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Celle Stadt Bestseller-Autorin Deborah Feldman zeigt sich in Celle in Plauderlaune
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Bestseller-Autorin Deborah Feldman zeigt sich in Celle in Plauderlaune
17:38 10.06.2018
Deborah Feldman im Gespräch mit Verleger Christian Ruzicskain. Quelle: Peter Bierschwale
Celle Stadt

In den USA verkaufte sich das Buch millionenfach und auch die deutsche Übersetzung landete in den Bestseller-Listen. In „Unorthodox“ erzählt Feldman ihre langwierige und schmerzhafte Befreiung aus den Fesseln einer ultraorthodoxen jüdischen Sekte.

Feldman ließ sich von ihrem Verleger Christian Ruzicska interviewen, der auch ihre Bücher vom Englischen ins Deutsche übersetzt hat. Ruzicskas gut formulierte Fragen führten zu einer entspannten Plauderei mit der Autorin über schwierige Themen.

Feldman berichtete, dass ihr großes Vorbild ihre Großmutter gewesen sei, die unter anderem das KZ Bergen-Belsen überlebt hatte. Diese habe sich zwar äußerlich den strengen und frauenfeindlichen Regeln angepasst, sich andererseits aber im Inneren ein gewisses eigenständiges Denken bewahrt. Auch Heimlichkeiten gehörten dazu, denn ihre Oma traf sich einmal im Jahr mit Edith – einer Atheistin, die es nach Chicago verschlagen hatte. Nur Feldman wusste von diesen Treffen. Eines Tages erfuhr sie auch den Grund dafür: Edith hatte ihrer Großmutter in Bergen-Belsen auf dramatische Weise das Leben gerettet, und nach der Befreiung lebten beide eine Zeit gemeinsam in Schweden.

Dann fand sie eines Tages auch noch in einem Versteck ihrer Großmutter einen Roman über „Mata Hari“, den zu lesen streng verboten war. „Dann verstecke ich auch Bücher“, dachte sich Feldman. Sie begann, verbotene Werke zu lesen, „und durch sie auf die Welt zu schauen“. Sie las nicht nur Romane oder philosophische Werke, sondern auch den Talmud in einer englischsprachigen Ausgabe. Das stellte ein zweifaches Vergehen dar, denn Englisch gilt unter den Chassiden als „unreine“ Sprache, und das Lesen des Talmuds ist Männern vorbehalten.

In der Schule hatte man sie gelehrt, dass König David „ohne Sünde“ gewesen sei. Nun las sie aber, dass David den Ehemann einer Frau, die er begehrte, in den Krieg und damit in den Tod geschickt hatte. Außerdem las sie, dass sich David mit vielen „Konkubinen“ umgeben hatte. Die Bedeutung dieses Wortes kannte Feldman zunächst nicht.

Als Feldman mit 17 in eine arrangierte Ehe gedrängt wurde, litt sie besonders unter den rigiden Bräuchen ihrer Sekte für Bräute und Ehefrauen. Doch nach der Geburt ihres Sohnes denkt sich die damals 23-Jährige: „Es gibt etwas Besseres, und wenn schon nicht für mich, dann wenigstens für meinen Sohn.“ In ihrer umfangreichen Biografie beschreibt Feldman sehr spannend und offen ihren Prozess der Ablösung. Oder wie wie sie es nennt: „sich von meiner chassidischen Identität zu entprogrammieren“.

Vielleicht lag es an der Abschottung von der amerikanischen Außenwelt, an der Mutterspache Jiddisch oder an ihrem Aufwachsen unter europäisch-stämmigen Juden, dass sie schließlich feststellte: „Wir waren keine Amerikaner.“ Sie begann, Europa zu bereisen und sich dort heimisch zu fühlen.

Mittlerweile lebt Feldman mit ihrem Sohn in Berlin und besitzt die deutsche Staatsbürgerschaft. Dass sie so schnell Deutsch lernte und heute nahezu perfekt spricht, dafür hatte sie eine interessante Erklärung: Ihre Muttersprache Jiddisch sei dem Deutschen recht ähnlich, wenn gleich manche Worte eine etwas andere Bedeutung oder eine andere Aussprache haben. In einem mühseligen Lernprozess sei es ihr dann gelungen, allmählich die jiddischen durch deutsche Worte zu ersetzen.

Von Peter Bierschwale

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