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Celle Stadt Büroboten und Bäckerburschen
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Büroboten und Bäckerburschen
17:12 12.08.2018
Quelle: Peter Bierschwale
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Celle Stadt

„Retro“-Veranstaltungen aller Art erfreuen sich seit einiger Zeit wachsender Beliebtheit, das gilt auch für die Fahrrad-Begeisterten: An „Velo-Classico“-Ausfahrten nehmen inzwischen in Italien, Frankreich oder Holland tausende von Fahrrad-Enthusiasten teil.

Für Celle hatte Organisator Manfred Galonski als Teilnahmevoraussetzung vorgegeben, auf „Stahlrädern bis Baujahr 1987“ und möglichst mit „angepasster Kleidung“ die Tour anzutreten. Diese Voraussetzungen schienen alle Teilnehmer zu erfüllen, und so bot sich ein buntes Bild:

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Da waren „Büroboten“ mit angehängter Aktentasche und Schiebermütze unterwegs, eine kleine Gruppe fuhr auf sogenannten „Pedersen“-Fahrrädern, die über eine besondere Sattel- und Rahmen-Konstruktion verfügen. Man sah einen Bäckerburschen mit einem Korb vor dem Lenker, und einer hatte gar seinen großen Hund vorn auf die Ladefläche seines Lastenfahrrades gesetzt.

Mike Gürgens und seine Frau sind Fans der alten Fahrradmarke „Bismarck“ und waren eigens aus Bergisch Gladbach angereist. Sie fuhren auf Fahrrädern der 30er Jahre. Er besitze auch moderne Fahrräder, erklärte Gürgens, doch das Fahrverhalten der Stahlräder sei „stabiler“.

Ähnlich äußerte sich Thomas Hebecker von „Stahlrad Laatzen von 1897“, der mit fünf Vereinskollegen bereits frühmorgens mit dem Fahrrad in Laatzen losgefahren war: „Normalerweise fahren wir auf modernen Rädern, aber mit einem Carbon-Fahrrad fährt man wie auf einem Brett. Sie glauben gar nicht, wie viele junge Leute auf alte Fahrräder umsteigen“, erklärte Hebecker, dessen Fahrradklub zu den größten Niedersachsens gehört.

Die Ausfahrt sei „kein Radrennen“, schrieb Galonski in seiner Einladung. Das zeichnet eben die „Velo Classico“ aus: Im Vordergrund stehen das genussvolle Fahrradfahren, die Geselligkeit und die Liebe zu den alten Dingen. Wer durch die Gegend rast, der kriegt nicht viel zu sehen.

Eigentlich hatte Organisator Galonski die Zahl der Teilnehmer aus Sicherheitsgründen auf 50 begrenzen wollen, doch brachte es nicht übers Herz, Absagen zu erteilen. So wurden es dann doch 80. Ein wenig enttäuscht zeigte er sich von der mangelnden Unterstützung durch Celler Behörden und Institutionen: „Bei mir steht kein Apparat dahinter.“ Immerhin sicherte die Polizei die Kolonne an problematischen Kreuzungen.

Nun plant er für das kommende Jahr eine deutlich größere „Velo Classico“ für Celle und hofft auf entsprechende Unterstützung.

Von Peter Bierschwale