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Celle Stadt So verlief die Kundgebung am Schloss
Celle Aus der Stadt Celle Stadt So verlief die Kundgebung am Schloss
21:24 01.07.2019
Von Simon Ziegler
"Solidarität mit Carola Rackete": Zur Kundgebung am Schloss kamen rund 70 Teilnehmer. Quelle: Oliver Knoblich
Celle

Es war ein Zeichen der Zivilgesellschaft: Vertreter von Kirchen waren dabei, Gewerkschafter, Politiker. Die Fridays-for-Future-Bewegung war genauso vertreten wie das Bunte Haus. Sie alle sind der Meinung, dass Carola Rackete das Richtige getan hat. Und vor allem: Dass sie nicht kriminalisiert werden dürfe, weil sie Menschen gerettet hat. "Für Seenotrettung bestraft zu werden, ist unter aller Sau", brachte Anna-Franziska Finger die Stimmung am Montagabend vor dem Celler Schloss auf den Punkt. 70 Leute waren gekommen. "Kein Mensch ist illegal – Bleiberecht überall", skandierten die Teilnehmer.

Solidaritätsfoto für Carola Rackete am Celler Schloss. Quelle: Oliver Knoblich

Spontane Kundgebung

Es war eine recht spontane Kundgebung, zu der erst am Nachmittag über die sozialen Medien eingeladen wurde. "Super, dass so viele Menschen gekommen sind", sagte Christian Müller, der sich im Bunten Haus engagiert und einer der Ideengeber des Treffens war. "Wir wollen uns gegen Rassismus und Ausgrenzung positionieren und sehen in Carola ein Vorbild. Wenn alle sich für andere Menschen so einsetzen würden, wäre unsere Welt friedlicher, schöner und sicherer für alle", sagte er. Er begrüßt den Vorschlag des Celler Kirchenkreis-Sprechers Uwe Schmidt-Seffers, einige der von Rackete geretteten Menschen in Celle aufzunehmen.

"Carola ist ein Vorbild": Christian Müller war einer der Ideengeber der Kundgebung. Quelle: Oliver Knoblich

"Solidarität mit dieser mutigen Frau zeigen"

"Ich bin hier, um meine Solidarität mit dieser mutigen Frau zu zeigen", sagte der Celler Ratsherr Oliver Müller (BSG). Paul Stern, Vorsitzender des DGB in der Allerstadt, machte die Position der Gewerkschaften klar: "Wir müssen Schutzsuchende aufnehmen und nach Möglichkeit auf verschiedene europäische Länder verteilen, auch wenn es schwierig ist". Carola Rackete sei eine "beeindruckende Persönlichkeit". "Das Mittelmeer darf nicht zum toten Meer werden", sagte Stern. "Ich finde es ungeheuerlich, dass Seenotrettung behindert und kriminalisiert wird. Es ist toll, dass sich hier in Celle so viele Menschen solidarisch zeigen", erklärte Reinhard Rohde von der Gruppe „Land in Sicht – Transition“ (List).

Klare Haltung: Seenotrettung ist kein Verbrechen, sagen diese Demonstranten. Quelle: Oliver Knoblich

Star und Feindbild

Das ist allerdings nur die eine Seite der Medaille. Die andere wird vor allem im Internet deutlich. Seit Tagen dominiert "Käpt'n Rackete" die Debatten in den Sozialen Medien. Viele werfen der Hambührenerin vor, dass sie die geretteten Flüchtlinge nicht in den nächsten Hafen in Nordafrika, sondern nach Italien gefahren hat. Sie habe gegen Gesetze verstoßen und sei deshalb zu bestrafen, heißt es vielfach. Carola Rackete ist innerhalb weniger Tage für die einen zum Star und für die anderen zum Feindbild geworden.

Hambührener Bürgermeister lobt 31-Jährige

Unterdessen hat der Hambührener Bürgermeister Thomas Herbst im Gespräch mit der CZ das Engagement der 31-Jährigen, die seit 22 Jahren in seiner Gemeinde lebt, gelobt. "Die Arbeit, die Frau Rackete leistet, finde ich beachtenswert. Das kann man gar nicht genug würdigen", sagte er. "Es ist sehr bedauerlich, dass man im modernen Europa Menschen festsetzt, die Menschen aus Seenot retten. Sie verdient es, geehrt zu werden", fand Herbst klare Worte.