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Celle Stadt Carl Friedrich Gauß auf der Stechbahn
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Carl Friedrich Gauß auf der Stechbahn
15:27 13.06.2010
Professor Klaus Quelle: Peter Müller
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Celle Stadt

Die Aufmerksamkeit der Celler Bürger auf der Stechbahn hatten die Schüler des Hermann-Billung-Gymnasiums sicher. Mit einer Pferdekutsche, historischen Kostümen, nachgebauten Sonnenspiegeln und Plakaten präsentierte die zehnte Klasse ihr Projekt „Carl Friedrich Gauß in Celle – Ein Lichtblitz als Geistesblitz“ vor der Stadtkirche. Sie gingen dabei besonders auf das Wirken von Gauß in der Region Celle ein.

„Eine tolle Sache. Das ist angewandte Mathematik“, sagte Professor Klaus Kertscher von der Fachhochschule Oldenburg. Kertscher trat in der historischen Uniform von Generalleutnant Müller auf, der Adjutant von Gauß war. Anschließend hielt er einen Vortrag mit dem Thema „Carl Friedrich Gauß in Celle und in der Südheide“. Kertscher würdigte die Leistungen von Gauß, der auf dem Zehn-Mark-Schein abgebildet war: „Gauß war ein außergewöhnlicher Mann. In vier Disziplinen – Mathematik, Physik, Astronomie und Geodäsie – hat er Neuheiten entwickelt, die bis heute von Bedeutung sind.“

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Geodäsie ist die Wissenschaft von der Ausmessung und Abbildung der Erdoberfläche. Gauß vermaß in der Zeit von 1825 bis 1845 die Gegend von Göttingen bis Hannover. „Auch in der Südheide führte er seine Messungen durch. Er war nicht nur Wissenschaftler, sondern auch Praktiker“, so Kertscher, der sich als „Gauß-Fan“ betrachtet und regelmäßig Vorträge zu Gauß hält.

Der in Braunschweig geborene Gauß entwickelte den Heliotropen – einen Sonnenspiegel, mit dem er seine Vermessungsarbeiten durchführte. „Gauß fing mit einem Spiegel das Sonnenlicht ein und lenkte es auf einen Vermessungspunkt in 50 Kilometern Entfernung. Dort stand ein Spiegel, der aufblinkte“, erklärt Kertscher. „Heute nimmt man für Vermessungen dieser Art einen Laser.“

Seit September wandelten die HBG-Schüler auf den Spuren von Gauß. „Wir haben eine Radtour durch die Lüneburger Heide zu den Vermessungspunkten gemacht“, sagte Svenja Jüngel, die sich bei der Präsentation der Ergebnisse als Frau Gauß verkleidete.

„Außerdem haben wir in der Uni Göttingen die Gauß-Heliotrope angeschaut und selbst nachgebaut“, ergänzt Tim Ebbeke, der als Gauß kostümiert war. „Es ist lustig, in den historischen Kostümen aufzutreten. Gleichzeitig bringt es das Projekt besser rüber und weckt das Interesse der Leute.“

Von Paul Gerlach