Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Anmelden
Celle Stadt Hitler-Adjutant Darges musste draußen bleiben
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Hitler-Adjutant Darges musste draußen bleiben
13:50 23.04.2019
Von 1936 bis 1944 gehörte der Adjutant Fritz Darges (links) dem inneren Kreis um Adolf Hitler an. Oft war er auch mit dem Stab des Reichskanzlers auf dem Obersalzberg. Quelle: Garnison-Museum Celle, Repro: Peter Müller
Celle

Adolf Hitler müsse man als „Teil einer Gruppe verstehen“, meint die Historikerin Heike B. Görtemaker. Sie hat jetzt das Buch „Hitlers Hofstaat“ veröffentlicht. Darin beschreibt sie kenntnis- und facettenreich, wie sich der „innere Kreis“ um den Diktator während des Dritten Reichs bildete und veränderte und wie sich die Vertreter dieses Kreises danach noch einige Jahrzehnte in ihrem Geschichtsbild gegenseitig bestärkten.

Görtemaker: "Hitler war kein Alleinherrscher"

„Wir müssen weg von der führerzentrierten Sicht auf das Phänomen Hitler“, meint die Buchautorin nach jahrzehntelanger Forschung. Hitler sei kein Alleinherrscher gewesen, der völlig autark gewesen sei, sondern er habe vielmehr immer wieder die Bestätigung in seinem kleinen Kreis gesucht, der ihn quasi wie eine Familie umgab.

Vor neun Jahren Eva-Braun-Biografie veröffentlicht

Vor neun Jahren hat die Publizistin dem im Jahr 2009 in Celle 96-jährig verstorbenen Hitler-Adjutanten Fritz Darges einen Absatz in ihrer Biografie der Hitler-Geliebten Eva Braun gewidmet, in ihrem neuen Buch taucht der einstige persönliche Adjutant gar nicht auf. Warum das so ist? „Er war doch eher ein Außenstehender“, sagt die Autorin. Diese Aussage hätte dem einstigen SS-Offizier, der fast sechs Jahrzehnte in Celle gelebt hatte, sicher nicht gefallen. Für ihn waren die Jahre um Hitler und Eva Braun, deren Schwester er beinahe geheiratet hätte, „die schönste Zeit seines Lebens“, wie er als Greis Journalisten sagte. „Er war schon irgendwie dabei, aber ich musste für das Buch das schon wegen der vielen Namen beschränken“, sagt Görtemaker.

Fritz Darges und Dr. Helene Darges-Sonnemann in den Jahren 1996/1997 kurz vor dem Tod der Medizinerin 1998. Quelle: Sammlung Bettina Tegen

Hitler-Adjutant von Below kam nicht ins Celler Land

In einem irrt sie indes: So schreibt sie, dass sich der letzte Hitler-Adjutant Nicolaus von Below 1945 zu seiner Frau nach Nienhagen bei Celle durchgeschlagen habe. Beide gehörten dem inneren Kreis an und waren bis zuletzt begeisterte Hitler-Anhänger. Gemeint war aber ein Gutshof in der Nähe von Nienhagen bei Halberstadt. Trotz dieser Verwechselung ist das Buch aufschlussreich: Man erfährt viel über den Menschen Hitler.

Das Cover des Buches "Hitlers Hofstaat. Der Innere Kreis im Dritten Reich und danach" von Heike B. Görtemaker. Quelle: C. H. Beck Verlag

Hitlers Hofstaat bildete eine Schutzzelle für den Diktator

Der Diktator brauchte seine Entourage, um sich immer wieder seiner selbst zu vergewissern. Er reiste oft mit seinem großen Hofstaat an. Dieser bildete so etwas wie eine Schutzzelle für ihn. Er zog sich zum Ende hin auch immer weiter in diese Schutzzelle zurück, vermied öffentliche Auftritte, sondern regierte aus der Ferne.

Wer unterstützte den Diktator wie und aus welchen Gründen?

Die Autorin versteht es aufzuzeigen, wer Hitler aus welchen Gründen wie unterstützte und meist auch bis über sein Ende hinaus diesen Mann für einen bedeutenden Welt-Verbesserer hielt. Der ehemalige Hitler-Adjutant Darges war bis zu seinem Tod vor zehn Jahren auch ein solcher "Ewig-Gestriger". Er stand verschiedenen Historikern, Journalisten und "Bewahrern" Rede und Antwort.

Hitler-Adjutant heiratete NS-Todesärztin

1952 heiratete Fritz Darges in Celle Dr. med. Helene Sonnemann, die fortan Darges-Sonnemann hieß. Auch sie war NSDAP-Mitglied. Sie war während des Zweiten Weltkriegs stellvertretende Chefin des Kinderkrankenhauses Rothenburgsort in Hamburg. Von 1940 bis 1943 war sie daran beteiligt, dort behinderte Kinder zu töten. So soll sie eigenhändig zwölf Kindern eine Überdosis des Schlafmittels Luminal verabreicht haben. Sie wurde dafür wie ihre Kolleginnen nie zur Rechenschaft gezogen, jedenfalls nicht vor einem irdischen Gericht. Wie ihr Mann hielt sie viele Jahrzehnte lang Verbindungen zu Weggefährten aus der NS-Zeit aufrecht.

„Hitlers Hofstaat. Der innere Kreis im Dritten Reich und danach“ von Heike B.  Görtemaker, C. H. Beck Verlag, gebunden, 528 Seiten mit 62 Abbildungen, 28 Euro, ISBN 978-3-406-73527-1.

Abstrakte Formenfülle auf 20 x 20 Zentimetern Fotopapier – Kreise und Farbexpolsionen – so zeigen sich die digitalen Werke des Künstlers Dieter Rauh.

23.04.2019

Monstertrucks und waghalsige Fahrten: Rund 200 Motorsport-Fans haben sich am Ostersonntag die Show "Dynamit auf Rädern" angeschaut.

22.04.2019

Die Buskatastrophe von Madeira hat 29 Todesopfer gefordert. Ein Rentner-Ehepaar aus Celle hat überlebt.

22.04.2019