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Celle Stadt „Bombodrom“ als Herkulesaufgabe
Celle Aus der Stadt Celle Stadt „Bombodrom“ als Herkulesaufgabe
16:31 09.10.2018
Die Geschäftsführer Klaus Löhle und Boris Töller feiern mit der Belegschaft das 20-jährige Jubiläum der Firma Schollenberger Kampfmittelbeseitigung, die ihren Sitz in Celle hat. Quelle: Isabel Christian
Celle

Die größte deutsche Firma für die Kampfmittelbergung heißt Schollenberger und hat ihren Hauptsitz in Altencelle. Zum 20-jährigen Bestehen hat sich die Firma ein größeres Bürogebäude bauen lassen. Auf dem Rasen vor dem schneeweißen Neubau steht ein kleines U-Boot. Hinten hängt an einer Kette eine ebenso große Seemine. „Beides haben wir von der Firma Karl Schollenberger aus Sande übernommen. Als Andenken sozusagen“, sagt Klaus Löhle, seit 2009 Geschäftsführer von Schollenberger. Es steht direkt am Eingang, damit jeder Besucher gleich weiß, um was es bei Schollenberger geht. „Wobei wir ja streng genommen keine Seeminen bearbeiten, weil die Meere nicht zu unserem Einsatzgebiet gehören.“ Dafür aber alle anderen Arten von Sprengsätzen, die in Wäldern, Wiesen, Baugrundstücken, Flüssen und Seen die Zeit im Erdreich überdauern. Dazu gehört nicht nur Munition aus zwei Weltkriegen, auch der Kalte Krieg und die Bundeswehr haben auf den Truppenübungsplätzen viel Sprengstoff hinterlassen.

Im brandenburgischen Wittstock etwa liegt das sogenannte „Bombodrom“, ein ehemaliger Übungsplatz der sowjetischen Armee, den die Bundeswehr 2011 aufgegeben hat. Nun hat Schollenberger die Aufgabe, alle Kampfmittel auf dem Areal aufzuspüren. „Wir haben 50 Mitarbeiter vor Ort, trotzdem wird der Einsatz mehrere Jahre dauern“, sagt Löhle. Das „Bombodrom“ ist zurzeit der einzige Großeinsatz, doch jeden Tag bearbeiten die Mitarbeiter von Schollenberger etwa 60 Projekte gleichzeitig. Darunter sind Großprojekte wie etwa für die Deutsche Bahn oder BASF mit Kosten in Millionenhöhe, aber bei den meisten Aufträgen geht es nur um die Überprüfung von Baugrundstücken, auf denen mal ein Haus stehen soll. „Dort sind in der Regel auch nur der Fachkundige und ein Helfer im Einsatz“, sagt Löhle.

Etwa 400 Angestellte arbeiten bei Schollenberger, verteilt auf acht Standorte. „Dadurch können wird jede Region in Deutschland und Österreich gut abdecken“, sagt Boris Töller, der sich seit 2015 die Geschäftsführung mit Löhle teilt. Die Räumung von Kampfmitteln hat noch immer Konjunktur, allein im vergangenen Jahr hat der KBD in Niedersachsen rund 170 Tonnen Munition geborgen und unschädlich gemacht. Dadurch gibt es auch für die Kampfmittelbergungsfirmen viele Aufträge. Hat Schollenberger 1998 als Nachfolger der Firma Karl Schollenberger Sande noch klein angefangen, so ist das Unternehmen mit 18 Prozent Marktanteil heute Marktführer. Weil dazu immer mehr Professionalisierung nötig ist, wurde der Standort Celle zur zentralen Anlaufstelle. 35 Mitarbeiter koordinieren hier die Arbeitsmittel, erstellen Schichtpläne und planen die Einsätze. „Es braucht klare Prozesse, damit alle benötigten Leute und Maschinen immer pünktlich vor Ort sind“, sagt Töller. Mit dem neu gebauten Bürokomplex trägt Schollenberger dieser Entwicklung auch äußerlich Rechnung. „Bis vor Kurzem musste ein Teil unserer Mitarbeiter noch in Containern arbeiten, weil nicht alle in das alte Gebäude passten“, sagt Löhle. Jetzt sitzen sie nicht nur in modernen Büros, die Abteilungen sind auch wieder so strukturiert, dass beieinander sitzt, wer zusammen arbeitet.

Von Isabel Christian

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