bei einem Paar originaler Strumpfbänder der Königin bis hin zum Henkerbeil, mit dem Struensee 1772 in Kopenhagen öffentlich hingerichtet wurde – ergänzen die Objekte des Sammlungsbestandes des Celler Bomann-Museums. Als gestalterischer Höhepunkt ist ein „Filmgemälde“ zu sehen, in dem die Kreative Ballettschule Ilona Harf unter der Regie des Wienhausener Filmemachers Sven Kalvelage ein Bild des Malers Kristian Zahrtmann mit dem dänischen Königspaar und Struensee sowie dem Kronprinzen und seinem Spielgefährten in authentischen Kostümen tänzerisch in Szene setzt und so den vertraut-intimen Umgang der Protagonisten untereinander anschaulich vermittelt.

Die Ausstellung ist bis zum 31. Dezember dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr zu sehen.

Von Rolf-Dieter Diehl