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Celle Stadt „Armut bedeutet soziale Isolation“
Celle Aus der Stadt Celle Stadt „Armut bedeutet soziale Isolation“
16:32 22.11.2019
Celle

Rund 173.500 Euro kamen im vergangenen Jahr bei der CZ-Weihnachtsaktion „Mitmenschen in Not“ zusammen. Insgesamt wurden damit seit dem Jahr 1995 fast 2,7 Millionen Euro für Bedürftige in Stadt und Landkreis Celle zur Verfügung gestellt. Das ist eine stolze Summe, mit der einiges an Hilfe für unverschuldet in Not geratene Mitbürger – aber auch an Unterstützung für die Arbeit von ausgesuchten Hilfsprojekten und sozialen Einrichtungen – erfolgen konnte.

Jetzt geht die Aktion in die 25. Runde. Und weil die Zahl der Hilfsbedürftigen weiter steigt, geht auch in diesem Jahr die große Bitte an alle, die können und möchten, „Mitmenschen in Not“ zu unterstützen – "als ein Zeichen von Solidarität und Mitmenschlichkeit", wie Chefredakteur Ralf Leineweber betont.

Kluft zwischen Arm und Reich wird größer

Aktuelle Studien belegen: Die Kluft zwischen Arm und Reich ist in den vergangenen zehn Jahren noch größer geworden. Leidtragende sind insbesondere Kinder und Alleinerziehende. Aber auch immer mehr Senioren befinden sich auf dieser Talfahrt in die Armut – vor allem Frauen, die schon allgemein geringere Renten beziehen und, auch als Witwe, deutlich weniger Geld im Monat zur Verfügung haben. Für viele Menschen reicht das Geld, obwohl sie Tag für Tag zur Arbeit gehen oder gingen, kaum zum Überleben.

Vor allem ältere Menschen stellen, so die Erfahrungen sozialer Berater, keinen Antrag auf (ihnen eigentlich zustehende) Sozialleistungen – aus Scham oder aus Unwissenheit. Sozialarbeiter und Sozialpädagoge Horst-Peter Ludwigs: „Es ist leider erkennbar, dass wir allgemein in einer Gesellschaft mit eklatantem Mangel an sozialer Empathie leben. Aus Furcht vor Abwertung und gesellschaftlicher Ausgrenzung versuchen viele, ihre Not so lange wie möglich vor der Außenwelt zu verbergen, und geraten so in eine seelische Abwärtsspirale aus Einsamkeit und Scham.“

Armut kann auch Mittelschicht treffen

Ludwigs appelliert, mehr Sensibilität, Solidarität und Beistand zu zeigen: Dazu sei es wichtig, den Blickwinkel zu erweitern. Armut spiegele sich nicht nur nicht nur in verfügbaren Finanzen, sondern in erheblichem Maße auch in einer fehlenden Möglichkeit von Teilhabe, die sich zum Beispiel negativ sowohl auf den Bildungserfolg (junger Menschen) als auch auf die Lebenserwartung (älterer Menschen) auswirke. „Armut bedeutet in Deutschland soziale Isolation“, so Ludwigs. Es zeichne sich mehr denn je ab, dass viele bedroht seien, plötzlich arm zu sein. Ein Schicksal, das zunehmend auch die Mittelschicht betreffe.

Praktische und psychische Folgen

Menschen kämpfen, leiden und fürchten alltäglich wieder zu scheitern. Das hat praktische, aber auch psychische Folgen. Oft reicht nur ein Problem zusätzlich, um eine Krise auszulösen: eine defekte Waschmaschine, die Mieterhöhung oder steigende Heizkosten, das kaputte Fahrrad, zu klein gewordene Wintersachen. Gleiches gilt für nicht vorhandene finanzielle Reserven für Geburtstags- oder Weihnachtsmitbringsel (deshalb werden Einladungen nicht angenommen), das fehlende Budget fürs Eintrittsgeld (ob für den Zoo oder eine Veranstaltung), für Eis oder Pommes, Schul- oder Seniorenausflüge, Hobbyaktionen oder -Kurse, für Freizeit-, Sport- und Kulturaktivitäten. Wer keine Lebensfreude mehr erfährt, sich zunehmend isoliert, verliert den Mut und die Kraft, weiterzumachen und an einer Verbesserung der Umstände zu arbeiten.

Ob materiell oder für die psychische Stabilität – die Spendeneinnahmen der Aktion „Mitmenschen in Not“ erlauben, dort zu helfen, wo unbürokratische Hilfe notwendig und sinnvoll ist. Exemplarisch wird die Cellesche Zeitung in den kommenden Wochen konkrete Schicksale und Hilfeleistungen vorstellen.

Tombola-Start am 7. Dezember

Mit mehr als 103.000 Euro kam auch im vergangenen Jahr ein Hauptteil der Hilfssumme aus dem Erlös der großen CZ-Tombola. Und auch in diesem Jahr stellen wieder zahlreiche Sponsoren dafür interessante Gewinne bereit – unter anderem als Hauptgewinn ein Seat Mii Style 1.0. Der Losverkauf auf dem Weihnachtsmarkt beginnt am Samstag, 7. Dezember, um 10 Uhr. Die Schlussziehungen finden am dritten Adventssonntag, 15. Dezember, statt.

Suppe und Glühwein

Ebenfalls in den Dienst der guten Sache stellen sich einmal mehr die „drei Suppen-Schwestern“ Gudrun Bloetz, Martina Wieter und Verena Wagner. Ab 11 Uhr bieten sie am 23. November in der Poststraße vor Karstadt ihre beliebte Hochzeitssuppe und heißen Glühwein an.

Von Doris Hennies

So können Sie helfen

Schwerpunkt der CZ-Weihnachtsaktion ist wieder die große Tombola, die am 7. Dezember in der Celler Innenstadt startet. Hierfür sind bislang rund 7000 Preise von der Bratwurst über viele Sachpreise bis zu Wochenendreisen sowie dem Seat Mii als Hauptpreis eingetroffen. Wer den Erlös mit seiner Sachspende steigern möchte, melde sich bitte bei Dörthe Rogalski, Telefon (05141) 990110. Helfen können Sie aber auch mit Ihrer Geldspende: Das Konto des gemeinnützigen Vereins „Mitmenschen in Not“ läuft unter dem gleichnamigen Stichwort mit der IBAN DE38257500010000009910 bei der Sparkasse Celle-Gifhorn-Wolfsburg. Spendenbescheinigungen werden ab einer Summe von 200 Euro ausgestellt, sofern ein Hinweis auf dem Überweisungsträger enthalten ist. Bei Spenden bis 200 Euro reicht dem Finanzamt Celle der Bankbeleg.

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