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Celle Stadt Bio im Trend: In Großmoor haben auch männliche Küken eine Chance
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Bio im Trend: In Großmoor haben auch männliche Küken eine Chance
16:06 28.07.2016
Von Katharina Baumgartner
Celle Stadt

Friederike Schultz hat sich dem Biolandbau verschrieben. Immer mehr Verbraucher fragen diese Lebensmittel nach. Sie wollen sich bewusst mit regionalen Produkten ernähren, die ohne Gentechnik und Schadstoffe entstanden sind und aus artgerechter Tierhaltung stammen. Bevor die Bio-Waren ihren Weg in den Celler Einzelhandel, auf den Wochenmarkt und in die Hofläden finden, steht jedoch zuerst die ökologische Erzeugung in den Bio-Betrieben an.

Und Bio hat im Landkreis Celle fast schon Tradition. 15 Bio-Höfe gibt es im Landkreis Celle. Diese Zahl ist in den vergangenen fünf Jahren konstant geblieben. Martin Albers, Geschäftsführer des Kreisverbandes Celle im Landvolk Niedersachsen: „Umgerechnet macht das einen Anteil von 1,87 Prozent Bio-Betrieben aus, die auf die ökologische Landwirtschaften setzen. Der Flächenanteil, gemessen an der Anzahl der Betriebe, liegt bei ungefähr zwei Prozent.“ Damit liegt der Ökolandbau im Kreis Celle noch unter dem Niedersachsen-Schnitt von 2,8 Prozent ökologisch bewirtschafteter Flächen. Tendenz zunehmend.

Dafür aber sind die Biobauern Überzeugungstäter: Für Friederike Schultz war schon bei Übernahme des elterlichen Unternehmens klar, dass nur ein ökologischer Betrieb in Frage kommt. Die Zertifizierung als Bio-Hof fand 1999 statt. Die EU-Öko-Verordnung und die Auflagen des Bioland-Verbandes bilden die Richtlinien für die ökologische Bewirtschaftung.

Betriebsschwerpunkt ist die Legehennenhaltung im Freiland. Insgesamt werden 7000 Legehennen in mehreren Gruppen zu jeweils rund 1000 Hennen in mobilen Ställen gehalten.

Und die neugierigen Masthähnchen? Sie sind eine Herzensangelegenheit für Schultz. Durch das Projekt „Ei für Zwei“ entgehen die männlichen Küken dem Schredder und wachsen zu Hähnchen heran. Die Futtermittel für das Geflügel stammen aus ökologischer Erzeugung und werden zu 55 Prozent auf dem Hof selbst produziert. Bei der Fütterung wird auf den Einsatz von Tiermehl und genmanipulierten Futtermitteln verzichtet.

Der Direktvertrieb läuft über die Belieferung regionaler Bio- und Hof-Läden und den Verkaufsstand auf dem Celler Wochenmarkt. Eier sind das klassische Produkt, das von vielen unterschiedlichen Konsumenten generationsübergreifend gekauft wird.

Dort enden auch die Masthähnchen. Doch deren Preis schreckt den einen oder anderen Verbraucher dann doch ab. Bio muss man sich auch leisten können. „Bei den Fleischprodukten bewegen wir uns in dem hochpreisigen Segment. Natürlich sticht hier die Preisdifferenz zwischen dem Bio-Fleisch und dem Discounter-Fleisch ins Auge“, so Schultz.

Auch wenn die Bioprodukte aus Celler Produktion gemessen am gesamten Bedarf der Verbraucher noch ein Nischenprodukt sind, stellt Schultz ein verändertes Bewusstsein auch bei ihren Kollegen fest. Und macht anderen Landwirten Mut zur Umstellung: „Ein Biobauer muss neue Wege gehen und auch mal etwas riskieren.“

Einen ersten mutigen Schritt hat jüngst Junglandwirtin Sina Severloh aus Oppershausen gewagt, zwar nicht im Bio-Bereich, aber sie hat ihren Traum von der alternativen Freilandhähnchenhaltung realisiert. „Diese wachsen nicht so schnell, sind robust und verbringen die meiste Zeit ihres Lebens auf der grünen Wiese. Dadurch ist die Fleischqualität unvergleichlich“, so Severloh.