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Celle Stadt Casting-Wahn aufs Beste karikiert
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Casting-Wahn aufs Beste karikiert
13:18 13.06.2010
Michael Tumbrinck und Michael „Stani“ Greifenberg als „Parkbankduo“ mit ihrem Programm "Bauer kocht Frau" bei ihrem Auftritt in Kunst und Bühne am 03. April 2010. - Quelle: Peter Bierschwale
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Celle Stadt

Wieso treibt es das Publikum als Zuschauer oder Mitwirkende zuhauf in das „Blödfernsehen“, in Casting-Shows oder alberne Quiz-Sendungen, die von den Telefongebühren der Anrufer leben? Mit diesen Fragen beschäftigte sich das Duo „Stani & Tumbrinck“ in seinem Programm „Bauer kocht Frau“ in Kunst & Bühne. Vor ausverkauftem Haus gelang es den beiden Ostwestfalen mit viel Selbstironie, diese Themen unterhaltsam zu präsentieren.

Das sei schon komisch, meinte Michael Tumbrinck: „Bei Wahlen geht keiner mehr hin, aber bei Casting-Shows tippt sich die Republik die Finger wund!“ Bei diesen Shows könne man sich dann die Kommentare des „breitbeinigen Fäkalauswurfs“ Dieter Bohlen anhören. Früher habe man die „Dullen“ zur allgemeinen Belustigung in Kisten vor die Tore der Stadt gestellt, heute könne man denen im Blödfernsehen zuschauen. Vielleicht diene das Anschauen solcher Sendungen vor allem dem eigenen Selbstbewusstsein, denn so blöd wie „die da“ sei man selbst dann ja doch nicht.

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Die beiden Kabarettisten ließen ihre Szenen in einem Obdachlosenheim spielen. „Stani“ ist Dauerseher von Koch- und Kuppelshows, Tumbrinck ernährt sich von Fastfood aus der Mikrowelle, lästert aber über Stani, weil der sich die Zubereitung von Gerichten anschaut, die er in der Realität nie essen wird. So sinnieren sie über die Wirkungen des Fernsehens. Nach den öffentlichen Beerdigungsfeiern für Michael Jackson oder Robert Encke könne man ohne „mindestens 50000 Zuschauer und einen Gospelchor aus New Orleans“ nicht mehr richtig trauern.

Schließlich beschließen die beiden, auch „ins Fernsehn“ zu wollen, und drehen Bewerbungsvideos für eine Kochsendung und die Kuppelshow „Bauer kocht Frau“. „Stani“ Greifenberg gab vor laufender Hobby-Kamera den Schweinebauern und offenbarte sein Verhältnis zu Frauen: Da halte er es wie bei seinen Schweinen: „Wenn die 100 Kilo haben, müssen die weg!“. Die Szene zog sich etwas hin und überspannte den Bogen etwas, aber sonst hatten die beiden Künstler viel bodenständig-schlitzohrigen Humor zu bieten – so, wie man sich eben den ostwestfälischen vorstellt. Der kam beim Publikum an.

Apropos bodenständig: Nachdem sie ihre simulierte Koch-Show („mit Lauch und Porree“) in den Sand gesetzt hatten, schoben sie den ganzen Quatsch beiseite und bereiteten auf der Bühne einen „kulinarischen Liebesgruß“ zu: Es gab „frisches Paderborner Brot mit grober Leberwurst und Gürkchen“, und das Publikum durfte probieren. So führte der Weg doch noch zurück vom sinnfreien TV-Menü zum realen Leberwurstbrot.

Von Peter Bierschwale